Niedersachsen, Deutschland

Lianas Tod am Bahnhof Friedland - Heute Urteil erwartet

29.04.2026 - 05:00:05 | dpa.de

Eine 16-JĂ€hrige wird in Niedersachsen von einem GĂŒterzug erfasst und stirbt. Jetzt endet das Gerichtsverfahren zu dem Fall, der so viel Trauer, Entsetzen und politische Debatten ausgelöst hat.

Nach dem mutmaßlich tödlichen Stoß am Bahnhof von Friedland soll in Göttingen ein Urteil fallen. (Archivbild) - Foto: Swen Pförtner/dpa
Nach dem mutmaßlich tödlichen Stoß am Bahnhof von Friedland soll in Göttingen ein Urteil fallen. (Archivbild) - Foto: Swen Pförtner/dpa

Der Tod der 16-jĂ€hrigen Liana durch einen mutmaßlichen Stoß vor einen GĂŒterzug im niedersĂ€chsischen Friedland löste bundesweit Fassungslosigkeit aus und beeinflusst noch immer politische Debatten: Heute (13.00 Uhr) will das Landgericht Göttingen ein Urteil fĂŒr einen 31-jĂ€hrigen Mann verkĂŒnden, dem vorgeworfen wird, das MĂ€dchen aus ThĂŒringen im Sommer 2025 vor den durchfahrenden Zug gestoßen zu haben. 

Gegen den Iraker lÀuft ein sogenanntes Sicherungsverfahren, weil die Staatsanwaltschaft Göttingen davon ausgeht, dass der Beschuldigte an einer paranoiden Schizophrenie leidet und nicht schuldfÀhig ist. Es gibt daher keinen regulÀren Strafprozess mit einer Anklage. In dem Sicherungsverfahren wird nicht nur geklÀrt, ob der Mann der TÀter ist, sondern auch, ob er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Beim Prozessauftakt im Februar hatte sich der VerdĂ€chtige nicht zu den VorwĂŒrfen geĂ€ußert. Auf Empfehlung seiner Betreuer verfolgte er die Verhandlung mit angelegten Handschellen. Der 31-JĂ€hrige sitzt derzeit im Maßregelvollzug ein.

Fall wirft politische Fragen und weitere Ermittlungen auf 

Der Fall um das MĂ€dchen, das 2022 mit seiner Familie aus der Ukraine nach Deutschland geflĂŒchtet war, sorgte bundesweit fĂŒr Schlagzeilen. Er beschĂ€ftigte schnell auch die Politik, weil der ausreisepflichtige Iraker nach den europĂ€ischen Asyl-Regeln eigentlich schon Monate vor der Tat von Deutschland nach Litauen hĂ€tte gebracht werden sollen.

Ebenfalls heute (ab 9.00 Uhr) befasst sich auch der niedersĂ€chsische Landtag erneut mit möglichen Konsequenzen nach dem gewaltsamen Tod der 16-JĂ€hrigen. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) muss sich dabei vor allem Fragen der grĂ¶ĂŸten Oppositionsfraktion CDU stellen.

Kurz vor dem Prozessauftakt im Februar war zudem bekanntgeworden, dass im niedersĂ€chsischen Landtag wegen des Verdachts des Geheimnisverrats ermittelt wurde. Hintergrund war, dass Informationen aus einer vertraulichen Sitzung des Innenausschusses zum Fall Liana an die Öffentlichkeit gelangt waren. 

Diese Ermittlungen sind laut Staatsanwaltschaft Hannover aber seit wenigen Tagen eingestellt. Es habe sich nicht aufklÀren lassen, wer die Infos an Medienvertreter weitergegeben haben könnte, sagte eine Behördensprecherin der Deutschen Presse-Agentur. 

Strafverfolger sprechen von Mord und wollen Unterbringung 

Trotz der möglichen SchuldunfĂ€higkeit sehen die Göttinger Strafverfolger in der Tat vom 11. August 2025 einen heimtĂŒckischen Mord. Die am Bahnsteig wartende Jugendliche habe nicht mit einem Angriff rechnen können. Die Staatsanwaltschaft meint zudem, dass von dem Beschuldigten eine Gefahr fĂŒr die Allgemeinheit ausgeht und strebt daher die Unterbringung an. 

Nach Angaben der Ermittler wurden an der Schulter des Opfers DNA-Spuren des VerdĂ€chtigen gefunden. FĂŒr den Indizienprozess gab es aber keine direkten Tatzeugen und keine Videoaufnahmen vom Bahnsteig. 

Aus Sicht der Verteidigung bleiben nach den bisher neun Verhandlungstagen mehrere Szenarien möglich. Sie plÀdierte daher nach Angaben aus dem Gericht auf einen Freispruch mangels ausreichender Beweise. Die Nebenklage, die die Mutter der Getöteten vertritt, forderte eine Verurteilung wegen Mordes. Sie wollte einen Wechsel in ein regulÀres Strafverfahren, weil sie allenfalls von verminderter SchuldfÀhigkeit ausgeht, wie eine Gerichtssprecherin sagte.

Trauerfeier in ThĂŒringen 

Unter großer Anteilnahme wurde die 16-jĂ€hrige Liana im September beigesetzt. Familie und Freunde nahmen in Heilbad Heiligenstadt im Nordwesten ThĂŒringens Abschied und erwiesen dem MĂ€dchen bei einer von einem ukrainisch-orthodoxen Geistlichen geleiteten Zeremonie die letzte Ehre.

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