Vulkanausbruch, Island

Vulkanausbruch auf Island - Das, was nicht geschehen sollte

15.01.2024 - 16:14:14 | dpa.de

Es sind selbst fĂŒr die vulkanerprobten IslĂ€nder dramatische Szenen, die sich in dem evakuierten Ort GrindavĂ­k abgespielt haben: Erstmals seit Jahrzehnten haben Lavamassen auf der Insel mehrere HĂ€user zerstört.

  • Menschen beobachten von Norden aus den Ausbruch des Vulkans in der NĂ€he von Grindavik. - Foto: Marco Di Marco/AP
    Menschen beobachten von Norden aus den Ausbruch des Vulkans in der NĂ€he von Grindavik. - Foto: Marco Di Marco/AP
  • Der Vulkan, der etwa 40 Kilometer sĂŒdwestlich der Hauptstadt ReykjavĂ­k liegt, war am Sonntagmorgen ausgebrochen. - Foto: Uncredited/Icelandic Civil Protection/AP/dpa
    Der Vulkan, der etwa 40 Kilometer sĂŒdwestlich der Hauptstadt ReykjavĂ­k liegt, war am Sonntagmorgen ausgebrochen. - Foto: Uncredited/Icelandic Civil Protection/AP/dpa
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Der Schock sitzt tief nach dem dramatischen Vulkanausbruch im SĂŒdwesten Islands. Zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert hat Lava auf der Nordatlantik-Insel auch HĂ€user erfasst und zerstört. «Das, von dem wir alle hofften, dass es nicht geschehen wĂŒrde, ist eingetreten», stellte der islĂ€ndische PrĂ€sident Gudni Th. JĂłhannesson in einer Rede an die Nation fest. Am Montag beruhigte sich die Lage in der NĂ€he des KĂŒstenortes GrindavĂ­k etwas.

Der erneute Vulkanausbruch auf einer Halbinsel sĂŒdwestlich von ReykjavĂ­k hatte am Sonntagmorgen begonnen. AngekĂŒndigt hatte er sich in den Stunden davor mit einer intensiven Erdbebenserie, dann trat glutrote Lava aus einem Hunderte Meter langen Erdspalt aus. In den Mittagsstunden tat sich dann eine weitere Kluft auf - und zwar direkt am nördlichen Stadtrand von GrindavĂ­k. Die Lavamassen erreichten die AuslĂ€ufer des Ortes, mindestens drei HĂ€user gingen in Flammen auf und wurden vollstĂ€ndig zerstört.

Nun ist Island durch AusbrĂŒche wie den am Vulkangletscher Eyjafjallajökull 2010 durchaus krisenerprobt. Doch diese Eruption ist die erste seit 1973, die Behausungen erfasste: PrĂ€sident JĂłhannesson erinnerte in seiner Rede am Sonntagabend an den damaligen Vulkanausbruch auf der Insel Heimaey, bei dem Lava und Asche zahlreiche HĂ€user zerstörten.

PrÀsident Jóhannesson spricht Landsleuten Mut zu

Um seinen Landsleuten Mut zu spenden, zitierte er den damaligen PrĂ€sidenten KristjĂĄn EldjĂĄrn, der sagte: «Es braucht fĂŒr die IslĂ€nder weniger als diese Katastrophe, um zu realisieren, dass diese kleine Nation mehr wie eine große Familie ist, die weiß, dass, was immer einem von uns geschieht, uns allen geschieht.»

Der 4000-Einwohner-Ort GrindavĂ­k liegt auf der Reykjanes-Halbinsel im SĂŒdwesten Islands, auf der es in den vergangenen Jahren immer wieder zu VulkanausbrĂŒchen kam. Dies ist die zweite Eruption in dem Gebiet innerhalb von vier Wochen und die fĂŒnfte seit 2021. GrindavĂ­k war schon bei dem Ausbruch Mitte Dezember in Mitleidenschaft gezogen worden - allerdings nicht durch die Lava, sondern durch etliche Erdbeben, die tiefe Risse in Straßen und andere SchĂ€den verursachten. Bereits damals wurde der Ort aus SicherheitsgrĂŒnden gerĂ€umt.

Am Montagnachmittag war auf Liveaufnahmen des Rundfunksenders RÚV zu sehen, dass weiterhin glĂŒhend heiße Lava aus der Erde sprudelte, allerdings bei Weitem nicht mehr so intensiv wie zu Beginn des Ausbruchs. Laut RÚV schien die vulkanische AktivitĂ€t weiter abzunehmen. Jedoch sagte eine Expertin fĂŒr Naturkatastrophen, LovĂ­sa Mjöll GudmundsdĂłttir, dem Sender zufolge, dass es schwierig sei, zu beurteilen, wie sich die Lage in dem Gebiet weiterentwickeln werde. Sie machte klar: Die Eruption ist noch nicht vorbei.

Keine Gefahr fĂŒr Menschenleben

Nach Angaben der islĂ€ndischen Regierung bestand keine Gefahr fĂŒr Menschenleben, weil GrindavĂ­k rechtzeitig in der Nacht vor der Eruption abermals evakuiert wurde. Auch der Flugverkehr von und nach Island ist demnach nicht beeintrĂ€chtigt.

Islands MinisterprĂ€sidentin KatrĂ­n JakobsdĂłttir sagte RÚV zufolge nach einer Kabinettssitzung am Montag, dass die Regierung daran arbeite, eine Lösung fĂŒr die Wohnsituation der evakuierten Einwohner von GrindavĂ­k zu finden. Die Blaue Lagune, ein vor allem bei Island-Touristen beliebtes Geothermalbad in der NĂ€he von GrindavĂ­k, wurde bis vorlĂ€ufig Dienstag geschlossen.

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