Tötungsdelikte, SchĂŒsse

Ein Baby, ein Streit, sechs Tote – Trauer in Stade

30.06.2026 - 14:01:58 | dpa.de

Ein Termin zum Sorgerecht fĂŒr ein Baby endet tödlich. Sechs Menschen, die vermitteln und helfen wollten, sterben. Was ist bislang ĂŒber die grausame Tat in Stade bekannt?

  • Spezialisten des LKA Niedersachsen sind am Tatort eingetroffen. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
    Spezialisten des LKA Niedersachsen sind am Tatort eingetroffen. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
  • Die Ermittler sind jetzt damit beschĂ€ftigt, weitere umfangreiche Tatortaufnahmen und -vermessungen durchzufĂŒhren. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
    Die Ermittler sind jetzt damit beschĂ€ftigt, weitere umfangreiche Tatortaufnahmen und -vermessungen durchzufĂŒhren. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
  •  In der Einrichtung waren gestern mehrere Menschen durch SchĂŒsse gestorben. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
    In der Einrichtung waren gestern mehrere Menschen durch SchĂŒsse gestorben. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
  • Die Anteilnahme ist groß: Menschen legten Blumen nahe dem GebĂ€ude der Mutter-Kind-Wohngruppen nieder und stellten Kerzen auf. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
    Die Anteilnahme ist groß: Menschen legten Blumen nahe dem GebĂ€ude der Mutter-Kind-Wohngruppen nieder und stellten Kerzen auf. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
Spezialisten des LKA Niedersachsen sind am Tatort eingetroffen. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa Die Ermittler sind jetzt damit beschĂ€ftigt, weitere umfangreiche Tatortaufnahmen und -vermessungen durchzufĂŒhren. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa  In der Einrichtung waren gestern mehrere Menschen durch SchĂŒsse gestorben. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa Die Anteilnahme ist groß: Menschen legten Blumen nahe dem GebĂ€ude der Mutter-Kind-Wohngruppen nieder und stellten Kerzen auf. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa

Sie gingen ihrem Job nach – und wurden dabei erschossen. Nach der Tötung von vier Frauen und zwei MĂ€nnern in einer Mutter-Kind-Wohngruppe im niedersĂ€chsischen Stade ist die Trauer groß. Neben BeschĂ€ftigten der Einrichtung wurden drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover getötet.

Ersten Erkenntnissen zufolge hatten alle sechs Opfer einen Termin mit dem mutmaßlichen TĂ€ter. Dabei sollte es um das Sorgerecht fĂŒr dessen drei Monate alte Tochter gehen. Doch dann fielen am Montag um die Mittagszeit plötzlich SchĂŒsse. FĂŒnf der Getroffenen erlagen am Tatort ihren Verletzungen, ein weiteres Opfer starb im Krankenhaus.

Kommt der VerdÀchtige in U-Haft?

Der 45 Jahre alte mutmaßliche TĂ€ter ist in Polizeigewahrsam. Die Staatsanwaltschaft entscheidet im Laufe des Tages, ob sie einen Haftbefehl beantragt. Wenn dies wie erwartet geschieht, muss das Amtsgericht Stade noch heute entscheiden, ob der Mann in Untersuchungshaft kommt.

Berichte, nach denen der 45-JĂ€hrige Mitglied eines Clans sein soll, bestĂ€tigten die Ermittler nicht. «Wir haben derzeit keine Hinweise dafĂŒr, dass eine Clanzugehörigkeit besteht», sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft der dpa auf Anfrage.

Beamte schossen auf die Reifen des Fluchtwagens

Die Polizei hatte den tatverdĂ€chtigen TĂŒrken kurz nach der Tat festgenommen. Er versuchte mit einem Auto zu fliehen, das eine 65-JĂ€hrige fuhr. Beamte schossen auf die Reifen des Wagens. Nach derzeitigem Erkenntnisstand hat die Frau eine enge Verbindung zur Familie des TatverdĂ€chtigen. Auch sie wurde nach Behördenangaben von der Polizei vernommen. Ob die 65-JĂ€hrige weiter in Gewahrsam ist, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage nicht. 

