Solinger, Brand

Solinger Brand: Keine Hinweise auf rassistisches Motiv

28.03.2024 - 19:04:47

Eine Familie ist bei einem Brand in Solingen ums Leben gekommen. Die Ermittler gehen von vorsÀtzlicher Brandstiftung aus. Anhaltspunkte auf ein rassistisches Motiv liegen laut Behörde nicht vor.

In dem mutmaßlich vorsĂ€tzlich in Brand gesetzten Solinger Mehrfamilienhaus mit vier Todesopfern haben laut Staatsanwaltschaft auch Menschen mit Migrationshintergrund gewohnt.

«Das Haus war zweifellos auch von Migranten bewohnt», sagte ein Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Der Islamverband Ditib hatte in einer Mitteilung vom Mittwochabend angegeben, das Feuer sei «in einem mehrheitlich von Menschen mit Migrationshintergrund bewohnten Haus» gelegt worden.

Die Ermittler haben weiterhin keine Erkenntnisse, die auf ein rassistisches Tatmotiv hinweisen. Der Ermittlungsstand sei unverÀndert, teilte Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Bereits der Staatsanwalt in Wuppertal hatte erklÀrt: «Anhaltspunkte, die auf ein fremdenfeindliches Motiv deuten, liegen nicht vor.»

Außerdem bestĂ€tigte der Ermittler, dass es in dem Haus bereits einmal gebrannt hatte. Ein Feuer aus dem Jahr 2022 sei Teil der Bewertungen, erklĂ€rte der Staatsanwalt weiter. Eventuell eingehende Hinweise wĂŒrden durch die Ermittlungsbehörden geprĂŒft.

Ermittlungen wegen Mordes

Die Staatsanwaltschaft geht von vorsÀtzlicher Brandstiftung aus und ermittelt wegen Mordes beziehungsweise versuchten Mordes. Bei der getöteten Familie - junge Eltern, ein etwa drei Jahre altes Kind und ein SÀugling - geht die Ermittlungsbehörde von bulgarischer NationalitÀt aus. Eine Identifizierung stand noch aus. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft ergÀnzte, nach derzeitigem Stand handele es sich bei einer schwer verletzten Familie ebenfalls um Bulgaren. Ob unter den Bewohnern womöglich weitere NationalitÀten vertreten seien, könne man noch nicht sagen.

Nach Angaben der TĂŒrkisch-Islamischen Union Ditib (Köln) sind bis auf eine Person alle Hausbewohner «tĂŒrkischstĂ€mmige Muslime aus Bulgarien oder der TĂŒrkei».

Bei der getöteten Familie handelt es sich dem Islamverband zufolge um eine «muslimische Familie mit bulgarischer StaatsbĂŒrgerschaft». Die Ditib-Gemeinde vor Ort habe bereits erste GesprĂ€che mit den Hinterbliebenen aufgenommen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren in dem hölzernen Treppenhaus Reste eines Brandbeschleunigers nachgewiesen worden. Die Fahndung nach dem oder den unbekannten TĂ€tern lĂ€uft weiter. Ob es bereits Hinweise aus der Bevölkerung gibt, ist zunĂ€chst offen. Auch zur Frage nach dem Gesundheitszustand der Verletzten und nach der genauen Zahl der Betroffenen Ă€ußerte sich die Staatsanwaltschaft zunĂ€chst nicht. Nach bisherigen Angaben der Stadt Solingen wurden drei Schwerverletzte intensivmedizinisch betreut. Die Ermittler hatten am Mittwoch von fĂŒnf weiteren Personen berichtet, die ebenfalls Verletzungen erlitten, aber weniger schwere.

Trauerkundgebung vor dem Brandhaus

Bewohner waren in der Nacht zu Dienstag in Todesangst aus dem etwa 100 Jahre alten brennenden Altbau auf die Straße gesprungen. Die vierköpfige Familie hatte im Dachgeschoss gewohnt, sie starb in den Flammen. Zur Erinnerung an die Opfer und als Zeichen der SolidaritĂ€t soll es am spĂ€ten Nachmittag (17.00 Uhr) eine Trauerkundgebung vor dem Brandhaus im Solinger Stadtteil Höhscheid geben. Die Amadeu Antonio Stiftung, die Initiativen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus unterstĂŒtzt, hatte dazu kurzfristig aufgerufen.

Das katastrophale Feuer hatte bei vielen Menschen schlimme Erinnerungen geweckt: Im Mai 1993 waren bei einem nĂ€chtlichen Brandanschlag mit rechtsextremem Hintergrund fĂŒnf tĂŒrkischstĂ€mmige Frauen und MĂ€dchen der Familie Genç in Solingen ermordet worden. Der Anschlag markierte damals den Tiefpunkt einer Welle rassistischer AnschlĂ€ge auf Menschen auslĂ€ndischer Herkunft in Deutschland. Nach EinschĂ€tzung des Integrationsvorsitzenden hat sich seit der GrĂ€ueltat von 1993 die «gesellschaftliche Stimmung hinsichtlich Rassismus und Rechtsextremismus nicht wesentlich verbessert».

@ dpa.de