Stellen, GefÀngnismediziner

Stellen fĂŒr GefĂ€ngnismediziner bleiben oft unbesetzt

03.12.2023 - 04:15:47

Drogenprobleme und psychische Krankheiten: Wer als GefÀngnisarzt arbeitet, hat es nicht gerade mit den einfachsten Patienten zu tun. Bei einer Tagung tauschen sich Mediziner und PflegekrÀfte aus.

Bundesweit sind zahlreiche Stellen fĂŒr GefĂ€ngnismediziner unbesetzt. Es werde immer schwerer, die medizinische Versorgung der Gefangenen zu gewĂ€hrleisten, sagte der Berliner GefĂ€ngnisarzt Karlheinz Keppler im Vorfeld einer Tagung in Frankfurt am 7. und 8. Dezember. Mediziner und PflegekrĂ€fte aus dem gesamten Bundesgebiet treffen sich bereits zum achten Mal zu den «GefĂ€ngnismedizin-Tagen».

Auf freie Stellen gebe es nur wenige Bewerber, sagte Keppler der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Besonders schwer seien Ärzte oder Ärztinnen zu finden. Sie mĂŒssten durch HonorarkrĂ€fte ersetzt werden, die teurer seien und oft nur schwer mit den speziellen Gegebenheiten in GefĂ€ngnissen zurechtkĂ€men. Aber auch viele Stellen beim Pflegepersonal seien unbesetzt. Ein Thema der Tagung ist Resilienz - wie medizinisches Personal besser mit dem belastenden Arbeitsumfeld zurechtkommt.

Suchterkrankungen und psychische Probleme

Typische Probleme in GefĂ€ngnissen sind laut Keppler Suchterkrankungen und psychische Probleme. Dazu kommt, dass die Insassen immer Ă€lter werden und damit der Behandlungsbedarf steigt. «Haft schĂŒtzt ja nicht vor Krebs oder anderen Krankheiten, die sich im Alter hĂ€ufen», sagt Keppler. Nicht immer wĂŒrden Insassen bei schwerster Krankheit entlassen, «manche sterben auch im Vollzug».

«Unser Hauptproblem sind Sucht und Drogen», sagte Keppler. Bei MĂ€nnern seien ein Drittel, bei Frauen die HĂ€lfte intravenös drogenabhĂ€ngig. Dazu kĂ€men andere SĂŒchte wie Alkohol. Die opiatabhĂ€ngigen Patienten bekommen Keppler zufolge in der Regel eine Substitutions-Therapie. Sie leiden aber oft auch an Begleiterkrankungen wie Hepatis, HIV oder Abszessen. FĂŒr viele von ihnen ist aus Kepplers Sicht das GefĂ€ngnis der falsche Ort: «Es ist Quatsch, diese Suchtkranken einzusperren.»

Wichtige gesellschaftliche Aufgabe

Das gleiche gilt seiner Ansicht nach fĂŒr viele psychisch kranke Gefangene. «In den JVAs können wir diese Patienten nicht vernĂŒnftig betreuen, aber wir werden sie auch nicht los, weil die psychiatrischen Kliniken sie uns nicht abnehmen.»

GefĂ€ngnismediziner erfĂŒllten eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe: Mancher Inhaftierte bekomme erstmals im Leben eine angemessene medizinische Betreuung und soziale UnterstĂŒtzung. «Inhaftierte gesund und mit einem neuen Bewusstsein fĂŒr ihre gesundheitlichen Belange in die Freiheit zu entlassen - davon profitiert auch die Gesellschaft», sagte Keppler.

@ dpa.de