Euro, Nachwuchs-Banker

735.000 Euro gestohlen - Nachwuchs-Banker will gestehen

25.01.2024 - 16:18:23 | dpa.de

Ein GestĂ€ndnis hat er schon angekĂŒndigt. Doch nimmt er die Schuld alleine auf sich, oder beruft er sich auf MittĂ€ter? Noch ist einiges unklar im Prozess gegen einen ehemaligen Bankmitarbeiter.

Der wegen Diebstahls angeklagte Mann (r.) wird vor Prozessbeginn in den Gerichtssaal gefĂŒhrt. - Foto: Sven Hoppe/dpa

Ein zur Tatzeit 19 Jahre alter Bankmitarbeiter soll mit knapp einer dreiviertel Million Euro aus dem Tresor seines Arbeitgebers getĂŒrmt sein - nun hat der junge Mann vor dem Landgericht MĂŒnchen I ein GestĂ€ndnis angekĂŒndigt. Die Aussage des heute 21-JĂ€hrigen wurde beim Prozessbeginn jedoch zunĂ€chst verschoben, weil eine neu bestellte Gutachterin dabei anwesend sein soll.

Die Expertin soll eine der großen offenen Fragen klĂ€ren: Hatte der Jung-Banker eine Reifeverzögerung oder nicht? Davon hĂ€ngt ab, ob er nach Jugendstrafrecht oder nach allgemeinem Strafrecht verurteilt wird.

Auch sonst sind noch einige Fragen offen. Zum Beispiel, ob es MittĂ€ter gab. Oder wo die Beute ist - sie ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Der Angeklagte könne sie auch nicht zumindest zum Teil zurĂŒckzahlen, zitierte der Vorsitzende Richter dessen AnwĂ€ltin.

Denn die Verhandlung hatte mit intensiven GesprĂ€chen hinter verschlossenen TĂŒren begonnen. Eine VerstĂ€ndigung sei aber wegen der offenen Fragen zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, sagte der Richter im Anschluss in der öffentlichen Verhandlung.

Beute in den Rucksack gesteckt

Dem in Untersuchungshaft sitzenden jungen Mann droht eine lĂ€ngere Haftstrafe: Die StaatsanwĂ€ltin stellte mit Blick auf eine mögliche spĂ€tere VerstĂ€ndigung fĂŒr den Fall eines umfassenden GestĂ€ndnisses bei einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht zwischen viereinhalb und fĂŒnf Jahren und bei einer Verurteilung nach allgemeinem Strafrecht sechs bis sieben Jahren in den Raum. Die Verteidigung stellte sich dem Richter zufolge einen Rahmen von zwei Jahren und acht Monaten bis drei Jahren und sechs Monaten vor.

Der damals 19-JĂ€hrige hatte der Anklage zufolge ein knappes halbes Jahr in einer Bankfiliale in Feldkirchen bei MĂŒnchen gearbeitet, als er bei der Bundesbank 220.000 Euro Bargeld fĂŒr einen fiktiven Kunden bestellte. Am Tag der Lieferung am 29. Juli 2022 hatte er im Rahmen seiner TĂ€tigkeit Zugang zum Tresor, wo er sich laut Anklage den gesamten Bargeldbestand von 735.500 Euro in seinen Rucksack steckte.

Als Kolleginnen Unstimmigkeiten bemerkten und ihn zur Rede stellten, erklĂ€rte er der Anklage zufolge, dass sein Leben von dem Geld abhĂ€nge und seine Oma große Schulden habe. Dann flĂŒchtete er ĂŒber den Personalausgang in die Tiefgarage und verschwand.

Rund ein halbes Jahr spĂ€ter stellte sich der junge Mann dann der Polizei. Dort gab er an, ein benachbarter Jugendfreund habe ihm gedroht, ihn selbst oder ein Familienmitglied zu töten, wenn er das Geld nicht stehle. Wie ein als Zeuge geladener Sachbearbeiter der Polizei weiter ausfĂŒhrte, habe der Angeklagte deshalb in dessen Auftrag den Tresor leergerĂ€umt und das Geld an zwei ihm unbekannte MittĂ€ter ĂŒbergeben.

Das Urteil gegen den jungen Mann, der schon einige kleinere Vergehen begangen hatte und bei einem Arztbesuch aus der Untersuchungshaft zu fliehen versuchte, wird fĂŒr Mitte Februar erwartet.

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