Flugzeugabsturz, Brasilien

Nach Flugzeugabsturz in Brasilien lÀuft Suche nach Ursache

10.08.2024 - 12:37:37

Ein Flugzeug stĂŒrzt urplötzlich ab, alle 61 Insassen sterben. Eis auf den FlĂŒgeln könnte eine Rolle gespielt haben. Die Ermittler bauen auf die Auswertung der Black Box.

  • In weniger als einer Minute soll die Maschine abgestĂŒrzt sein - Foto: Felipe Magalhaes Filho/AP/dpa

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  • Keine Verletzten am Boden nach Absturz - Foto: Felipe Magalhaes Filho/UGC via AP/dpa

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In weniger als einer Minute soll die Maschine abgestĂŒrzt sein - Foto: Felipe Magalhaes Filho/AP/dpaKeine Verletzten am Boden nach Absturz - Foto: Felipe Magalhaes Filho/UGC via AP/dpa

Nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs auf ein Wohngebiet nahe der brasilianischen Metropole SĂŁo Paulo mit 61 Toten setzen Ermittler auf der Suche nach der Ursache auf das Auswerten von Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder. Beide GerĂ€te - die sogenannte Black Box - seien gefunden worden, teilte die brasilianische Luftwaffe Força AĂ©rea Brasileira (FAB) mit. Ob und in welchem Umfang sie Aufschluss geben können, hĂ€nge vom Grad ihrer BeschĂ€digung ab, hieß es. Die Analyse werde so schnell wie möglich erfolgen.

Die Maschine der Fluggesellschaft VoePass  - ein Turboprop-Passagierflugzeug vom Typ ATR 72 - war am Freitagmittag (Ortszeit) auf dem Flug von Cascavel im Bundesstaat ParanĂĄ nach SĂŁo Paulo kurz vor dem Ziel in ein Wohngebiet der Kleinstadt Vinhedo abgestĂŒrzt. Alle 57 Passagiere und vier Besatzungsmitgliedern kamen ums Leben - am Boden gab es ersten Informationen zufolge keine Verletzten. Daten der Plattform Flightradar 24 legen nahe, dass das Flugzeug in weniger als einer Minute um fast 4.000 Höhenmeter absackte. 

Warnungen vor Unwetter und Eisbildung am Absturzort 

 «Alles ist noch sehr verfrĂŒht», sagte der Leiter des Zentrums fĂŒr die Untersuchung und Vorbeugung von LuftfahrtunfĂ€llen (Cenipa), Marcelo Moreno, auf einer Pressekonferenz wenige Stunden nach dem UnglĂŒck. Es werden demnach umweltbedingte und technische Faktoren genauso untersucht wie mögliches menschliches Versagen, um zu klĂ€ren, wie es zu dem Absturz kam. Der Plattform Flightradar 24 zufolge deuten meteorologische Berichte fĂŒr den Zeitraum rund um den Unfall auf Turbulenzen, Gewitter und Vereisung in der Umgebung hin. 

Als mögliche UnglĂŒcksursache erwĂ€gen Experten auch eine Bildung von Eis auf den FlĂŒgeln - damit verwandele sich ein Flugzeug in «einen Stein ohne Auftrieb», schrieb etwa das brasilianische Nachrichtenportal Uol. Demnach gab es fĂŒr den Ort des Absturzes eine Warnung vor Eisbildung. Auch der GeschĂ€ftsfĂŒhrer von VoePass, Eduardo Busch, schloss nicht aus, dass sich Eis auf den TragflĂ€chen angesammelt haben könnte. Die Piloten seien erfahren gewesen und das Flugzeug sei mit funktionierenden Systemen gestartet. «Das Flugzeug war zum Zeitpunkt des Starts zu 100 Prozent einsatzbereit», sagte Busch.

PrÀsident Lula ordnet dreitÀgige Staatstrauer an 

Andere Experten schlossen nicht aus, dass nicht nur eine Ursache den Absturz ausgelöst habe. Stimmenrekorder zeichnen die GesprÀche im Cockpit auf, Datenrekorder die Flugdaten.

Auf Bildern und Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie das Flugzeug in der Luft ins Trudeln geriet und vom Himmel fiel. Dichter Rauch stieg anschließend auf. Es sei in einer Wohnsiedlung in der NĂ€he eines Hauses abgestĂŒrzt, in dem sich Bewohner befanden, berichtete das Nachrichtenportal «G1» unter Berufung auf Behörden in Vinhedo. 

PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva ordnete eine dreitĂ€gige Staatstrauer an. Der Gouverneur von SĂŁo Paulo, TarcĂ­sio de Freitas, versprach alle notwendige UnterstĂŒtzung.

Eine der tödlichsten UnfÀlle in der brasilianischen Luftfahrt-Geschichte

Der Unfall gehört Medienberichten zufolge zu den tödlichsten in der Geschichte der brasilianischen Luftfahrt. In Erinnerung ist vielen ein Absturz vom 28. November 2016, als das Flugzeug des brasilianischen Fußball-Clubs Chapecoense auf dem Weg nach MedellĂ­n zum Final-Hinspiel um die Copa Sudamericana, dem SĂŒdamerika-Pokal, in Kolumbien verunglĂŒckte. Damals starben 71 Menschen, darunter fast alle Spieler sowie Betreuer, Trainer und mitreisende Journalisten. Sechs Passagiere ĂŒberlebten.

Die UnglĂŒcksmaschine vom Freitag war ein Turboprop-Passagierflugzeug vom Typ ATR 72 des französisch-italienischen Konsortiums Avions de Transport RĂ©gional. Im Januar 2023 kamen beim Absturz einer ATR 72-500, die sich in Nepal im Landeanflug auf den Flughafen der Stadt Pokhara befand, 72 Insassen ums Leben, darunter vier Besatzungsmitglieder.

@ dpa.de