Anklage wegen Mordes - Arzt soll 15 Patienten getötet haben
16.04.2025 - 08:45:06Ein bereits inhaftierter Berliner Palliativmediziner soll noch mehr Menschen getötet haben als zunĂ€chst angenommen. Die Staatsanwaltschaft Berlin geht nach weiteren Ermittlungen derzeit von mindestens 15 Opfern aus und hat wegen Mordes Anklage erhoben, wie ein Sprecher der Behörde mitteilte. Die Zahl der Opfer könnte noch deutlich steigen: Die Ermittler ĂŒberprĂŒfen 75 weitere FĂ€lle. Auch die «Berliner Zeitung» berichtete.Â
Mit der Anklage strebt die Staatsanwaltschaft neben einer Verurteilung wegen Mordes die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld an sowie eine anschlieĂende Sicherungsverwahrung. Zugleich geht es ihr um ein lebenslanges Berufsverbot fĂŒr den Arzt.Â
Die Staatsanwaltschaft sieht nach monatelangen Ermittlungen niedrige BeweggrĂŒnde und HeimtĂŒcke als Mordmerkmal. ZunĂ€chst hatte sie «Mordlust» als Hintergrund fĂŒr die Taten genannt. Davon rĂŒckte sie ab, da der Arzt ausschlieĂlich Patienten getötet haben soll und nicht willkĂŒrlich andere Opfer aussuchte, wie der Sprecher erklĂ€rte.
Leichen wurden ausgegraben
Der beschuldigte Palliativarzt sitzt seit August 2024 in Untersuchungshaft. Damals war die Staatsanwaltschaft von 4 Opfern ausgegangen. Im Laufe der Ermittlungen, bei denen auch Leichen ausgegraben und von Rechtsmedizinern untersucht wurden, stieg die Zahl der mutmaĂlichen Opfer: erst auf 8, dann auf 10 - nun gehen die Ermittler von 15 aus. Die Zahl könnte sich weiter erhöhen, weil die Ermittlungen andauern.
Gleichwohl soll der Fall mit der Anklage nun vor das Landgericht Berlin kommen. Parallel wertet die eigens fĂŒr den Fall eingerichtete Ermittlungsgruppe des Morddezernats im Berliner Landeskriminalamt (LKA) weitere Unterlagen von Patienten des Mediziners aus. Dabei spielen auch Hinweise von anderen - etwa Pflegediensten - eine Rolle.
Die Staatsanwaltschaft hat viele weitere FĂ€lle untersucht. In 95 davon wurde ein Anfangsverdacht bejaht. In 5 FĂ€llen hat sich nach den Angaben der Verdacht nicht erhĂ€rtet. In 75 FĂ€llen dauern die Ermittlungen an, dabei sind noch 5 Exhumierungen geplant, wie es hieĂ.
Patienten «tödliches Gemisch» verabreicht
Der Mediziner soll die Taten im Rahmen seiner TĂ€tigkeit fĂŒr einen Pflegedienst begangen haben. PalliativĂ€rzte begleiten schwerstkranke Menschen, um deren Schmerzen zu lindern. Die betroffenen Patienten befanden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft zum Tatzeitpunkt nicht in einer akuten Sterbephase.
Die bislang bekannten TodesfĂ€lle reichen bis ins Jahr 2021 zurĂŒck. Nach Ăberzeugung der Staatsanwaltschaft soll der heute 40-JĂ€hrige im September 2021 einer 25-JĂ€hrigen «ohne medizinische Indikation ein tödliches Gemisch verschiedener Medikamente» verabreicht haben, um sie zu töten. So soll es auch bei spĂ€teren FĂ€llen gewesen sein.
BrÀnde bei Patienten lösen Ermittlungen aus
Ins Visier der Ermittler geriet der Mediziner, der in mehreren BundeslÀndern tÀtig war, zunÀchst wegen vier FÀllen im Zeitraum vom 11. Juni bis 24. Juli 2024. In dieser Zeit soll er vier Menschen im Alter zwischen 72 und 94 Jahren in deren Wohnungen in Berlin getötet haben.
Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch die BrĂ€nde, die der Mediziner gelegt haben soll, um die Tötungen zu verdecken. Die Polizei ermittelte wegen Brandstiftung mit Todesfolge. Dabei geriet zunehmend der Arzt in den Fokus. Dazu beigetragen haben laut Staatsanwaltschaft Hinweise des Pflegedienstes, fĂŒr den der Beschuldigte gearbeitet hatte.


