BKA: Knapp 17.200 Kinder wurden 2022 Opfer sexueller Gewalt
30.10.2023 - 12:48:18Im Jahr 2022 hat die Polizei in Deutschland knapp 17.200 Kinder unter 14 Jahren als Opfer sexueller Gewalt erfasst. In fast jedem siebten Fall seien die Opfer sogar jĂŒnger als sechs Jahre gewesen, teilt das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden mit.
In mehr als der HĂ€lfte der FĂ€lle kannten sich Opfer und TatverdĂ€chtige, weil sie beispielsweise miteinander verwandt sind oder in irgendeiner Art befreundet waren. AuĂerdem wurden 1211 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren als Opfer sexueller Gewalt gezĂ€hlt.
Insgesamt ermittelte die Polizei in rund 15.500 FĂ€llen, in denen die Opfer jĂŒnger als 14 Jahre alt waren. Diese Zahl liegt in etwa auf dem Niveau des Jahres 2021 (+0,1 Prozent). Etwa ein Viertel der Taten aus dem Jahr 2022 entfiel allein auf Nordrhein-Westfalen, wo einige gröĂere MissbrauchsfĂ€lle aufgedeckt wurden. Das BKA nannte als Beispiele die Ermittlungskomplexe zu LĂŒgde, Bergisch Gladbach und MĂŒnster.
Anstieg bei Kinderpornografie
Mehr FĂ€lle wurden 2022 erfasst bei den Ermittlungen zu Verbreitung, Erwerb und Besitz sogenannter kinder- und jugendpornografischer Inhalte. Diese Zahl stieg im Vorjahresvergleich um 7,5 Prozent auf rund 42.100 FĂ€lle.
Als Grund fĂŒr den Anstieg verwies das BKA unter anderem auf vermehrte Hinweise der US-amerikanischen Organisation National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) sowie «in der stark gestiegenen, oftmals unbedachten Verbreitung entsprechender Darstellungen durch Kinder und Jugendliche ĂŒber soziale Medien».
Faeser: «Kein TĂ€ter darf sich sicher fĂŒhlen»
Das BKA veröffentlichte erstmals ein Lagebild «Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen», in dem die bekannt gewordenen FĂ€lle des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen registriert sind. Das BKA geht fĂŒr das KriminalitĂ€tsfeld von einem noch weit höheren AusmaĂ aus. Die Zahl der aufgedeckten FĂ€lle hĂ€ngt unter anderem davon ab, wie hĂ€ufig sie angezeigt werden und wie intensiv die Polizei in diesem Bereich aktiv ist.
«Das Bundeslagebild zeigt deutlich das entsetzliche AusmaĂ von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche», sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). «Wir mĂŒssen alle Mittel des Rechtsstaats nutzen und optimieren, um junge Menschen besser zu schĂŒtzen. Kein TĂ€ter darf sich sicher fĂŒhlen, kein Opfer ohne Hilfe bleiben.» BKA-PrĂ€sident Holger MĂŒnch sagte, das neue Lagebild solle dazu beitragen, BekĂ€mpfungs- und PrĂ€ventionsstrategien passgenau entwickeln zu können.
Ăhnlich Ă€uĂerte sich Bundesfamilienministerin Lisa Paus. Die Fakten seien schwer zu ertragen, sagte die GrĂŒnen-Politikerin der dpa. «Zugleich zeigen sie: Wir brauchen starke Strukturen, die sich fĂŒr den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung einsetzen.» Daher werde sie das Amt der UnabhĂ€ngigen Beauftragten fĂŒr Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs auf eine gesetzliche Grundlage stellen. «ZusĂ€tzlich werden wir in den nĂ€chsten Wochen eine breite Sensibilisierungskampagne starten», sagte sie.


