Kino, Rehragout-Rendezvous

«Rehragout-Rendezvous»: Frauen-Power contra MÀnner-Gehabe

07.08.2023 - 06:37:54

Ein abgerissenes Ohr auf einem Acker - ganz klar ein Fall fĂŒr Franz Eberhofer. Doch der Dorfpolizist kann sich nicht mehr nur seinem Job widmen. Denn die Frauen in seinem Leben wagen die Revolution.

Revolution in Niederkaltenkirchen. Die Oma möchte nicht mehr kochen und putzen. Und Susi will Karriere machen und nicht als treusorgende Mutter immer nur hintenan stehen, um das alltÀgliche Familienchaos zu regeln.

Schwierige Zeiten fĂŒr den Dorfpolizisten Franz Eberhofer, seinen Vater und seinen Bruder Leopold, saßen sie doch in den bisherigen acht Filmen der «Eberhofer»-Reihe im gemachten Nest und konnten ausgiebig Nabelschau betreiben. Damit ist in der Krimikomödie «Rehragout-Rendezvous» Schluss. Die MĂ€nner mĂŒssen selbst anpacken, weil Susi und Oma sich nicht lĂ€nger knechten lassen wollen.

«Es war vielleicht ĂŒberfĂ€llig, dass die wichtigsten Frauenfiguren
mehr Raum einnehmen», befindet die Produzentin Kerstin Schmidbauer ĂŒber die neue Komödie, die auf dem 11. Band der Krimireihe von Rita Falk beruht.

Deutlich wird das auf dem Plakat, auf dem bislang immer nur Eberhofer-Darsteller Sebastian Bezzel und Simon Schwarz alias Privatdetektiv Rudi Birkenberger zu sehen waren. Auch dieses Mal ermitteln sie gemeinsam, in einem Vermisstenfall, der sich als Mord entpuppt. Auf dem neuen Filmplakat gesellt sich auch Lisa Maria Potthoff dazu, als selbstbewusste Susi im Business-Look.

Neue Zeiten also im «Eberhofer»-Universum? Jein. Die Diskussionen im Film sind alt. Dass MĂŒtter arbeiten und MĂ€nner den MĂŒll rausbringen und die Kinder wickeln - in sehr vielen Beziehungen lĂ€ngst Alltag. So entlarvt sich Eberhofer als reichlich altmodisch angesichts seines Entsetzens, dass er im Job kĂŒrzer treten soll, um sich mehr um Sohn Pauli kĂŒmmern zu können. Auch an seinem Vater (Eisi Gulp) und Bruder Leonard (Gerhard Wittmann) scheinen die Debatten um gerechte Aufteilung von Arbeit und Haushalt spurlos vorĂŒbergegangen zu sein.

Frauen wagen die Revolution

Das wollen die Frauen nicht lÀnger hinnehmen. Enzi Fuchs als Oma wagt den Protest - wieder einmal wunderbar verschmitzt und zÀh - und doch zerbrechlich. Potthoff spielt gewohnt schlagfertig und bietet den MÀnnern ringsum unbeeindruckt Paroli. Doch das Drehbuch setzt dem Selbstbewusstsein ihrer Figur Grenzen.

Susi wirkt nicht gerade wie die Speerspitze der Emanzipation, wenn sie im rosa Barbie-KostĂŒm in ihre neue Rolle als stellvertretende BĂŒrgermeisterin des fiktiven Dorfes in Niederbayern stöckelt. Das Klischee einer unbedarften Frau, die erst mal gar nicht so recht weiß, wie sie diesen Platz ausfĂŒllen soll. Beruhigend, dass sie am Ende doch Geschmack daran findet, das Sagen zu haben und ihren beruflichen Ehrgeiz entdeckt.

«Rehragout-Rendezvous» lenkt die Filmreihe in eine andere Richtung. Mehr Frauen-Power, weniger Toleranz fĂŒr MĂ€nner-AllĂŒren. Fans der dummen SprĂŒche und des Klamauks kommen dennoch auf ihre Kosten. Parodistisch ĂŒberhöhtes Macho-Gehabe und flache SpĂ€ĂŸe gibt es zuhauf, nicht zuletzt auf Kosten von Franz, der sich von Susis Ambitionen stark unter Druck gesetzt fĂŒhlt, bis in intimste Bereiche.

Ein Umstand, der Metzger Simmerl (Stephan Zinner), Wirt Wolfi (Max Schmidt) und Flötzinger (Daniel Christensen) so umtreibt, dass sie ihm helfen wollen, seine MÀnnlichkeit neu zu entdecken.

Der Perspektivenwechsel tut der Geschichte tut, auch wenn manche Witze nicht mehr ganz taufrisch sind. Trotzdem taugt der Film auch als Signal an die MÀnnerwelt: Selbst im hintersten Winkel lÀsst es sich nicht mehr bequem in der Macho-Nische einnisten.

Rehragout-Rendezvous, Deutschland 2023, 97 Minuten, FSK ab 12, von Ed Herzog, mit Sebastian Bezzel, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs und Simon Schwarz

@ dpa.de