Tourismus, Frankreich

Louvre im Krisenmodus: Fünf Dinge, die sich ändern müssen

15.02.2026 - 11:47:55

Einbruch, baufällige Galerien, Ticketbetrug und zwei Überschwemmungen binnen Wochen: Kann der Pariser Louvre seine Rolle als prestigeträchtiges Museum noch retten? Was sich jetzt ändern muss.

  • Wegen Skandalen und Pannen sorgt das Weltmuseum seit Monaten für Negativschlagzeilen. - Foto: Michel Euler/AP/dpa

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  • Wie lässt sich der Besucherstrom entzerren? Mehrere kleine Museumseingänge statt eines zentralen Nadelöhrs? - Foto: Thibault Camus/AP/dpa

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  • Überlastung und Personalmangel legen immer wieder den Betrieb lahm: Seit Jahren steht das Louvre-Personal unter wachsendem Druck.  - Foto: Christophe Ena/AP/dpa

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Wegen Skandalen und Pannen sorgt das Weltmuseum seit Monaten für Negativschlagzeilen. - Foto: Michel Euler/AP/dpaWie lässt sich der Besucherstrom entzerren? Mehrere kleine Museumseingänge statt eines zentralen Nadelöhrs? - Foto: Thibault Camus/AP/dpaÜberlastung und Personalmangel legen immer wieder den Betrieb lahm: Seit Jahren steht das Louvre-Personal unter wachsendem Druck.  - Foto: Christophe Ena/AP/dpa

Einst sorgte der Louvre mit bedeutenden Werkschauen für weltweites Aufsehen. Seit einigen Monaten jedoch reiht sich eine Negativschlagzeile an die nächste: Ein Einbruch am helllichten Tag, bei dem Juwelen im Wert von 88 Millionen Euro entwendet wurden, der Verdacht auf Ticketbetrug in großem Stil sowie Überschwemmungen infolge defekter Rohre.

Eine Kette von Ereignissen, die weit über einzelne Skandale und Pannen hinausreicht – und die Zukunft des Museums als eine der prestigeträchtigsten Institutionen der Welt infrage stellt. Welche Schritte sind jetzt dringend notwendig?

Bessere Arbeitsbedingungen

Seit Mitte Dezember 2025 eskaliert der Protest: Es kam zu Teilarbeitsniederlegungen und zu vier Tagen vollständiger Schließung. Laut «Le Monde» sollen dabei 2,5 Millionen Euro Verluste entstanden sein. Die Forderungen der Beschäftigten: mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen, ein Ende prekärer Vertragsarbeit und des Outsourcings sowie Investitionen in Gebäude und technische Ausstattung. Die Gewerkschaften drohen mit weiteren Arbeitsniederlegungen.

Überraschend kommt die Eskalation nicht. Seit Jahren steht das Personal unter wachsendem Druck: Bereits 2019 legten Empfangs- und Sicherheitskräfte aus Überlastung den Betrieb lahm. 2023 begrenzte der Louvre die Besucherzahl auf 30.000 pro Tag, doch die Maßnahmen reichten nicht: Am 16. Juni 2025 kam es erneut zu Streiks, die Gewerkschaften kritisierten den Abbau von rund 200 Sicherheits- und Überwachungsstellen innerhalb von zehn Jahren.

Überprüfung der Museumsleitung

Zusätzlich spitzt sich die Vertrauensfrage in der Museumsleitung zu: Nach dem spektakulären Diebstahl der Juwelen im Oktober hatte Direktorin Laurence des Cars ihren Rücktritt angeboten – Kulturministerin Rachida Dati lehnte ab. Nun, nach Streiks und wiederholten Krisen, scheint sich der Wind zu drehen: Die Ministerin kündigte an, Organisation und Governance des Louvre erneut zu prüfen.

Didier Rykner, Kunsthistoriker und Gründer des Online-Magazins «La Tribune de l'Art», gehört zu den schärfsten Kritikern der Louvre-Führung. Er ist überzeugt, dass viele aktuelle Probleme mit einer anderen Leitung hätten vermieden werden können. In einem Interview auf «France Info» erklärte er, das Projekt «Louvre – Nouvelle Renaissance» (Louvre - Neue Renaissance) sei nicht um jeden Preis durchgesetzt worden und bilde «teilweise eine der Ursachen für das, was gerade passiert».

Der Plan sieht eine neue Eingangshalle vor, zusätzliche Ausstellungsflächen und einen eigenen Saal für die «Mona Lisa», das weltberühmte Gemälde. Unter der Leitung von Jean-Luc des Cars treibt das Museum das Prestigevorhaben voran, das mehrere hundert Millionen Euro verschlingt. Ihr Ziel: die Besucherströme zu entzerren und die Sicherheit von Gästen und Personal zu verbessern.

Neue Prioritäten

Während Streiks, Überschwemmungen und Sicherheitsprobleme den Louvre belasten, gerät das Prestigeprojekt zunehmend in die Kritik. Anfang Februar verschob der Pariser Präfekt die Entscheidung über den Architekten – für Beobachter ein Signal, dass das Projekt auf wackeligen Füßen steht.

Im Oktober 2025 kritisierte der Rechnungshof die Kosten: Binnen weniger Monate stiegen sie auf 666 Millionen Euro, ohne dass ausreichend Geld dafür bereitsteht. Des Cars betont zwar, dass das Projekt die einzige Lösung für die Probleme des Museums sei, doch Kritiker warnen: Prestige gehe hier vor Sicherheit und Instandhaltung. 

Auslagerung großer Sonderausstellungen

Museumsexperten schlagen einfachere, schnell wirksame Lösungen vor: mehrere kleine Museumseingänge statt eines zentralen Nadelöhrs – oder die Auslagerung großer Sonderausstellungen, etwa indem sie ins Grand Palais nahe den Champs-Élysées verlegt werden, das erst für rund 500 Millionen Euro renoviert wurde – wie es bereits andere Museen erfolgreich praktizieren.

Kleinere Schritte – und zu einem Bruchteil der Kosten. So ließe sich der Besucherstrom entzerren. Seit 1970 wuchs die Zahl der Besucher von 1,2 auf heute durchschnittlich etwa 9 Millionen pro Jahr – Rekordzahlen, die überfüllte Säle und stockende Ströme nach sich ziehen.

Handlungsfähig im Ernstfall

Undichte Leitungen, baufällige Böden und technische Defekte zeigen: Die Gebäudesubstanz des Louvre braucht dringend Investitionen, die Fachleute seit Jahren auf mehrere Hundert Millionen Euro beziffern.

Die Museumsleitung betont die Herausforderung, auf mehr als 70.000 Quadratmetern jeden Schaden zu verhindern. «Wir setzen umfassende technische Masterpläne für Sicherheit, Heizung, Klimatisierung und Elektrizität um», erklärte Louvre-Generalverwalter Kim Pham auf «France Inter».

«Strukturelle Aufrüstungen brauchen Zeit. Es liegt an uns, vorauszuplanen und kurzfristig handlungsfähig zu sein», fügte er hinzu. Und räumte ein: Weitere Zwischenfälle seien zu erwarten, und der Sully-Flügel im östlichen Teil des Museums zeige deutliche Alters- und Verschleißerscheinungen.

@ dpa.de

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