Studie: Die klassische Geselligkeit verliert an Bedeutung
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 10:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie klassische Geselligkeit verliert nach einer neuen reprĂ€sentativen Umfrage fĂŒr viele Menschen in Deutschland an Bedeutung. Freunde zu treffen, sei zwar weiterhin die wichtigste soziale FreizeitaktivitĂ€t, jedoch sei ihr Wert gesunken, erklĂ€rt die Hamburger Stiftung fĂŒr Zukunftsfragen auf Grundlage ihres neuen «Freizeit-Monitors». Nur noch 19 Prozent der 3.000 im Juli befragten Menschen gaben an, sie seien regelmĂ€Ăig mit Freunden unterwegs. Vor 40 Jahren, bei der Befragung fĂŒr den ersten «Freitzeit-Monitor» der Stiftung, hatten noch 37 Prozent so geantwortet.Â
«Die klassische Geselligkeit verliert damit an Reichweite, wĂ€hrend soziale Kontakte stĂ€rker in individuell planbare und digitale Formen ĂŒbergehen», sagt der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt. Der Alltag werde dominiert von der Nutzung des Internets, dem Fernsehen, Musikhören und dem Handy.Â
KI als Freundeersatz
Orts- und zeitunabhĂ€ngig nutzbare Angebote verzeichneten besonders groĂe ZuwĂ€chse. 2016 gaben 52 Prozent der Befragten an, wenigstens einmal pro Woche Musik zu hören, jetzt sagten dies 82 Prozent. Videospiele steigerten sich in der Beliebtheit von 9 auf 33 Prozent, Social Media von 48 auf 71 Prozent.
KĂŒnstliche Intelligenz werde inzwischen von 42 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche genutzt, bei den 18- bis 24-JĂ€hrigen sind es sogar 62 Prozent. KI-Nutzung bedeute nicht bloĂe Informationsbeschaffung, sondern Lösung von Aufgaben. FĂŒr junge Leute sei sie Ratgeber, Quelle der BestĂ€tigung und Freundeersatz, sagte der Professor. Die Frage wurde in diesem Jahr erstmals gestellt.
Deutsche treiben mehr Sport
Dennoch sei Freizeit mehr als bloĂe Medienzeit, erklĂ€rt er. Die knapp vier Stunden, die den Deutschen an einem Werktag zur freien VerfĂŒgung stĂŒnden, nutzten sie der Befragung zufolge auch, um ihren Gedanken nachzugehen, GesprĂ€che ĂŒber wichtige Dinge zu fĂŒhren und Zeit mit dem Partner zu verbringen. Zum festen Wochenrhythmus gehöre auch das Faulenzen. Im Vergleich zu 2016 nahm das Nichtstun oder Chillen um 15 Prozentpunkte auf 62 Prozent zu.Â
Die Deutschen liegen heutzutage allerdings nicht hĂ€ufiger auf dem Sofa als vor 40 Jahren, ganz im Gegenteil. Der Sport hat deutlich an Bedeutung gewonnen. 1986 habe nicht einmal jeder FĂŒnfte (18 Prozent) ein Mal pro Woche Sport getrieben, heute seien mehr als die HĂ€lfte der Bevölkerung (53 Prozent) sportlich aktiv, erklĂ€rt die Stiftung.Â
Vereinskultur hÀlt sich
Beliebter als noch vor zehn Jahren sind Besuche in Freizeit- oder VergnĂŒgungsparks sowie in Museen und Kunstausstellungen. Auch Tierparks, Konzerte und Festivals haben an AttraktivitĂ€t zugelegt. In der Umfrage gewinnen sie jeweils 13 bis 15 Prozentpunkte hinzu. Diskotheken bĂŒĂen dagegen 11 Punkte an Anziehungskraft ein, Volksfeste 5 Punkte. Die Ausgehkultur habe sich verĂ€ndert. «Gesucht werden vor allem Freizeitformen, die eine lockere, spontane und eher kurzfristige Nutzung ermöglichen, anstatt an feste AnlĂ€sse, lĂ€ngere Abende und gemeinschaftliche Geselligkeit gebunden zu sein», sagt Reinhardt.
Gleichwohl haben die Vereinskultur und das Ehrenamt nicht an Beliebtheit verloren. In Sport-, Gesangs- und anderen Vereinen sind 18 Prozent der Befragten einmal pro Woche aktiv, genauso viele wie vor zehn Jahren. Ein Ehrenamt ĂŒben der Studie zufolge 12 Prozent regelmĂ€Ăig aus. Vor zehn Jahren hatten 10 Prozent diese Angabe gemacht, vor 40 Jahren nur 6 Prozent.
