Deutschland, Rheinland-Pfalz

Kein Fahrschein, aber Faustschläge - Zugbegleiter stirbt

04.02.2026 - 14:35:52 | dpa.de

Eine Ticketkontrolle endet für den Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz tödlich. Die Trauer kommt nicht allein. Forderungen werden laut, denn Gewalt gegen Bahnangestellte gibt es oft.

  • Der Angriff geschah laut Polizeiangaben, kurz nachdem dem Zug den Bahnhof Landstuhl verlassen hatte. - Foto: Patrick von Frankenberg/dpa
    Der Angriff geschah laut Polizeiangaben, kurz nachdem dem Zug den Bahnhof Landstuhl verlassen hatte. - Foto: Patrick von Frankenberg/dpa
  • Der Regionalzug war in Richtig Homburg unterwegs.  - Foto: Patrick von Frankenberg/dpa
    Der Regionalzug war in Richtig Homburg unterwegs. - Foto: Patrick von Frankenberg/dpa
  • Der Zugbegleiter starb im Alter von 36 Jahren. - Foto: Patrick von Frankenberg/dpa
    Der Zugbegleiter starb im Alter von 36 Jahren. - Foto: Patrick von Frankenberg/dpa
  • Die Trauer um den getöteten Kollegen ist groß - Foto: Boris Roessler/dpa
    Die Trauer um den getöteten Kollegen ist groß - Foto: Boris Roessler/dpa
  • Der Zugbegleiter starb nach Faustschlägen gegen den Kopf - Foto: Boris Roessler/dpa
    Der Zugbegleiter starb nach Faustschlägen gegen den Kopf - Foto: Boris Roessler/dpa
  • Forderungen aus der Politik werden laut - Foto: Boris Roessler/dpa
    Forderungen aus der Politik werden laut - Foto: Boris Roessler/dpa
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Er hat nur seinen Job gemacht und ist dabei getötet worden. Bei einer Ticketkontrolle im Regionalzug griff ein Fahrgast den Zugbegleiter an - und versetzte ihm so schwere Faustschläge gegen den Kopf, dass er lebensgefährlich verletzt wurde. Der Regionalexpress hatte kurz zuvor den Bahnhof Landstuhl im Kreis Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz verlassen. Keine zwei Tage nach der Tat starb der 36-Jährige, der in Ludwigshafen zu Hause war, im Krankenhaus in Homburg.

Was war der Hintergrund der Attacke? Nach Angaben der Polizei hatte der spätere Angreifer keinen Fahrschein dabei. Als der Bahnmitarbeiter Serkan C. ihm sagte, er solle den Zug verlassen, prügelte er los. Bei dem mutmaßlichen Täter handele es sich um einen 26 Jahre alten Griechen ohne Wohnsitz in Deutschland - gegen ihn sei Haftbefehl ergangen. 

Der Tatverdächtige schweige bisher zu den Vorwürfen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Zweibrücken. Eine für heute angeordnete Obduktion soll die genaue Todesursache klären. Eine Waffe sei bei der Tat wohl nicht zum Einsatz gekommen.

«Rohe und sinnlose Gewalt»

Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zeigte sich fassungslos. «Es ist furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit ums Leben kommt – getötet durch rohe und sinnlose Gewalt.» 

Auch die Regierungschefs von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer, und des Saarlandes, Anke Rehlinger (beide SPD), sagten, sie seien «geschockt». «Diese schreckliche Gewalt gegen jemanden, der einfach seinen Job macht, lässt uns wütend und traurig zurück», teilten sie mit. «Der Opferschutzbeauftragte von Rheinland?Pfalz wird der Familie Unterstützung anbieten», teilte Schweitzer zudem mit. 

Bahn-Chefin Evelyn Palla schrieb in einem Beitrag auf der Plattform Linkedin, der Tod des Mitarbeiters mache sie «fassungslos und traurig». «Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen kommt.» Es sei ein schwarzer Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, ihr tiefes Mitgefühl gelte den Angehörigen, Freunden und Kollegen.

Schweigeminute der Eisenbahner

Die Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) rufen nun zu einer Schweigeminute auf. «Wir sind erschüttert und trauern um unseren Kollegen», teilte der EVG-Vorsitzende Martin Burkert mit. «Heute steht die Eisenbahnerfamilie still.»

Unter anderem am Hauptbahnhof in Frankfurt verharrten Hunderte Bahnbedienstete mehrere Minuten lang schweigend in Gedenken an den getöteten Kollegen. Auch in Zügen wurde Passagiere um 15 Uhr aufgerufen, sich an der Gedenkminute zu beteiligen.

«Ab morgen erhöhen wir noch mal den Druck», schrieb die Gewerkschaft. «Dieser brutale Überfall muss jetzt ein Umdenken einleiten.» Die Politik müsse Maßnahmen für mehr Sicherheit ergreifen.

Übergriffe sind keine Seltenheit

Angriffe auf Beschäftigte der Bahn sind bitterer Alltag in Deutschland: Von Januar bis Ende Oktober 2025 wurden 2.987 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahn Opfer von Straftaten. Darunter waren 1.148 Fälle von Bedrohung, 1.231 Fälle von Körperverletzung und 324 Fälle von gefährlicher Körperverletzung, wie aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des Linken-Politikers Dietmar Bartsch hervorgeht.

Auch der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, Martin Burkert, fragt sich immer wieder, wieso Bahnmitarbeiter ähnlich wie Polizisten und Feuerwehrleute in den Fokus geraten. Einer Umfrage der EVG zufolge haben bereits 82 Prozent der Bahnmitarbeiter verbale oder körperliche Übergriffe bei der Arbeit erlebt. Die Befragung erfolgte im Februar 2024 online, knapp 4.000 Zugbegleiter, Servicekräfte im Bahnhof und Hotline-Mitarbeiter nahmen der EVG zufolge teil.

Forderung nach mehr Personal

«Wir brauchen eine Doppelbesetzung in den Zügen des Schienenpersonennahverkehrs», sagte Burkert der dpa. Bislang gehen die Zugbegleiter in Regionalzügen in der Regel allein durch die Abteile, anders als Kontrolleure zum Beispiel in Bussen. Ändern könnten das die Länder bei der Festlegung, wie viel Nahverkehr mit wie viel Personal angeboten werden soll. Zudem fordert Burkert mehr Bodycams mit Ton und eine Ausweitung des Konzepts von Notrufknöpfen in Regionalzügen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert mehr Sicherheitspersonal in den Zügen. «Wir erkennen seit langer Zeit die wachsende Kriminalität und Brutalität auch im Bahnbereich», sagte der GdP-Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, der «Rheinischen Post». «Seit Jahren fordern wir die Aufstockung des Personals in diesem Bereich.»

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