HÀufung von Ehec-Infektionen - wie gefÀhrlich ist das?
30.08.2025 - 04:00:53In Mecklenburg-Vorpommern stieg die Zahl erfasster Ehec-Infektionen zuletzt auf 17, betroffen sind vor allem Kinder - mehrere wurden auf Intensivstationen betreut. In belgischen Seniorenheimen erkrankten etwa 20 Menschen an den Bakterien, mindestens vier Menschen starben laut der flĂ€mischen Behörde fĂŒr Pflege und Gesundheit. Die Infektionsquelle ist jeweils noch unklar.
Die HĂ€ufung weckt Erinnerungen an einen Ausbruch in Deutschland im Jahr 2011, bei dem rund 3.800 Erkrankungen erfasst wurden und mehr als 50 Menschen starben. Aktuell sieht das Robert Koch-Institut (RKI) keine Hinweise auf eine HĂ€ufung von Ehec-FĂ€llen auch in anderen Regionen Deutschlands. Die Situation werde aber weiter sehr genau beobachtet.
Was ist Ehec?
Ehec steht fĂŒr enterohĂ€morrhagische Escherichia coli und bezeichnet bestimmte krankmachende StĂ€mme des Darm-Bakteriums, die vor allem bei WiederkĂ€uern wie Rindern vorkommen. Die Mikroben können zum Beispiel durch kontaminierte Lebensmittel auf den Menschen ĂŒbertragen werden.
Sie produzieren sogenannte Shigatoxine: starke Zellgifte, die bei Menschen schwere Durchfallerkrankungen sowie das sogenannte hĂ€molytisch-urĂ€mische Syndrom (HUS) verursachen können, eine Komplikation, die zu Nierenversagen fĂŒhren kann. Kinder sind besonders gefĂ€hrdet, weil ihr Immunsystem und ihre Organe noch nicht ausgereift sind.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen den FĂ€llen?
Wie und ob die AusbrĂŒche in Deutschland und Belgien zusammenhĂ€ngen, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, sagt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft fĂŒr PĂ€diatrische Infektiologie, Tobias Tenenbaum. Allgemein seien Kitas und Seniorenheime besonders sensible Bereiche fĂŒr Durchfallerkrankungen. «Es braucht noch eine gewisse Zeit, um herauszufinden, was die Ursache ist», so der Kinderarzt. Die Dynamik unterscheide sich aber offensichtlich von Ehec-FĂ€llen im vergangenen Jahr.
Die Suche nach dem Ursprung der Infektionen sei wie Detektivarbeit, erklĂ€rt Tenenbaum. In Befragungen mĂŒsse herausgefunden werden, ob die Betroffenen Ă€hnliche Orte besucht oder Ă€hnliche Mahlzeiten gegessen hĂ€tten. Als besorgniserregend wĂŒrde er die aktuelle Situation derzeit nicht bezeichnen, man mĂŒsse nun aber dringend alle wichtigen Fragen klĂ€ren
Kann ich mich gezielt vor einer Ansteckung schĂŒtzen?
Bisher ist das schwerlich möglich, weil die Quelle der aktuellen Infektionen in keinem der FĂ€lle bekannt ist. Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern prĂŒfen verschiedene mögliche Quellen wie Lebensmittel und Tierkontakte, haben bisher aber kein eindeutig identifizierbares Muster gefunden. In Belgien zeigten Laboranalysen, dass die Infektionen durch denselben Typ des Ehec-Bakteriums verursacht wurden, was auf eine gemeinsame Quelle fĂŒr diese Infektionen hinweist - welche genau das ist, war zunĂ€chst ebenfalls unklar.
Generell sind Hygiene und Vorsicht beim Umgang mit Lebensmitteln angebracht. Rohe tierische Produkte sollten gut durchgegart werden, Obst und GemĂŒse grĂŒndlich gewaschen. Als wahrscheinliche Ursache fĂŒr den Ausbruch 2011 gelten verunreinigte Sprossen aus Ăgypten importierter Bockshornkleesamen.
Wie schnell merkt man, dass man infiziert ist?
Vom Verzehr eines verunreinigten Lebensmittels bis zum Ausbruch der Erkrankung dauert es im Durchschnitt drei bis vier Tage, wie es beim Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) heiĂt. Typisch sind wĂ€ssriger Durchfall, Ăbelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Bei schwereren VerlĂ€ufen kann der Durchfall blutig werden und es können Komplikationen wie das HUS mit Nierenversagen folgen. Schon wenige Bakterien reichen aus, um eine Infektion anzustoĂen, zudem können Ehec auch direkt von Mensch zu Mensch ĂŒbertragen werden.
Wie ungewöhnlich sind Ehec-Infektionen?
Ehec-Ansteckungen gibt es regelmĂ€Ăig. Nach Daten des Robert Koch-Instituts zufolge wurden 2023 bundesweit mehr als 3.440 Erkrankungen erfasst, 2024 rund 4.570 und in diesem Jahr bisher etwa 3.660 (Stand 27. August). Im Jahr 2023 waren 5, im Jahr darauf 3 Hus-bedingte TodesfĂ€lle gemeldet worden. In Mecklenburg-Vorpommern wurden im Jahr 2024 mehr als 130 FĂ€lle erfasst, im Jahr davor 80. Im aktuellen Fall ist die Aufmerksamkeit dennoch hoch, unter anderem, weil so viele Kinder in recht kurzer Zeit von betroffen sind.









