Hochschulen, Niedersachsen

Klinik-Arzt wegen Mordverdachts in U-Haft

05.03.2026 - 18:34:02 | dpa.de

Ein Mediziner der Medizinischen Hochschule Hannover soll schwer kranke Patienten mit Medikamenten getötet haben – darunter einen Mann, der im kĂŒnstlichen Koma lag. Die Uniklinik zeigte den Arzt an.

Die Ermittlungen gegen den Arzt der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) laufen seit vergangenem Jahr. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Ermittlungen gegen den Arzt der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) laufen seit vergangenem Jahr. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Ein Arzt steht im Verdacht, an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zwei schwer kranke Patienten mit Medikamenten getötet zu haben. Der 49 Jahre alte Beschuldigte befinde sich in Untersuchungshaft, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover. Gegen ihn werde wegen des Verdachts des vollendeten Mordes in einem Fall und wegen Totschlags beziehungsweise versuchten Mordes in zwei weiteren FÀllen ermittelt. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hatte den Mediziner angezeigt und inzwischen freigestellt. Zuerst hatte die «Bild» berichtet. 

Die Taten sollen sich im Mai 2019, im Juni 2020 und im MÀrz 2025 ereignet haben. Die Ermittlungen liefen seit vergangenem Jahr, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte. 

Einsatz als Notarzt 

Im Mai 2019 soll der Beschuldigte als Notarzt eingesetzt gewesen und zu einer Àlteren Frau in einer Demenz-WG gerufen worden sein. Die Frau soll schwer krank gewesen sein. Statt die Patientin weiterzubehandeln oder sie in ein Krankenhaus einzuweisen, soll er sich entschlossen haben, sie zu töten. «Er soll ihr hohe Dosen Morphin verabreicht haben», sagte die StaatsanwÀltin. 

Die Patientin starb kurze Zeit spĂ€ter. Da der Todeszeitpunkt inzwischen lange zurĂŒckliegt, konnten die Ermittler die genaue Todesursache nicht feststellen – daher wird in diesem Fall wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt. 

TodesfÀlle auf Station der Uniklinik

In den anderen beiden FÀllen waren Patienten betroffen, die auf einer Station in der MHH behandelt wurden. Der Arzt steht im Verdacht, die Therapien der schwer kranken Patienten abgebrochen und sie mit Medikamenten getötet zu haben.

Bei dem Fall aus dem Jahr 2025 geht die Staatsanwaltschaft vom Mordmerkmal der HeimtĂŒcke aus. Sie begrĂŒndet das damit, dass der Patient sich bereits in einem kĂŒnstlichen Koma befunden hatte, als die Therapie von dem beschuldigten Arzt beendet worden sein soll.

Wie die MHH reagiert

«Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen», sagte die StaatsanwĂ€ltin. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Medizinische Hochschule Hannover teilte mit, sie nehme die Situation «sehr ernst». Man kooperiere mit den zustĂ€ndigen Ermittlungsbehörden. «FĂŒr uns hat die Sorge fĂŒr die Patientinnen und Patienten und deren medizinische Behandlung höchste PrioritĂ€t.» 

Die MHH teilte weiter mit, die UniversitĂ€tsklinik habe bereits vor den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft interne Untersuchungen eingeleitet und den Mitarbeiter freigestellt. «Nachdem die internen Untersuchungen erste unbestĂ€tigte Hinweise auf einen möglichen Rechtsbruch ergeben hatten, hat die MHH umgehend und konsequent gehandelt und den Fall bei der Staatsanwaltschaft angezeigt», heißt es in der Mitteilung.

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