Ermittler suchen am Tatort nach Beweisen

Derweil lĂ€uft die Spurensicherung am Tatort weiter auf Hochtouren. Die SchĂŒsse fielen in einem Backsteinhaus, das in einer ruhigen Wohngegend liegt. Nun ist die Lage anders: Die Polizei hat die Straße auf einer LĂ€nge von rund 200 Metern gesperrt.

Beamte des Landeskriminalamtes in Schutzkleidung vermessen den Tatort und fertigen spezielle Aufnahmen an. Auf der Straße sind Farbmarkierungen, eine kaputte MĂŒlltonne liegt vor dem Haus. Zahlreiche Medienvertreter sind vor Ort. Der grausame Vorfall im beschaulichen Stade bekommt auch international Aufmerksamkeit.

Immer wieder legen Menschen Blumen ab oder stellen Kerzen auf

An dem GebĂ€ude selbst sind von außen keine BeschĂ€digungen zu sehen, wie ein dpa-Reporter berichtet. Bisweilen kommen Anwohner, die trotz Absperrung zu ihrem eigenen Haus dĂŒrfen.

Die Tat sorgt fĂŒr große BestĂŒrzung. Immer wieder kommen Menschen und legen in der NĂ€he des Tatortes Blumen ab oder stellen im Gedenken an die Opfer Kerzen auf. Die Straße soll voraussichtlich den gesamten Dienstag gesperrt bleiben.

Beratungstelefon fĂŒr akute Hilfe durch psychosoziale Berater 

WĂ€hrend Ermittler am Dienstag weiter Spuren sichern, lĂ€uft auch die Hilfe fĂŒr jene an, die zurĂŒckbleiben. Angehörige, Zeugen, EinsatzkrĂ€fte – viele Menschen haben am Montag schreckliche Dinge erlebt, die sich nicht einfach abschĂŒtteln lassen. Zahlreiche Menschen sind traumatisiert.

Niedersachsens Landesbeauftragter fĂŒr Opferschutz, Thomas Pfleiderer, bietet Betroffenen UnterstĂŒtzung an und lĂ€sst ĂŒber ein kostenloses Beratungstelefon akute Hilfe durch psychosoziale Berater vermitteln. «Wir können nicht ungeschehen machen, welches Leid durch den Akt der Gewalt ĂŒber so viele Menschen gebracht wurde», sagte Pfleiderer. «Wir können aber nach besten KrĂ€ften an der Seite der Betroffenen stehen.»

Was ist bislang ĂŒber die Tat bekannt? 

Zum Tatvorgang gibt es weiter viele Fragen. Aus ermittlungstaktischen GrĂŒnden sagte die Polizei bisher nicht, um welche Schusswaffe es sich handelt – oder wie der TĂ€ter an sie herankam. Eine Erlaubnis zum Besitz von Waffen hat der 45-JĂ€hrige nach Angaben der Behörden nicht. Demnach war er polizeilich bekannt. Laut LĂŒneburgs PolizeiprĂ€sidentin Kathrin Schuol galt er aber nicht als «absolut gewalttĂ€tig».

Die 34-jĂ€hrige Mutter des Kindes und deren drei Monate alte Tochter – das Kind des TatverdĂ€chtigen – blieben bei der Tat unverletzt. Die Polizei befragte die Frau, das Baby wurde in die Obhut des Jugendamtes ĂŒbergeben.

Zahlreiche Politikerinnen und Politiker, Vertreter von Behörden und Einrichtungen zeigten sich tief bestĂŒrzt. «Die Nachricht aus Stade erschĂŒttert bis ins Mark», schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf der Plattform X.

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