Heftiges, Erdbeben

Heftiges Erdbeben löst Tsunami-Alarm am Pazifik aus

30.07.2025 - 12:04:07

Eines der bislang weltweit stĂ€rksten Erdbeben versetzt zahlreiche LĂ€nder in Alarmzustand. Es gibt Verletzte, Überschwemmungen und Evakuierungen. Die erste Bilanz fĂ€llt aber nicht allzu bitter aus.

  • In Petropawlowsk-Kamtschatski auf der fernöstlichen russischen Halbinsel Kamtschatka brach Berichten zufolge Panik aus. (Archivbild) - Foto: Ulf Mauder/dpa

    Ulf Mauder/dpa

  • Die Tsunami-Wellen trafen die KĂŒste im fernen Osten Russlands. - Foto: Uncredited/Geophysical Service of the Russian Academy of Sciences/AP/dpa

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  • Auch ein Kindergarten-GebĂ€ude wurde schwer beschĂ€digt. - Foto: Uncredited/Russian Emergency Ministry Press Service/AP/dpa

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  • KĂŒstenanwohner begaben sich in höher gelegene Zonen. - Foto: Muneyoshi Someya/Kyodo News/AP/dpa

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  • Die russischen Behörden haben die Tsnunami-Warnung wieder aufgehoben - ohne Hinweise auf grĂ¶ĂŸere SchĂ€den.  - Foto: The Telegram Channel Of The Kamc/TASS/ZUMA Press/dpa

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In Petropawlowsk-Kamtschatski auf der fernöstlichen russischen Halbinsel Kamtschatka brach Berichten zufolge Panik aus. (Archivbild) - Foto: Ulf Mauder/dpaDie Tsunami-Wellen trafen die KĂŒste im fernen Osten Russlands. - Foto: Uncredited/Geophysical Service of the Russian Academy of Sciences/AP/dpaAuch ein Kindergarten-GebĂ€ude wurde schwer beschĂ€digt. - Foto: Uncredited/Russian Emergency Ministry Press Service/AP/dpaKĂŒstenanwohner begaben sich in höher gelegene Zonen. - Foto: Muneyoshi Someya/Kyodo News/AP/dpaDie russischen Behörden haben die Tsnunami-Warnung wieder aufgehoben - ohne Hinweise auf grĂ¶ĂŸere SchĂ€den.  - Foto: The Telegram Channel Of The Kamc/TASS/ZUMA Press/dpa

Ein schweres Erdbeben vor der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten Russlands hat Tsunami-Warnungen fĂŒr Millionen Menschen im Pazifik-Raum ausgelöst. Zahlreiche LĂ€nder wie Japan, China und die Philippinen warnten die Einwohner vor teils meterhohen Flutwellen als Folge des Erdbebens. Auch Hawaii und die US-WestkĂŒste und Lateinamerika waren alarmiert. Auf Kamtschatka war von Verletzten und SchĂ€den die Rede. 

In einigen LĂ€ndern wurden die Warnungen nach einigen Stunden aufgehoben oder heruntergestuft. Auch Russland hob die Tsunami-Warnung wieder auf. Bei einem Tsunami bauen sich Wellen mitunter in Stufen auf. Hinweise auf grĂ¶ĂŸere SchĂ€den gab es nicht. In der russischen Hafenstadt Sewero-Kurilsk auf der Kurilen-Inselgruppe kam es allerdings zu schweren Überschwemmungen. 

Mit 8,8 war das Hauptbeben laut der US-Erdbebenwarte USGS das weltweit stĂ€rkste seit der Katastrophe von Fukushima im MĂ€rz 2011 - und wurde seit Beginn der Messungen ĂŒberhaupt nur von fĂŒnf Beben ĂŒbertroffen. 

Es ereignete sich in der Nacht um kurz vor 1.30 Uhr deutscher Zeit vor der fernöstlichen russischen Halbinsel Kamtschatka. Nach russischen Angaben hatte dieses Beben eine StÀrke von 8,7. Das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam gab die StÀrke mit 8,8 an. 

Viele Nachbeben

Laut der Russischen Akademie der Wissenschaften war es das heftigste Erdbeben auf Kamtschatka seit 1952. Das Zentrum des Bebens lag den Angaben zufolge in der offenen See, etwa 130 Kilometer vor der nur dĂŒnn besiedelten KĂŒste Kamtschatkas, und relativ tief unter dem Meeresboden.

