Erin Patterson scheitert mit Berufung und bleibt lebenslang in Haft
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 04:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWSStrafmaà und Tatablauf im Fall Patterson
- Patterson lud Ende Juli 2023 ihre Ex-Schwiegereltern und ein befreundetes Ehepaar zum Mittagessen ein.
- Drei GĂ€ste starben nach dem Verzehr des mit Pilzen zubereiteten Beef Wellington an einer Vergiftung.
- Das Berufungsgericht schloss eine vorzeitige Haftentlassung aus; Patterson könnte im GefÀngnis sterben.
Berufungsgericht verschĂ€rft Haft fĂŒr Erin Patterson
Die Australierin Erin Patterson ist mit ihrer Berufung gegen die Verurteilung wegen dreifachen Mordes gescheitert. Zugleich war die Staatsanwaltschaft mit ihrem Antrag erfolgreich, eine spĂ€tere Entlassung aus dem GefĂ€ngnis auszuschlieĂen.
Tödliches Familienessen im Juli 2023
Patterson hatte Ende Juli 2023 ihre jeweils 70 Jahre alten Ex-Schwiegereltern sowie ein befreundetes Ehepaar im Alter von 66 und 68 Jahren zum Mittagessen eingeladen. Drei der GÀste starben kurze Zeit spÀter nach dem Verzehr eines mit Pilzen zubereiteten Beef Wellington an einer Vergiftung mit hochgiftigen KnollenblÀtterpilzen.
Ein Pastor, der ebenfalls am Tisch saĂ, ĂŒberlebte schwer erkrankt. Der wissenschaftlich Amanita phalloides genannte Pilz wird auch Todeskappe genannt und kann nach dem Verzehr extrem qualvolle, meist tödliche Vergiftungen verursachen.
Urteil und lebenslange Haft
Im Juli 2025 sprach eine Jury Patterson wegen dreifachen Mordes sowie wegen versuchten Mordes in einem weiteren Fall schuldig. Einige Wochen spĂ€ter wurde sie zu lebenslanger Haft mit einer MindestverbĂŒĂungsdauer von 33 Jahren verurteilt.
Die Mutter von zwei Kindern beteuerte stets ihre Unschuld. Sie erklĂ€rte, nicht gewusst zu haben, dass die verwendeten Pilze giftig waren, und bezeichnete den Tod der drei Menschen als UnglĂŒck.
Gericht weist EinwĂ€nde zurĂŒck
Die Verteidigung hatte unter anderem geltend gemacht, dass die Geschworenen wÀhrend des Prozesses im selben Hotel wie ein Polizeizeuge untergebracht gewesen seien. Die Richter sahen darin keinen Grund, an der Arbeit der Jury zu zweifeln.
Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen eine VerschĂ€rfung des StrafmaĂes beantragt. Sie hielt es fĂŒr unangemessen, dass Patterson nach 33 Jahren ĂŒberhaupt auf BewĂ€hrung freikommen könnte.
Richter spricht von geplanter Tat
Richter Stephen McLeish sagte, das Vorgehen sei sorgfĂ€ltig geplant und von einer aufwendigen Reihe von TĂ€uschungen begleitet gewesen. Die Tat sei auĂergewöhnlich kalt und berechnend gewesen, weshalb eine vorzeitige Haftentlassung nicht als Option zugelassen werden solle.
Patterson verfolgte die UrteilsverkĂŒndung per Video aus dem Hochsicherheitsbereich eines FrauengefĂ€ngnisses. Ihr bleibt noch der Gang vor den Obersten Gerichtshof Australiens; dafĂŒr mĂŒsste dieser jedoch zunĂ€chst einer weiteren Berufung zustimmen.
Der Fall Erin Patterson verbindet ein Familienessen mit einem seltenen, besonders schwer nachweisbaren Tatmittel. KnollenblÀtterpilze enthalten hochgiftige Amatoxine, die vor allem die Leber schÀdigen und zunÀchst Beschwerden auslösen können, die auch mit einer schweren Magen-Darm-Erkrankung verwechselt werden. Die medizinische Behandlung setzt deshalb hÀufig erst ein, wenn bereits erhebliche OrganschÀden bestehen.
Juristisch entscheidend war nicht allein der Nachweis der Vergiftung, sondern die Frage, ob Patterson die Pilze vorsĂ€tzlich eingesetzt hatte. Das Verfahren stĂŒtzte sich damit auf die Rekonstruktion eines privaten Essens, die Aussagen des ĂŒberlebenden Gastes und die Bewertung von Indizien. Das Berufungsgericht bestĂ€tigte nun die Verurteilung wegen dreifachen Mordes und verschĂ€rfte zugleich die Folgen bei der Strafvollstreckung.
Lebenslange Haft ohne regulÀre BewÀhrung
Die Entscheidung bedeutet fĂŒr Patterson, dass die bislang vorgesehene Möglichkeit einer Entlassung nach mindestens 33 Jahren entfĂ€llt. Eine weitere Anrufung des Obersten Gerichtshofs bleibt nach der Meldung zwar möglich, setzt aber dessen Zustimmung voraus. FĂŒr die Angehörigen der Getöteten endet damit ein langes Strafverfahren, wĂ€hrend der Fall wegen seiner ungewöhnlichen Tatgeschichte international weiter Aufmerksamkeit erhĂ€lt.
