VerdÀchtiger von Stade ist tot - Ermittlungen gehen weiter
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 17:54 Uhr | dpa.deDer VerdĂ€chtige, der in Stade sechs Menschen getötet haben soll, ist in der Untersuchungshaft gestorben, doch die Ermittlungen werden fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft arbeitet weiter an der AufklĂ€rung von AblĂ€ufen und HintergrĂŒnden der Tat, wie eine Sprecherin mitteilte. Auch gegen die Partnerin des mutmaĂlichen SchĂŒtzen und die Fahrerin des Fluchtwagens wird demnach ermittelt.
Beamte gehen von Suizid im GefÀngnis aus
Ein Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt im niedersĂ€chsischen Bremervörde hatte den 45-JĂ€hrigen am frĂŒhen Morgen tot in seiner Einzelzelle gefunden. Ein Notarzt stellte den Tod durch Strangulation fest. Die Beamten gehen von Suizid aus, es gebe keinen Hinweis auf ein Verbrechen. Die Ermittlungen gegen den 45-JĂ€hrigen wegen Mordes werden eingestellt - ein Verfahren gegen Tote ist in Deutschland nicht möglich.
Der TĂŒrke soll Ende Juni in einer Mutter-Kind-Einrichtung in der Stadt westlich von Hamburg sechs Menschen getötet haben - drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes Hannover sowie drei BeschĂ€ftigte der Einrichtung. Hintergrund war nach bisherigen Erkenntnissen ein Sorgerechtsstreit um seine zur Tatzeit drei Monate alte Tochter. Die Polizei hatte ihn nach dem Verbrechen festgenommen.
Opposition fordert AufklÀrung
Die niedersĂ€chsische CDU-Landtagsfraktion Ă€uĂerte UnverstĂ€ndnis darĂŒber, wie es zu dem Suizid kommen konnte. Der VerdĂ€chtige soll schon nach der Tat geĂ€uĂert haben, sich selbst töten zu wollen. «Die Justizministerin muss jetzt lĂŒckenlos darlegen, wann welche Hinweise auf eine mögliche SelbstgefĂ€hrdung vorlagen, wie diese bewertet wurden, welche SchutzmaĂnahmen angeordnet waren und ob sie tatsĂ€chlich eingehalten wurden», teilte Carina Hermann mit, Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der CDU-Fraktion.
Viele Fragen könnten mit dem Tod des mutmaĂlichen SchĂŒtzen unbeantwortet bleiben, befĂŒrchtet Hermann. «Dass der Beschuldigte nun tot in seiner Zelle aufgefunden wurde, nimmt den Angehörigen auch die Möglichkeit, die vollstĂ€ndige strafgerichtliche Aufarbeitung der Tat zu erleben», sagte sie.
Die CDU-Fraktion wirft Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann eine «Serie schwerwiegender Pannen» vor. Zuletzt stand die SPD-Politikerin nach einer zwischenzeitlichen Flucht eines verurteilten Mörders aus dem GefĂ€ngnis in der Kritik. AuĂerdem bemĂ€ngelt die Opposition, dass wichtige FĂŒhrungspositionen im Ministerium nicht besetzt seien. «Diese HĂ€ufung von Pannen und nicht erklĂ€rbaren VorgĂ€ngen ist der Ăffentlichkeit nicht lĂ€nger zu vermitteln», meint Hermann.
Die Opposition sieht auch Niedersachsens MinisterprÀsident Olaf Lies (SPD) in der Verantwortung. «Inzwischen ist auch der MinisterprÀsident gefordert», betonte Hermann. «Er darf dem Kontrollverlust im Justizressort nicht weiter tatenlos zusehen.»
