Toter Buckelwal geborgen: Bald beginnt die Spurensuche
30.05.2026 - 12:23:09 | dpa.deNach seiner erfolgreichen Bergung auf der dĂ€nischen Insel Anholt soll der Kadaver des als «Timmy» bekannten Buckelwals am kommenden Donnerstag untersucht werden. «Die Obduktion wird am Nachmittag beginnen und etwa sechs Stunden dauern», sagte Morten AbildstrĂžm vom dĂ€nischen Amt fĂŒr Naturverwaltung der Deutschen Presse-Agentur.Â
Zuvor hatte ein Fahrzeug das Tier mit einem Seil aus dem flachen Wasser vor der Urlaubsinsel auf den Strand gezogen. Im Sand hinterlieĂ der aufgeblĂ€hte Kadaver eine riesige Furche. «Alles ist nach Plan verlaufen», kommentierte AbildstrĂžm die etwa zweistĂŒndige Aktion. «Jetzt werden sich TierĂ€rzte und Experten um die Untersuchung des Wals kĂŒmmern.»
Die dÀnische Umweltbehörde rief Einheimische und BadegÀste dazu auf, sich dem Wal nicht zu nÀhern - es besteht Ansteckungsgefahr. Mit Flatterband wurde im Abstand von wenigen Metern eine Absperrung um das verwesende Tier herum errichtet.
Man will vor allem herausfinden, woran das Tier starb
Kommende Woche soll der Kadaver dann direkt am Strand untersucht werden. «Weil das Tier so lange in der Sonne gelegen hat, wird es stark stinken», sagte der Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen, der in DĂ€nemark seit 25 Jahren Wal-Obduktionen begleitet. «Das wird ziemlich ĂŒberwĂ€ltigend, wenn man es nicht gewohnt ist.»
Mehr als zwei Wochen hatte der Kadaver vor der Urlaubsinsel im Wasser getrieben. Einmal hatten die DÀnen versucht, den von FÀulnisgasen aufgeblÀhten Wal in tieferes GewÀsser zu ziehen, um ihn dann in einen Hafen zu bringen. Der Versuch scheiterte - nun findet die Obduktion auf Anholt statt. Man wolle vor allem herausfinden, woran das Tier starb, sagte Madsen - «denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht».
Wal-Forscher: Rettungsversuch war «reine TierquÀlerei»
Der Forscher nimmt an, dass das Tier von vornherein keine Chance hatte. «Das war ganz offensichtlich ein krankes, entkrĂ€ftetes Tier, das nicht gerettet werden konnte, und man hĂ€tte es einfach in Frieden lassen sollen.» Stattdessen habe man ein Tier, das noch nie in Gefangenschaft gelebt habe, tagelang in einer Metallkiste eingesperrt ĂŒber das Meer bugsiert. «Es wurde von den Wellen hin und her geschmissen, dem LĂ€rm der Motoren ausgesetzt, um dann einfach ins Meer gekippt zu werden - das muss höllisch stressig und beĂ€ngstigend fĂŒr das Tier gewesen sein.» Die Aktion sei «reine TierquĂ€lerei» gewesen, meinte Madsen.Â
Der Wal hatte an der deutschen OstseekĂŒste immer wieder Flachwasser aufgesucht - mehrfach hatte er sich weiterbewegt, nachdem sich Menschen genĂ€hert hatten. SchlieĂlich lag er vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern. Gegen die Empfehlung deutscher Fachleute und Institutionen hatte das Landesumweltministerium geduldet, dass eine private Initiative das Tier abtransportiert und in der Nordsee freisetzt.Â
Auf der beschaulichen Urlaubsinsel Anholt mit knapp 130 Bewohnern wundern sich viele ĂŒber das Vorgehen - und noch mehr ĂŒber das groĂe Interesse an dem «deutschen Promi-Wal», wie ihn hier einige nennen. «Ich verstehe nicht, wieso die Deutschen so ein Aufheben um diesen Wal machen», sagte die DĂ€nin Susanna der Deutschen Presse-Agentur.
FĂŒr die Einheimischen bedeutet der Kadaver vor allem Ărger, zumal er am beliebtesten und zugĂ€nglichsten Strand der Insel liegt. «Wenn er liegenbleibt und noch stĂ€rker stinkt, wird das zum Problem fĂŒr unsere SommergĂ€ste und den Campingplatz», sagte Matthias Vanman, der mit seiner Bekannten Hanne Skov am Hafen in der Sonne saĂ. Skov verbringt seit ĂŒber 30 Jahren den Sommer auf dem Campingplatz der Insel unweit vom Strand. «Das gröĂte Problem ist, dass so ein Kadaver alles verschmutzt», meinte sie.
Spurensuche am Wal: Starb er durch Fischernetze?
Wenn die Arbeiten an dem Tier beginnen, dĂŒrfen Presse und Ăffentlichkeit mit etwas Abstand zusehen. TierĂ€rzte, Behördenvertreter und Experten werden zum Beispiel nach Resten von Fischernetzen und Plastik im Darm und in der Speiseröhre des Tiers suchen.
«Bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in DĂ€nemark haben Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt», sagte Wal-Forscher Madsen. Bei den beiden anderen sei das zumindest eine Möglichkeit gewesen, man könne es nur nicht mit Sicherheit sagen.Â
«Wir sollten uns darĂŒber freuen, dass wir wieder mehr Buckelwale in der Ostsee sehen», sagte der Experte von der UniversitĂ€t Aarhus. «Aber anstatt so viele Ressourcen auf den Versuch zu verwenden, ein einzelnes Tier zu retten, sollten wir dafĂŒr sorgen, dass Tiere nicht in solche Situationen geraten.»
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