Messerangriff im Hauptbahnhof - TĂ€terin muss in Psychiatrie
26.01.2026 - 14:43:26Die Tat hatte im Mai bundesweit fĂŒr Entsetzen gesorgt: Eine psychisch kranke Frau stach an einem Gleis im Hamburger Hauptbahnhof wahllos auf Reisende ein. WĂ€hrend sechs Personen den Stichen ausweichen konnten, erlitten 15 Menschen zum Teil erhebliche Schnitt- oder Stichverletzungen. Jetzt hat eine Richterin am Hamburger Landgericht entschieden: Die 40-JĂ€hrige muss dauerhaft in die Psychiatrie. Rechtlich wertete das Gericht die Tat als versuchten Totschlag in 21 FĂ€llen, davon in 15 FĂ€llen in Tateinheit mit gefĂ€hrlicher Körperverletzung.Â
Frau wegen Krankheit Gefahr fĂŒr Allgemeinheit
Das Gericht geht davon aus, dass die Frau wegen einer psychischen Erkrankung bei der Tat schuldunfĂ€hig war. Sie leide an einer mit RealitĂ€tsverkennung einhergehenden paranoiden Schizophrenie und höre Stimmen, hieĂ es. Die Angeklagte sei aufgrund ihrer Krankheit eine Gefahr fĂŒr die Allgemeinheit und mĂŒsse auf Dauer in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Nach der Tat wurde sie dort nur vorlĂ€ufig eingewiesen.
FrĂŒheren Angaben zufolge wurden bei der Attacke drei Frauen im Alter von 24, 52 und 85 Jahren und ein 24 Jahre alter Mann lebensgefĂ€hrlich verletzt. Eine Frau musste notoperiert und in ein kĂŒnstliches Koma versetzt werden.
«Die Angeklagte hat die Tat nicht begangen, weil sie ein böser Mensch ist, sondern weil sie psychisch krank ist», sagte die Vorsitzende Richterin Birgit Woitas. Vorausgegangen sei eine jahrelange Krankengeschichte. Bereits im Alter von 15 Jahren habe diese begonnen, mit 19 Jahren war die Angeklagte erstmals in einer Klinik. Zwischen 2022 und 2025 sei sie insgesamt 32 Mal in stationĂ€rer Behandlung gewesen.Â
Als die psychisch kranke Frau Dokumente verbrannte, verlor sie ihre Wohnung, wurde obdachlos und verbrachte die Zeit zwischen Klinikaufenthalten auf der StraĂe und in ZĂŒgen.Â
Im Januar bereits Vater mit Schere angegriffen
Dabei seien ihre Taten immer massiver geworden, sagte die Richterin. So habe man Anfang 2024 eine Axt in ihrer Tasche gefunden, im Sommer 2024 habe sie ein Kleinkind angegriffen. «Das alles soll zeigen, wie schlecht es ihr psychisch ging», sagte die Richterin. Die 40-JĂ€hrige habe auch Suizidgedanken gehabt. Einmal wollte sie sich demnach vor einen Zug werfen.Â
Am 5. Januar 2025 soll die 40-JĂ€hrige in GroĂhansdorf bei Hamburg versucht haben, ihren damals 69 Jahre alten Vater mit einer Schere zu töten. Dem Vater gelang es, seine Tochter zu Boden zu bringen. Trotzdem verletzte sie ihn am Oberarm und an der Schulter. Am 26. Februar soll die Angeklagte ein Kind auf einem Spielplatz am Hamburger Flughafen angegriffen haben.Â
Am Tattag habe sie «nicht mehr ein noch aus gewusst» und wahllos auf die Menschen eingestochen. «Sie dachte, die Menschen wollten ihr etwas Böses und soll gesagt haben: Was schaut ihr mich so böse an?», sagte die Richterin.
Die Angeklagte nahm das Urteil reglos hin. Sie hatte in dem Saal neben einer Betreuerin Platz genommen. Die 40-JÀhrige trug eine schwarze Kapuzenjacke und hatte ihre grÀulichen Haare zu einem Zopf gebunden. Als die Richterin fragte, ob sie das Urteil annehmen möchte, sagte sie kaum hörbar «Ja».
Tat auf dem Bahnsteig dauerte nur 24 Sekunden
Die Tat auf dem Bahnsteig dauerte nach Angaben des Hamburger Senats nur 24 Sekunden. Wenige Minuten zuvor hatte die 40-JĂ€hrige ein GemĂŒsemesser mit einer 8,5 Zentimeter langen Klinge in einem Drogeriemarkt im Hauptbahnhof gestohlen. Zwei Zeugen wurden auf die Messerstecherin aufmerksam und stoppten sie auf dem Bahnsteig. Einer der MĂ€nner brachte sie den Angaben zufolge zu Fall und trat ihr das Messer aus der Hand. Gemeinsam hielten sie die Frau bis zum Eintreffen der Polizei fest.
Verteidigerin kritisiert Versorgung psychisch KrankerÂ
Die Verteidigerin der 40-JĂ€hrigen hatte zu Beginn des Prozesses auf MĂ€ngel in der medizinischen Versorgung fĂŒr psychisch schwer kranke Menschen aufmerksam gemacht. Liegezeiten in Kliniken seien extrem verkĂŒrzt und dadurch wĂŒrden schwer kranke Menschen wie im Fall ihrer Mandantin sogar in die Obdachlosigkeit entlassen.Â
Erst am Tag vor dem Messerangriff im Hamburger Hauptbahnhof war die 40-JÀhrige aus einer Psychiatrie im niedersÀchsischen Landkreis Cuxhaven entlassen worden. Nach Auskunft der Klinik gab es zu jenem Zeitpunkt keinen medizinischen Befund, der eine weitere Unterbringung gerechtfertigt hÀtte.