Seither kam es laut USGS zu Dutzenden Nachbeben vor Kamtschatka, viele davon hatten StĂ€rken von ĂŒber 5. Die zwei stĂ€rksten Nachbeben hatten demnach die StĂ€rken 6,9 und 6,3. 

Verletzte und Überschwemmungen in Russland

Von der russischen Halbinsel Kamtschatka meldeten Behörden mehrere Verletzte. Die Patienten erhielten in KrankenhÀusern die erforderliche Hilfe, sagte der regionale Gesundheitsminister Oleg Melnikow. Verletztenzahlen nannte er nicht. Die Menschen hÀtten sich bei der Flucht verletzt, darunter ein Mann bei einem Sprung aus einem Fenster. Eine Frau sei in einem GebÀude des neuen Flughafens verletzt worden. 

In der Regionalhauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski rannten laut russischen Medien verĂ€ngstigte Menschen barfuß ins Freie. KleiderschrĂ€nke stĂŒrzten um, Autos rutschten ĂŒber wackelnde Straßen. Der Gouverneur der Region Kamtschatka, Wladimir Solodow, veröffentlichte in seinem Telegram-Kanal auch ein Video seines Besuchs in einem bei dem Beben teils zerstörten Kindergarten. Dort stĂŒrzte die Fassade ein. Es habe keine Verletzten gegeben. 

Solodow zeigte auch ein Video von Ärzten, die in einem Operationsaal trotz schwerer ErschĂŒtterungen ihre Arbeit fortsetzten. «Solcher Mut verdient die höchste WertschĂ€tzung», sagte er. Solodow warnte vor der Gefahr von Nachbeben und mahnte zur Vorsicht.

Auf den Kurilen habe es vier Tsunami-Wellen gegeben, sagte Alexander Owsjannikow, Verwaltungschef im Kreis Sewero-Kurilsk auf der Insel Paramuschir. Das Wasser drang demnach 200 Meter ins Landesinnere ein. Die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti meldete unter Berufung auf EinsatzkrĂ€fte, dass die grĂ¶ĂŸte Welle bis zu fĂŒnf Meter hoch gewesen sei.

Nach Angaben des Zivilschutzes wurden der Hafen der Stadt Sewero-Kurilsk und ein Fischereiunternehmen dort teilweise ĂŒberflutet. Verletzte und bedeutende Zerstörungen gebe es nicht, sagte der Gouverneur der Region Sachalin, Waleri Limarenko, im Staatsfernsehen. 

Moskau zieht am Ende erleichtert Bilanz

Im Wesentlichen hĂ€tten die GebĂ€ude dem Beben standgehalten, teilte der russische Zivilschutz mit. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, dass sich die erdbebensichere Bauweise auf Kamtschatka bewĂ€hrt habe. Es gebe keine Opfer. Die FrĂŒhwarnsysteme hĂ€tten ordnungsgemĂ€ĂŸ funktioniert. Wo es Tsunami-Gefahr gegeben habe, seien die Menschen rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden, darunter auch 60 Urlauber an einem Strand.

Russische Experten hatten darauf hingewiesen, dass auf der fĂŒr ihre seismologischen AktivitĂ€ten berĂŒhmten Halbinsel seit langem ein solch schweres Erdbeben erwartet worden sei. Entsprechend seien die Vorbereitungen gewesen. 

Höhere Flutwellen vor Japans KĂŒsten - Fukushima-Ruine evakuiert

An Japans PazifikkĂŒste traf eine mehr als einen Meter hohe Flutwelle ein. In einem Hafen der nordöstlichen PrĂ€fektur Iwate sei eine 1,30 Meter hohe Welle registriert worden, berichteten lokale Medien. An der KĂŒste anderer PrĂ€fekturen wurden Flutwellen von bis zu 80 Zentimetern beobachtet. 

Die Behörden hatten Warnungen vor einem bis zu drei Meter hohen Tsunami ausgegeben. Der Norden Japans liegt dem Erdbebengebiet geografisch mit am nÀchsten. Mehr als zwei Millionen Menschen wurden aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen.

