Mit Papierkranichen - Deutsche sammelt in Japan Spenden
14.09.2023 - 12:54:16Als die Amerikaner am 6. August 1945 eine Atombombe ĂŒber Hiroshima abwerfen, ist Sadako Sasaki zwei Jahre alt. Knapp zwei Kilometer vom Ort der Bombenexplosion entfernt ĂŒberlebt die kleine Japanerin das atomare Inferno. Sadako wĂ€chst nach Kriegsende so wie ihre Altersgenossen auf, geht glĂŒcklich zur Schule, wirkt gesund und sportlich.
Doch eines Tages, nach einem wichtigen Staffellauf, bei dem sie ihrer Mannschaft zum Sieg verhalf, fĂŒhlt sich Sadako extrem mĂŒde und schwindelig. 1955, zehn Jahre nach der Atombombenexplosion, ist die Kleine an LeukĂ€mie erkrankt. Sie wird in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Ărzte geben ihr nicht mehr als ein Jahr zu leben.
Ihre beste Freundin Chizuko bringt ihr Origami-Faltpapier ins Krankenhaus und erzĂ€hlt Sadako von einer Legende. Danach bekommt derjenige, der 1000 Papierkraniche faltet - in Japan ein Symbol fĂŒr langes Lebens - von den Göttern einen Wunsch erfĂŒllt. In der Hoffnung auf Genesung beginnt Sadako, mehr als 1000 Kraniche zu falten - bis zu ihrem Tod nur wenige Monate spĂ€ter. Sadako wurde zwölf Jahre alt.
Gedenken an Sadako
Das AusmaĂ der SpĂ€tfolgen der Atombombe war erst langsam bekannt geworden, weil Japans Ărzten bis 1952 der Zugang zu Daten ĂŒber die Wirkung der Strahlen von den Besatzungsbehörden verwehrt worden war. Das Schicksal eines kleinen MĂ€dchens, das zehn Jahre nach dem Ende des Krieges der Bombe zum Opfer fiel, wirkte in Japans Ăffentlichkeit «wie ein Katalaysator» fĂŒr das Bewusstsein fĂŒr den unmenschlichen Charakter dieser Waffe, wie der Japanologe Florian Coulmas schrieb.
Mit Spenden aus dem ganzen Land wurde 1958 im Gedenken an Sadako ein Monument errichtet. Die Bronzestatue im Friedenspark von Hiroshima stellt ein junges MĂ€dchen dar, das einen groĂen Papierkranich ĂŒber dem Kopf hĂ€lt - Symbol der Hoffnung der Kinder auf eine friedliche Zukunft. Das Friedensmonument der Kinder ist heute ein Wallfahrtsort, an dem jedes Jahr Menschen lange Ketten aus Papierkranichen ablegen. Das hat in KĂŒrze auch die 28 Jahre alte DĂŒsseldorferin Eva Fritz vor.
Fritz, die wegen des Berufes ihres Vaters mit sechs Jahren nach Japan kam, dort zur Schule ging und die Sprache lernte, verlor ihre beste Freundin ebenfalls an LeukÀmie. «Sie war in der dritten Klasse. Als sie krank wurde, haben wir in der Schule 1000 Kraniche gefaltet und ihr ins Krankenhaus gebracht», erinnert sich Fritz im GesprÀch mit der Deutschen Presse-Agentur in Tokio. Damals hörte sie erstmals vom Schicksal der kleinen Sadako und der Legende von den Papierkranichen.
Eine Geschichte bleibt im GedÀchtnis
Als Fritz mit zwölf Jahren nach Deutschland zurĂŒckkehrte, gab ihr eine Freundin aus der Grundschule 1000 Papierkraniche mit auf den Weg. «Seither haben mich die Kraniche mein ganzes Leben begleitet», erzĂ€hlt Fritz. Ob bei Krankenbesuchen - ihr GroĂvater und eine Freundin starben beide an Krebs - zu Geburtstagen, Hochzeiten oder Geburten: Zu all diesen AnlĂ€ssen bastelte Fritz 1000 Papierkraniche. Mehr als 16.000 hat sie davon in ihrem Leben schon gefaltet.
Im GedĂ€chtnis blieb dabei immer auch die Geschichte von Sadako Sasaki. Nach vielen Jahren ist Fritz nun nach Japan, dem Land ihrer Kindheit, zurĂŒckgekehrt, mit einem ehrgeizigen Projekt: Sie will voraussichtlich noch im September von Tokio aus zweieinhalb Monate lang mit Rucksack und Zelt 1000 Kilometer ĂŒber Kyoto bis nach Hiroshima wandern. Mit im GepĂ€ck: 1000 bunte Papierkraniche. Und ein Spendenaufruf fĂŒr die Deutsche Kinderkrebshilfe. «Ich wollte die Reise ohnehin machen. Und da habe ich mir gedacht, dass ich das eigentlich auch mit einem guten Zweck verbinden kann», erzĂ€hlt Fritz.
Um fĂŒr Spenden zu motivieren, hat sie einen Instagram-Account erstellt, auf dem sie ihre Reise dokumentiert. Die Spenden gehen direkt an die Deutsche Kinderkrebshilfe. Ihre Reise finanziert Fritz aus eigenen Mitteln. Mehr als 3500 Euro an Spendengeldern konnte sie bereits sammeln. Jeder Spender, der seinen Namen nennt, bekommt diesen auf einen Kranich geschrieben. «Jeder wird dann seinen Kranich am Ende in Hiroshima hĂ€ngen haben.» Am Denkmal fĂŒr Sadako Sasaki.


