Österreich, KriminalitĂ€t

Jugendliche missbrauchen Lehrerin – Haftstrafen in Wien

20.10.2025 - 22:13:12

Es begann mit einvernehmlichem Sex und endete mit Vergewaltigung, Erpressung und Brandstiftung. Die jungen Angeklagten erzÀhlen eine andere Version der Geschichte. Doch das Gericht glaubt dem Opfer.

Eine Lehrerin wurde in Österreich ĂŒber Monate von einer Gruppe von Jugendlichen bedroht, ausgenutzt und missbraucht. Am Ende der Gewaltserie stand die Wohnung der Frau in Flammen. Am Wiener Landesgericht wurden sechs Teenager zwischen 14 und 17 Jahren verurteilt - unter anderem wegen Erpressung, Diebstahls, Brandstiftung und verschiedener Sexualdelikte.

Die Vorsitzende Richterin verkĂŒndete GefĂ€ngnisstrafen von 3,5 Jahren und 3 Jahren fĂŒr zwei Hauptangeklagte. Über die anderen Angeklagten wurden Haftstrafen zwischen 4 und 18 Monaten verhĂ€ngt – teilweise als BewĂ€hrungsstrafen. Das Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig.

Es handle sich um «wirklich schwerste KriminalitÀt», sagte die StaatsanwÀltin in ihrem SchlussplÀdoyer. Die Anklageschrift lese sich «wie ein Drehbuch», meinte sie. Die Lehrerin habe zwar Fehlentscheidungen eingerÀumt, «die nicht immer gesellschaftlichen Vorstellungen entsprechen», doch angeklagt seien die Jugendlichen, sagte die AnklÀgerin.

Einvernehmlicher Sex mit Ex-SchĂŒler

Der Fall begann voriges Jahr mit einer einvernehmlichen sexuellen Beziehung: Die damals knapp 30-jĂ€hrige Lehrerin begann ein VerhĂ€ltnis mit einem Ex-SchĂŒler. Doch danach lernte die Frau die Freunde des damals 16-JĂ€hrigen kennen, die sich laut den Aussagen der Lehrerin als Mitglieder einer Gang bezeichneten.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie von einzelnen Mitgliedern der Gruppe vergewaltigt, sexuell genötigt und unter Drogeneinfluss in wehrlosem Zustand missbraucht wurde.

Explizite Aufnahmen als Druckmittel

Die Lehrerin sei auch mit Aufnahmen unter Druck gesetzt worden, auf denen sie bei sexuellen Handlungen und beim Drogenkonsum zu sehen gewesen sei, sagte die Richterin. So hĂ€tten die Jugendlichen der Frau Geld fĂŒr Suchtmittel, Tabak, Essen, GetrĂ€nke und Taxifahrten abgepresst.

Als die Lehrerin im vergangenen Januar im Urlaub war, legten einige der Teenager Feuer in ihrer Wohnung und stahlen WertgegenstÀnde. Ein Angeklagter habe in diesem Zusammenhang von einem «letzten Coup» gesprochen, weil er «keinen Bock mehr» auf die Frau gehabt habe, schilderte die StaatsanwÀltin. 

Keine Reue

Die Verurteilten zeigten vor Gericht keine Reue und kein MitgefĂŒhl gegenĂŒber ihrem Opfer. Sie rĂ€umten Eigentumsdelikte und Brandstiftung ein, bestritten aber Erpressung und sexuellen Missbrauch. Sie sprachen davon, dass sie gemeinsam mit der Frau Alkohol und Drogen konsumiert und auch einvernehmlichen Sex gehabt hĂ€tten. Doch die zwei Laien- und zwei Berufsrichter folgten den «absolut glaubwĂŒrdigen Aussagen» der Frau, wie die Vorsitzende Richterin erklĂ€rte.

Nur der siebte Angeklagte zeigte Empathie: «Es tut mir leid, was passiert ist», sagte er. Es handelte sich um jenen Teenager, mit dem die Lehrerin voriges Jahr ein einvernehmliches VerhÀltnis hatte. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, an Diebstahl in ihrer Wohnung beteiligt gewesen zu sein. Dies konnte jedoch vor Gericht nicht bewiesen werden - er wurde als Einziger freigesprochen.

@ dpa.de