FĂ€lle von Tierqual sorgen in China zunehmend fĂŒr Aufschrei
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 04:15 Uhr | dpa.deFĂ€lle grausamer TierquĂ€lerei sorgen in China seit einigen Wochen immer wieder fĂŒr öffentliche BestĂŒrzung bis hin zu seltenen Protesten. In dieser Woche begann die Polizei laut Medienberichten in Changzhou in der ostchinesischen Provinz Jiangsu gegen einen Mann zu ermitteln, nachdem in einem Park drei brutal misshandelte StraĂenkatzen entdeckt worden waren.Â
Weiter nördlich in der Provinz Shandong nahm die Polizei in Laizhou zwei MĂ€nner fest, die Katzen gestohlen haben sollen, wie die Behörde mitteilte. Laut dem Nachrichtenportal «Beijing News» hatten Freiwillige zuvor einen Lastwagen gestoppt, der Hunderte Katzen an Bord hatte, die in kleinen KĂ€figen auf engstem Raum verstaut worden waren, wie ein Video zeigte.Â
HĂŒndin vor laufender Kamera angezĂŒndet
In China sorgen solche FĂ€lle zunehmend fĂŒr Empörung. Seit Wochen hallt etwa der Fall um die StraĂenhĂŒndin «Wang Wang» nach. Ende Juni hatten vier Jugendliche in Jieyang in der sĂŒdchinesischen Provinz Guangdong gefilmt, wie sie die in der Nachbarschaft bekannte HĂŒndin mit Stöcken schlugen und sie anzĂŒndeten.Â
Die Lokalregierung teilte spĂ€ter mit, dass die vier unter 14-JĂ€hrigen in eine Sondererziehungseinrichtung ĂŒberstellt worden waren. Videos der Tat sind in Chinas staatlich kontrollierten sozialen Medien noch vereinzelt zu finden. Doch groĂe Staatsmedien wie das chinesische Staatsfernsehen berichteten nicht darĂŒber.Â
Lautere Rufe nach Tierschutz
Doch «Wang Wang» erscheint noch tĂ€glich, etwa auf Xiaohongshu, dem chinesischen Instagram, oder Weibo, Chinas Pendant zur Onlineplattform X. «Stoppt TierquĂ€lerei» war dort weiterhin neben KI-generierten Fotos von «Wang Wang» und zahlreichen BeitrĂ€gen mit UnverstĂ€ndnis ĂŒber die Tat zu lesen.Â
China hat bislang kein landesweites Tierschutzgesetz. Aktivisten fordern dies schon lĂ€nger. Wirtschaftliche Bedenken ĂŒber Auswirkungen fĂŒr die Viehzucht in der Landwirtschaft gelten laut Experten allerdings als HĂŒrden. Zwar gibt es Gesetze, etwa zum Schutz von Wildtieren. Haustiere gelten aber rechtlich als Eigentum, weshalb fĂŒr QuĂ€lerei keine Strafen, sondern zum Beispiel Schadenersatzforderungen drohen. Die Strafen fallen also gering aus, selbst wenn jemand ein Haustier tötet.
Im Mai hatte der Tod des in den sozialen Medien bekannten Border Collies «Chutou» in der zentralchinesischen Provinz Henan eine strafrechtliche Ermittlung wegen seines kommerziellen Wertes nach sich gezogen. Seinem Besitzer zufolge soll ein Mann den Hund gestohlen und an ein Restaurant verkauft haben, wo er schlieĂlich geschlachtet wurde.Â
Seltene Proteste in Chongqing
Dennoch könnte der Druck auf die Politik, mehr fĂŒr Tierschutz zu unternehmen, steigen. Zuletzt sorgten FĂ€lle von TierquĂ€lerei fĂŒr Unruhe in Teilen der Bevölkerung, worauf die chinesische Regierung in der Regel sehr empfindlich reagiert. Im Juni hatte ein Fall im sĂŒdwestchinesischen Chongqing international Schlagzeilen gemacht. Die Behörden nahmen einen Mann fest, dem sie vorwarfen, unter falschen Vorgaben Welpen adoptiert und diese dann missbraucht oder getötet zu haben.
Zuvor hatten Videos der Tat im Internet die Runde gemacht, woraufhin Hunderte Menschen vor dem Wohnhaus des 39-JĂ€hrigen demonstrierten. Dabei kam es auch zu ZusammenstöĂen mit der Polizei, wie auf Videos zu sehen war.Â
Haustiere wĂŒrden in vielen chinesischen Haushalten mittlerweile als Familienmitglieder angesehen, schrieb die US-Nichtregierungsorganisation Freedom House in ihrem jĂŒngsten Quartalsbericht zu Protesten in China. TierquĂ€lerei rufe in China heute starke Reaktionen hervor. Dennoch bestehe eine LĂŒcke im Recht gegen TierquĂ€lerei. «Diese LĂŒcke hat die öffentliche Empörung in Chongqing wahrscheinlich noch verstĂ€rkt», hieĂ es weiter.