Der Betreiber der japanischen Atomruine Fukushima Daiichi forderte wegen der Tsunami-Warnung alle Arbeiter zur Evakuierung auf. Der Konzern Tokyo Electric Power (Tepco) bestÀtigte der «Japan Times», dass sich alle auf höher gelegenen Gebieten in Sicherheit gebracht haben. 

In dem Atomkraftwerk im Nordosten des Inselreichs war es am 11. MĂ€rz 2011 infolge eines schweren Erdbebens und gewaltigen Tsunamis zu mehreren Kernschmelzen gekommen, nachdem die KĂŒhlsysteme ausgefallen waren. 

In Japan beeintrĂ€chtigte die Tsunami-Warnung auch den Verkehr - und das wĂ€hrend der Hochsaison auslĂ€ndischer Touristen. Der Straßen-, Bahn- und Flugverkehr sei teils unterbrochen, Fabriken mussten ihren Betrieb einstellen, meldete die japanische Wirtschaftszeitung «Nikkei». 

USA von Hawaii ĂŒber Alaska bis Kalifornien im Alarmzustand

Auf dem zu den USA gehörenden Archipel Hawaii kamen mittlerweile erste Flutwellen an, die höchste erreichte laut dem Sender CNN 1,50 Meter. FĂŒr die Inselgruppe im Pazifik, die Tausende Kilometer vom Erdbebengebiet entfernt liegt, galt zeitweise eine ausgesprochene Tsunami-Warnung des staatlichen Tsunami-Warnzentrums. StrĂ€nde allen voran auf der grĂ¶ĂŸten Insel Hawaii - auch Big Island genannt - waren dort zuvor evakuiert worden.

Alle HĂ€fen wurden fĂŒr den Schiffsverkehr gesperrt. Die FlĂŒge von und nach Maui seien fĂŒr den Dienstagabend (Ortszeit) gestrichen worden, sagte Gouverneur Josh Green in einer Pressekonferenz. Etwa 200 Menschen hĂ€tten in einem Terminal Zuflucht gefunden. Die FlughĂ€fen seien bislang nicht von SchĂ€den betroffen. 

Entlang der US-WestkĂŒste wie etwa in Kalifornien warnten Behörden vor den Wellen und riefen Bewohner einiger KĂŒstenorte auf, sich in höhergelegene Gebiete zu begeben. Alaska stellte sich ebenfalls auf höhere Wellen ein, auch fĂŒr die kanadische WestkĂŒstenprovinz British Columbia galt besondere Vorsicht in KĂŒstennĂ€he. 

Auch Warnungen in anderen Weltregionen

Mehrere LĂ€nder Lateinamerikas mit KĂŒsten am Pazifik gaben ebenfalls Warnungen vor Flutwellen heraus, darunter etwa Mexiko, Guatemala, Ecuador, Peru und Chile. 

China und die Philippinen hoben am Nachmittag (Ortszeit) die Tsunami-Warnungen wieder auf. Indonesien meldete derweil kleinere Tsunamiwellen. Laut der indonesischen Behörde fĂŒr Meteorologie, Klimatologie und Geophysik (BMKG) erreichten sie aber eine Höhe von maximal 0,2 Metern. Zuvor hatten Tsunami-Warnungen fĂŒr mehrere östliche Provinzen wie etwa Nordsulawesi gegolten. In besonders gefĂ€hrdeten KĂŒstenregionen wurden vorsorglich Schulen geschlossen und Evakuierungen eingeleitet. 

Bei einem Tsunami muss die erste Welle nicht die heftigste sein. Das baut sich mitunter in Stufen auf. Falls es also zunĂ€chst unter einem Meter bleibt, ist damit noch keine Entwarnung verbunden, worauf auch die Behörden unermĂŒdlich hinweisen. 

In Asien kommen Erinnerungen an Tsunami von 2004 hoch

In der sĂŒdostasiatischen Region riefen die Tsunami-Warnungen bei sicher nicht wenigen Menschen schlimme Erinnerungen wach: Am 26. Dezember 2004 hatte ein gewaltiges unterseeisches Beben der StĂ€rke 9,1 vor der KĂŒste von Sumatra eine riesige Flutwelle ausgelöst. Neben Indonesien gab es damals auch zahlreiche Opfer in anderen LĂ€ndern, von Thailand ĂŒber Indien bis Tansania. Etwa 230.000 Menschen kamen ums Leben.

@ dpa.de