MutmaĂlicher SexualstraftĂ€ter «White Tiger» ist angeklagt
15.10.2025 - 15:09:13Ein junger Mann soll als «White Tiger» im Internet Kinder zu selbstverletzenden Handlungen bis hin zum Suizid getrieben haben - jetzt hat die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen ihn unter anderem wegen Mordes Anklage erhoben. Insgesamt werden dem heute 21-JĂ€hrigen aus Hamburg 204 Straftaten zur Last gelegt, die er als Jugendlicher oder Heranwachsender zum Nachteil von mehr als dreiĂig geschĂ€digten Kindern und Jugendlichen begangen haben soll.Â
VerdÀchtiger soll Kopf von Cyberkriminellen-Gruppe gewesen sein
Gegenstand der Anklage sind laut Staatsanwaltschaft unter anderem ein vollendeter und fĂŒnf versuchte Morde, jeweils verĂŒbt in mittelbarer TĂ€terschaft. Er soll einen US-amerikanischen Jungen ermordet haben.Â
«Zu den zunĂ€chst bekannten 123 Straftaten sind noch einmal 81 Taten hinzugekommen», sagte OberstaatsanwĂ€ltin Mia Sperling-Karstens der Deutschen Presse-Agentur. Hinzugekommen seien unter anderem zwei weitere Mordversuche an GeschĂ€digten, deren IdentitĂ€t noch nicht bekannt ist. Dies hĂ€tten die fortgefĂŒhrten Auswertungen der 2023 gesicherten Daten und die weiteren Ermittlungen ergeben.Â
«White Tiger» soll der Kopf einer Gruppe von Cyberkriminellen gewesen sein, die aus sexueller Motivation heraus Kinder im Alter von 11 bis 15 Jahren im Internet zu Gewalt gegen sich selbst gezwungen haben. Die angeklagten Taten sollen zwischen Januar 2021 und September 2023 begangen worden sein.Â
Dabei soll der Beschuldigte besonders verletzliche Kinder in sozialen Medien emotional von sich abhĂ€ngig gemacht haben, um die von ihm initiierte starke Verbundenheit fĂŒr strafrelevante Zwecke auszunutzen, unter anderem fĂŒr die
Erstellung kinder- und jugendpornografischer Aufnahmen.
Kinder stammen aus mehreren LĂ€ndern
Die Kinder stammen frĂŒheren Angaben der Ermittler zufolge aus Deutschland, England, Kanada und den USA. Ein 13 Jahre alter US-Amerikaner wurde demnach in den Suizid getrieben. Eine 14-jĂ€hrige Kanadierin habe versucht, sich umzubringen. Von den deutschen Opfern stammen den Behörden zufolge zwei aus Hamburg und eines aus Niedersachsen.
Um den Ansinnen des Beschuldigten nach immer heftiger werdenden Inhalten
nachzukommen, verletzten sich die Kinder in Livechats unter den Augen von Zuschauern selbst erheblich oder ĂŒbten sexuelle Handlungen an sich aus. Hiervon soll «White Tiger» Aufzeichnungen gefertigt haben, um den Kindern anschlieĂend mit deren Veröffentlichung zu drohen, sollten diese sich nicht noch gravierendere Selbstverletzungen vor laufender Kamera zufĂŒgen.
Festnahme in der elterlichen Wohnung
Der Deutsch-Iraner war im Sommer in Hamburg in der elterlichen Wohnung unter anderem wegen Mordverdachts festgenommen worden. Er sitzt im JugendgefĂ€ngnis auf der Elbinsel Hahnöfersand bei Jork in Niedersachsen in Untersuchungshaft. Zuvor hatte der mutmaĂliche SexualstraftĂ€ter zeitweise an einer privaten Hochschule Medizin studiert. FĂŒr den Fall der Eröffnung des Hauptverfahrens weist die Staatsanwaltschaft darauf hin, dass die Hauptverhandlung unter Ausschluss der Ăffentlichkeit stattfinden wird.
Die Hamburger Polizei hatte bereits im Jahr 2021 gegen den heute 21-JĂ€hrigen ermittelt. Damals ging es laut frĂŒheren Angaben der Staatsanwaltschaft um den Verdacht des Besitzes jugendpornografischer Aufnahmen. Die Ermittlungen seien jedoch nach einer Vernehmung des VerdĂ€chtigen wegen GeringfĂŒgigkeit eingestellt worden.Â
Das FBI hatte bereits 2023 seine Ermittlungsergebnisse mit den deutschen Behörden geteilt. Er habe das Landeskriminalamt bei einem Treffen in Hamburg im Februar 2023 ĂŒber die IdentitĂ€t von «White Tiger» informiert, hatte ein ehemaliger Ermittler der US-Bundespolizei dem «Spiegel» gesagt. Zugleich warf er den deutschen Behörden vor, es versĂ€umt zu haben, den damals 17 Jahre alten VerdĂ€chtigen zeitnah aus dem Verkehr zu ziehen.Â
US-Ermittler werfen deutschen Kollegen spĂ€te Festnahme vorÂ
«Es hat uns verrĂŒckt gemacht, dass wir ihnen all diese Beweismittel geliefert haben und er trotzdem nicht festgenommen wurde», hatte der Ex-Ermittler dem Magazin gesagt. SpĂ€testens im MĂ€rz 2023 habe er den deutschen Kollegen ein Video vom Suizid eines «White Tiger»-Opfers samt Chats zukommen lassen.Â
Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte das geschilderte Treffen in Hamburg bestĂ€tigt. Direkt nach dem Treffen sei ein Ermittlungsverfahren gegen «White Tiger» bei der Polizei eingeleitet worden - zunĂ€chst aber nur wegen des Vorwurfs des Umgangs mit kinderpornographischen Inhalten. Ein fĂŒr verdeckte Ermittlungen nötiger Tatverdacht des Mordes oder versuchten Mordes habe sich aus den vom FBI ĂŒberlassenen Unterlagen zunĂ€chst nicht ergeben, hieĂ es.


