Mehr als 1.900 Tote in Venezuela - Kleinkind gerettet
30.06.2026 - 21:58:48 | dpa.deNach den Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der Toten auf mindestens 1.943 gestiegen. Das teilte der PrĂ€sident der Nationalversammlung, Jorge RodrĂguez, mit. Inmitten von Tod und Zerstörung gibt es jedoch noch kleine Hoffnungsschimmer. Laut einem X-Post der jordanischen Polizei wurde nach sechs Tagen ein dreijĂ€hriges Kind in der Hauptstadt Caracas von einem Team aus Jordanien aus den TrĂŒmmern eines eingestĂŒrzten GebĂ€udes gezogen.
Salvadorianische EinsatzkrĂ€fte erreichten zudem in der Nacht auf Dienstag (Ortszeit) einen 44-JĂ€hrigen unter den TrĂŒmmern eines Einkaufszentrums in der KĂŒstenstadt MaiquetĂa, wie El Salvadors PrĂ€sident Nayib Bukele auf der Plattform X schrieb. Der Mann sei ĂŒber einen Schlauch mit Wasser versorgt worden, wĂ€hrend die Rettungsarbeiten andauerten.
Laut RodrĂguez wurden bei dem Doppel-Erdbeben der StĂ€rke 7,2 und 7,5 am Mittwochabend (Ortszeit) mehr als 10.500 Menschen verletzt, zahlreiche werden vermisst. In nur zwei StĂ€dten von La Guaira - Catia La Mar und Caraballeda - hĂ€tten sich nach SchĂ€tzungen der Behörden zum Zeitpunkt der ErschĂŒtterungen rund 30.000 Menschen befunden. Davon hĂ€tten sich rund 13.500 selbst in Sicherheit bringen können, und rund 6.400 weitere seien in den Tagen danach von RettungskrĂ€ften gerettet worden, sagte RodrĂguez. Zu den fehlenden rund 10.000 Menschen machte er keine Angaben.
Kaum noch Hoffnung auf Ăberlebende
Knapp eine Woche nach den Beben schwindet die Hoffnung auf die Bergung von Ăberlebenden. Rund 855 GebĂ€ude wurden vollstĂ€ndig zerstört oder schwer beschĂ€digt. EinsatzkrĂ€fte aus Venezuela und zahlreichen anderen Staaten suchen weiter unter eingestĂŒrzten GebĂ€uden nach VerschĂŒtteten. Nach einer Modellrechnung der US-Erdbebenwarte USGS könnte die Zahl der Toten in die Zehntausende gehen.
Venezuela befand sich vor den Erdbeben ohnehin schon in einer schwierigen Lage. Seit Jahren leidet das Land unter politischen Spannungen, wirtschaftlichen Problemen und einer der gröĂten Migrationskrisen der Welt. Im Januar fĂŒhrte Washington einen MilitĂ€reinsatz im Land durch, bei dem der autoritĂ€re Machthaber NicolĂĄs Maduro gefangen genommen wurde. Die derzeitige Staatschefin Delcy RodrĂguez war VizeprĂ€sidentin in der Maduro-Regierung.
Verzweiflung und Wut
Die Verzweiflung und die Wut der Angehörigen nimmt inzwischen zu. Videos zeigen, wie Menschen vor den TrĂŒmmern verĂ€rgert ein entschlosseneres Vorgehen der Behörden verlangen. Viele haben zudem Angst vor PlĂŒnderungen beschĂ€digter WohnhĂ€user, wie die Zeitung «El Nacional» berichtet.Â
«Es sind meine Kinder, ich möchte sie zurĂŒckhaben - ob lebendig oder tot -, aber ich will sie bei mir haben! Man wird sie nicht in ein Massengrab werfen», fordert ein Mann in der schwer getroffenen Stadt Tanaguarena im Bundesstaat La Guaira lautstark, wie in einem Video der venezolanischen Journalistin Maryorin MĂ©ndez zu sehen ist.Â
Ein anderes Video zeigt, wie ein Mann bewaffnete Soldaten, die dort patrouillieren, wĂŒtend auffordert, mit Spitzhacken und Schaufeln zu helfen. Daraufhin hĂ€tten die Soldaten angefangen, TrĂŒmmer wegzurĂ€umen, berichtete die Journalistin.
In den vergangenen Tagen wurde Kritik an der geschĂ€ftsfĂŒhrenden PrĂ€sidentin laut. Nachdem sie am Freitag bei einem Rundgang in der Hauptstadt Caracas ausgebuht worden war, wurde sie am Sonntag in sozialen Netzwerken wegen eines lediglich protokollarischen Treffens mit internationalen Rettungsteams in einer kritischen Phase kritisiert.
