Deutschland, Berlin

Schwerstverletzter Junge in Potsdam - illegale Kugelbombe?

02.01.2026 - 12:28:52

Ein Zwölfjähriger wird durch Pyrotechnik schwer verletzt, vermutlich durch eine Kugelbombe. Der tragische Fall zeigt: Gefährlich ist nicht nur die Silvesternacht, sondern auch der Neujahrstag.

  • Kugelbomben werden regelmäßig vom Zoll beschlagnahmt. - Foto: Patrick Pleul/dpa

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  • Im Fall eines schwerstverletzten Kindes in Berlin wird vermutet, dass eine illegale Kugelbombe im Spiel gewesen sein könnte. (Archivbild) - Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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  • Das Unglück ereignete sich im Potsdamer Wohngebiet Am Stern. - Foto: Michael Bahlo/dpa

    Michael Bahlo/dpa

Kugelbomben werden regelmäßig vom Zoll beschlagnahmt. - Foto: Patrick Pleul/dpaIm Fall eines schwerstverletzten Kindes in Berlin wird vermutet, dass eine illegale Kugelbombe im Spiel gewesen sein könnte. (Archivbild) - Foto: Sebastian Kahnert/dpaDas Unglück ereignete sich im Potsdamer Wohngebiet Am Stern. - Foto: Michael Bahlo/dpa

Ein zwölfjähriger Junge aus Potsdam ist am Neujahrstag vermutlich durch eine Kugelbombe massiv verletzt worden. Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) berichtete, der Junge habe schwere Verletzungen im Bauch, im Unterleib und im Gesicht an mindestens einem Auge und Ohr. Zudem seien beide Hände schwer geschädigt.

Bezogen auf die rechte Hand sagte die Direktorin der Klinik für Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie am Unfallkrankenhaus Berlin, Leila Harhaus-Wähner, in der RBB-Abendschau: «Er hat im Grunde alle Finger samt Daumen verloren. Es steht nur noch die Mittelhand.» Diese sei so stark verletzt, dass mehrere weitere Operationen nötig sein werden. 

Der Junge sei in einem kritischen Zustand eingeliefert worden, sagte ein Kliniksprecher. Alle Anzeichen sprächen für die Explosion einer sogenannten Kugelbombe. 

Blindgänger aus der Silvesternacht?

Möglicherweise war der Feuerwerkskörper ein Blindgänger aus der Silvesternacht. Die Polizei in Potsdam berichtete, dass der zwölfjährige Junge am Nachmittag des Neujahrstages auf einem Sportplatz im Stadtteil am Stern einen «apfelsinengroßen Gegenstand» gefunden und diesen angezündet habe. Der Gegenstand sei daraufhin sofort explodiert und habe den Jungen schwer im Gesicht und an der Hand verletzt.

Aufgrund der lauten Explosion eilten andere Menschen zu dem Fußballplatz und leisteten Erste Hilfe. Der schwerstverletzte Junge wurde mit einem Rettungshubschrauber in das Berliner Unfallkrankenhaus geflogen. Sein dreizehnjähriger Begleiter blieb unverletzt. 

Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz

Die Polizei fand in Potsdam vor Ort Fragmente eines pyrotechnischen Knallkörpers und stellte diese sicher. «Ersten Erkenntnissen zufolge konnte bislang nicht rekonstruiert werden, welche Art und Umfang der Knallkörper ursprünglich, also vor dessen Detonation aufwies», sagte der Sprecher. Die Beamten ermitteln nun wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz.

Bereits im vergangenen Jahr war ein siebenjähriger Junge in Berlin von einer Kugelbombe lebensgefährlich verletzt worden. Er wurde notoperiert. Zig Operationen folgten. Der Junge ist heute schwer gezeichnet und kämpft um seinen Weg zurück ins Leben.

Kugelbomben oder auch Feuerwerkskugeln enthalten verschiedene pyrotechnische Mischungen und können mehrere Kilogramm wiegen. Wegen der großen Menge an Explosivmasse und ihrer komplexen Funktionsweise sind die Kugeln in Deutschland nicht für den Allgemeingebrauch, sondern ausschließlich für staatlich geprüfte Pyrotechniker zugelassen. Der Name leitet sich von der kugelförmigen Form ab. Die mit den pyrotechnischen Mischungen gefüllte Hülle erzeugt bei der Explosion Lichteffekte am Himmel.

«Pyrotechnikverbot für den Privatgebrauch»

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin fordert angesichts der Feuerwerksexzesse erneut ein Böllerverbot. «Wir brauchen ein Pyrotechnikverbot für den Privatgebrauch», sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro im RBB-Inforadio. Man erlebe als Polizist im Silvestereinsatz eine Szenerie, wo man von überall beschossen werde. Es fehle an einer wirklichen Handhabe, um Täter hart zu bestrafen und andere abzuschrecken. In der Realität würden viele Täter nie eine Anklagebank sehen. 

Brandenburgs Innenminister René Wilke (SPD) brachte erlaubte Böllerzonen als Alternative zu einem Böllerverbot ins Gespräch. «Vielleicht ist die Idee der Umkehr (durch erlaubte Zonen) die praktikabelste», schrieb Wilke bei Instagram. «Es könnte besser kontrolliert werden, was eingesetzt wird.» Er schlug eine Kontrolle der verwendeten Pyrotechnik an weniger belebten Stellen für eine begrenzte Zeit vor. «So würden nicht derart viele Menschen (und Tiere) in Mitleidenschaft gezogen werden für den Willen einiger.»

«Existierende Gesetze anwenden»

Der Berufsverband Rettungsdienst äußert Zweifel, ob Strafverschärfungen für Angriffe auf Helfer abschreckend wirken. Es gebe bereits entsprechende Gesetze für hohe Strafen, die aber nicht angewendet würden, sagte der Verbandsvorsitzende Frank Flake den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Bis es zu Prozessen komme, dauere es Monate, manchmal Jahre, bis dahin sei das Geschehene schon fast vergessen. «Es würde reichen, wenn wir die existierenden Gesetze anwenden.»

Bundesjustizministerium will härter vorgehen

Kurz vor Silvester hatte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) einen angekündigten Gesetzentwurf zum besseren Schutz von Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften vorgelegt. Er sieht härtere Mindeststrafen für Angriffe auf diese Personengruppen vor.

Laut Justizministerium soll es dafür künftig Freiheitsstrafen von mindestens sechs statt wie bisher mindestens drei Monaten geben. In besonders schweren Fällen soll eine Mindeststrafe von einem Jahr statt wie bisher sechs Monaten drohen.

Auch in dieser Silvesternacht kam es in etlichen Städten in Deutschland wieder zu Angriffen auf Einsatz- und Rettungskräfte. Allein in Berlin zählte die Polizei 35 verletzte Beamte, 2 davon so schwer, dass sie stationär in Krankenhäusern aufgenommen werden mussten.

@ dpa.de

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