Warum manche Menschen nie Sex haben
26.09.2025 - 04:00:12 | dpa.de
Wie kommt es, dass manche Menschen selbst im hohen Erwachsenenalter noch nie Sex hatten? Dieser Frage ist ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts fĂŒr empirische Ăsthetik (MPIEA) in Frankfurt am Main nachgegangen.Â
In der bislang gröĂten Studie zu Menschen ohne sexuelle Erfahrung fanden die Forscher heraus, «dass JungfrĂ€ulichkeit im höheren Alter auf eine komplexe Mischung aus psychologischen, sozialen und genetischen Faktoren zurĂŒckzufĂŒhren ist», wie das Frankfurter Institut die Ergebnisse zusammenfasst. Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift «PNAS» veröffentlicht.
«Vermindertes Wohlbefinden»
«Romantische und sexuelle Beziehungen sind oft eine wichtige soziale StĂŒtze. Ihr Fehlen ist fĂŒr viele mit Einsamkeit, AngstzustĂ€nden, depressiven GefĂŒhlen und vermindertem Wohlbefinden verbunden», erklĂ€rt Co-Autorin Laura Wesseldijk vom Frankfurter MPIEA.
Das Forschungsteam, zu dem auch Wissenschaftler aus den Niederlanden und Australien gehörten, analysierte Daten von mehr als 400.000 Britinnen und Briten im Alter von 39 bis 73 Jahren. Rund ein Prozent von ihnen gab an, noch nie Sex gehabt zu haben.Â
Was haben Menschen ohne Sex gemeinsam?
«Diese Gruppe war im Durchschnitt besser ausgebildet, aber auch einsamer, nervöser und unglĂŒcklicher als diejenigen mit sexueller Erfahrung», fasst das Institut zusammen. Die Forscher fanden weiterhin heraus, dass Sexlosigkeit hĂ€ufiger in Gegenden mit gröĂerer Einkommensungleichheit auftrat.
Insbesondere bei MÀnnern spielten auch körperliche Merkmale eine Rolle: MÀnner, die nie Sex hatten, waren hÀufiger physisch schwÀcher. Zudem lebten sie tendenziell in Regionen, in denen es weniger Frauen gab.
Etwa 15 Prozent der Unterschiede in der lebenslangen Sexlosigkeit konnten durch genetische Faktoren erklĂ€rt werden. «Am auffĂ€lligsten ist die Ăberschneidung mit genetischen Faktoren, die mit Intelligenz, Bildung und neurologischen Entwicklungsstörungen wie Autismus zusammenhĂ€ngen», erklĂ€rt Co-Autor Abdel Abdellaoui von der UniversitĂ€t Amsterdam.
Die Studie zeigt auĂerdem, dass Menschen, die nie Sex hatten, seltener Alkohol und Drogen konsumierten und in jungen Jahren hĂ€ufiger eine Brille trugen. «Wir erkennen hier eine Gruppe von Menschen, die tendenziell sozial eher zurĂŒckgezogen lebt und daher hĂ€ufiger Schwierigkeiten hat, einen Partner zu finden», kommentiert Co-Autor Brendan Zietsch von der australischen University of Queensland.
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