Drogenscanner in GefÀngnissen setzen sich weiter durch
14.01.2024 - 08:08:01Immer mehr BundeslĂ€nder sagen synthetischen Drogen in GefĂ€ngnissen den Kampf an: Ein im rheinland-pfĂ€lzischen Wittlich zuerst erprobter Drogenscanner werde bald in 14 BundeslĂ€ndern eingesetzt, sagte der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich, Jörn Patzak, der Deutschen Presse-Agentur. Nach einer Schulung Ende Januar seien in diesem Jahr die LĂ€nder Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen neu dabei. «Das zeigt, dass wir mit dem Drogendetektor am Puls der Zeit sind», sagte der Jurist.
Der Drogenscanner kann neue psychoaktive Substanzen (NPS) erkennen, die auf Papier getrĂ€ufelt mit Briefen in die JVAs geschmuggelt werden. Diese synthetischen Drogen machten heute rund 80 Prozent der Drogen in einem GefĂ€ngnis wie der JVA Wittlich aus, sagte Patzak. Anders als klassische Drogen wie Kokain oder Cannabis sind sie nicht sichtbar und geruchlos. Der Detektor, der im Sommer 2018 in Wittlich in einem Pilotprojekt startete, spĂŒrt jene Substanzen auf: Mit einem Teststreifen nehmen JVA-Mitarbeiter Proben, die Streifen legen sie dann in das GerĂ€t, um nach wenigen Sekunden eine Analyse zu erhalten.
Eine Datenbank am Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz, die die Substanzen auflistet, wird stĂ€ndig aktualisiert. Derzeit seien rund 100 Substanzen erfasst, meist synthetische Cannabinoide. «Die Datenbank stellen wir allen BundeslĂ€ndern zur VerfĂŒgung.» AuĂer Nordrhein-Westfalen und Bremen machen inzwischen alle LĂ€nder mit. Und auch Kooperationspartner im Ausland: Seit 2023 sei auch die Niederlande mit vier Haftanstalten bei dem Projekt dabei.
Mit Luxemburg gebe es zudem bereits konkrete GesprĂ€che ĂŒber eine Kooperation. Weitere europĂ€ische LĂ€nder hĂ€tten angefragt. Die im Justizvollzug mit dem LKA entwickelte Drogenscanner-Datenbank sei «ein echter Exportschlager», teilte das Justizministerium mit.
Schon viele Treffer
Der Scanner hat in Rheinland-Pfalz und im Saarland schon viele Treffer gehabt: Bis Ende 2023 seien bei insgesamt 2700 VorgÀngen und 11.250 gemessenen Asservaten in den GefÀngnissen 664 FÀlle vorgekommen, in denen Drogen nachgewiesen wurden, sagte Patzak. Davon entfielen auf die JVA Wittlich rund 1500 VorgÀnge und 257 Treffer.
Die Designerdrogen seien höchst gefĂ€hrlich, sagte Patzak. «Wir wollen verhindern, dass die Gefangenen kollabieren.» Meist wĂŒrden Konsumeinheiten in Form von kleinen Quadraten auf kariertem Papier herausgeschnitten und geraucht. Der Konsument wisse oft nicht, wie der Stoff wirke und wie viel aufgetrĂ€ufelt sei. «Es gibt eine hohe Gefahr der Ăberdosierung. Zum GlĂŒck hatten wir noch keinen Drogentoten.»
Aber auch zum Schutz der Mitarbeiter sei der Kampf gegen Drogen wichtig, sagte der Leiter des gröĂten GefĂ€ngnisses in Rheinland-Pfalz mit knapp 500 Insassen. «Dieses Zeug macht hochaggressiv, und Gefangene ticken völlig unerwartet aus von der einen auf die andere Sekunde.»


