Studie: Viele Jungen und MĂ€dchen kennen Pornos und Sexting
11.09.2024 - 11:58:55Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland haben einer Studie zufolge schon Erfahrungen mit Pornos oder Sexting gemacht. Rund 42 Prozent der 3.000 bundesweit befragten 11- bis 17-JĂ€hrigen gaben an, bereits einen Porno gesehen zu haben. Das bedeutet einen deutlichen Anstieg: Im Vorjahr hatten das 35 Prozent gesagt, wie aus der reprĂ€sentativen Befragung der Landesanstalt fĂŒr Medien NRW hervorgeht. Besorgniserregend sei, dass der Anstieg auf die starke Zunahme bei den besonders jungen Befragten - Kindern im Alter von 11 bis 13 Jahren - zurĂŒckgeht.
«Pornos sind kein Kinderprogramm. Und doch kommen Kinder und Jugendliche heute schon deutlich vor ihrer VolljĂ€hrigkeit mit ihnen in Kontakt â mehr als das, sie stellen auch immer öfter selbst pornografisches Material her und verschicken es», berichtete die Medienanstalt. Dieses PhĂ€nomen des Sexting sei durchaus weit verbreitet: 25 Prozent der Befragten gaben an, schon mal eine Textnachricht mit sexuellem Inhalt, Nacktbilder, Nacktvideos oder auch Emojis mit eindeutigen sexuellen Absichten erhalten zu haben.Â
Erstkontakt ist oft zufÀllig oder unfreiwillig
FĂŒr Eltern oder LehrkrĂ€fte sei es kaum vorstellbar, wie einfach Kinder und Jugendliche heute an Pornografie kommen und vor allem auch selbst solches Material online versenden, sagte Medienanstalt-Direktor Tobias Schmid in DĂŒsseldorf. «Aber die Studie zeigt es eindeutig: Das passiert. Wir sind gefordert, MinderjĂ€hrige zu schĂŒtzen.»Â
Der Erstkontakt mit Pornos geschehe hĂ€ufig unfreiwillig oder zufĂ€llig - und meistens im Alter von 12 bis 15 Jahren, wie die Medienanstalt hervorhob. In der Gruppe derer, die angab, Erfahrung mit Pornos gemacht zu haben, sagte gut die HĂ€lfte auch, das lediglich «1- oder 2-Mal gemacht» zu haben. Nur wenige Befragten schauen also regelmĂ€Ăig Pornos, schilderte die Medienanstalt. Den allermeisten falle es schwer, das Gesehene einzuordnen.Â
HĂ€ngen Pornokonsum um Sexting zusammen?
Man könne zwar keinen klaren Zusammenhang zwischen frĂŒhem Pornokonsum und dem Kontakt mit selbsterstelltem pornografischen Material nachweisen, aber der Verdacht sei naheliegend, denn: Rund 42 Prozent der MinderjĂ€hrigen, die angaben, einen Porno gesehen zu haben und zugleich auch zu «sexten», lassen sich nach eigener Aussage durch Pornos fĂŒr ihr Sextingverhalten inspirieren. «Die Befragten lassen also das, was sie in Pornos entdecken, in ihr eigenes Verhalten einflieĂen», folgerte die Behörde. Allerdings ergab die Befragung auch: Fast die HĂ€lfte der MinderjĂ€hrigen mit Porno-Erfahrung - 48 Prozent - stimmten der Aussage zu: «Ich habe Dinge in Pornos gesehen, die ich lieber nicht gesehen hĂ€tte.»Â
Von den 25 Prozent unter den 3.000 Befragten, die schon einmal eine Sexting-Nachricht erhalten hatten, war das in den allermeisten FĂ€llen - 79 Prozent - unaufgefordert geschehen. Hingegen sagten nur 9 Prozent, dass sie selbst eine Sexting-Nachricht verschickt haben - Jungen dabei etwas hĂ€ufiger als MĂ€dchen.Â
In dieser recht kleinen Gruppe nannten als Motivation etwa jeweils ein Drittel der Jungen und MĂ€dchen, dass sie «nur so aus SpaĂ» sexten oder aber, um zu flirten oder um dem Freund/der Freundin «ein ganz persönliches Bild/Video» zu schicken. Es zeigte sich allerdings auch, dass die EmpfĂ€ngerinnen und EmpfĂ€nger den Versendenden hĂ€ufig nicht persönlich bekannt waren.Â
FĂŒr Sexting ist WhatsApp das bevorzugte MediumÂ
Als Plattform fĂŒr Sexting habe WhatsApp seine Dominanz im Vergleich zum Vorjahr - 2023 hatte die Behörde die erste Studie dieser Art durchgefĂŒhrt - noch einmal ausgebaut. Es sei anzunehmen, dass die Funktion des Gruppenchats bei Whatsapp zu einem generellen Anstieg an Kommunikation mit persönlich nicht bekannten Personen fĂŒhre, schilderte die Landesanstalt. Dagegen habe Snapchat vor allem bei Ă€lteren MĂ€dchen als Sexting-Medium an Beliebtheit eingebĂŒĂt.
Schmid mahnte, es brauche mehr AufklĂ€rung, Anlaufstellen im Alltag und einen zuverlĂ€ssigen Jugendmedienschutz im Digitalen. «Mit Angeboten wie den Medienscouts NRW und unserem Vorgehen gegen den fehlenden Jugendschutz bei den gröĂten Pornoplattformen der Welt nehmen wir uns dem Thema an.»Â





