Felssturz an der Zugspitze: Permafrost löst groĂe Gesteinsmengen
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 13:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAn der Zugspitze hat sich auf der Tiroler Seite eine bislang unbekannte Menge Gestein gelöst und eine groĂe Staubwolke verursacht.
Abbruch setzt sich fort
Der am Dienstag begonnene Abbruch auf einem Kamm an der deutsch-österreichischen Grenze dauerte am Mittwoch an. âDa löst sich immer wieder wasâ, sagte der stellvertretende Bereitschaftsleiter Franz Dörfler von der Bergwacht Grainau. Zwischendurch sei immer wieder zu hören, dass weiteres Gestein nachkomme.
Wie viel Gestein bislang herabgestĂŒrzt ist, lĂ€sst sich noch nicht sagen. Die Abbruchstelle liegt hinter einem Grat und ist deshalb nur schwer einsehbar. VerstĂ€rkter Wind hatte am Dienstagnachmittag die weithin sichtbare Staubwolke verursacht.
Keine Verletzten und keine SchÀden
Nach Angaben der Bergwacht wurde bei dem Felssturz niemand verletzt. Wege und GebÀude seien von dem Abbruch nicht betroffen. Die Lage wird aus der Entfernung beobachtet, weil das Gebiet an der Abbruchstelle schwer zugÀnglich ist.
Permafrost als mögliche Ursache
Ăberraschend seien FelsabbrĂŒche an der Zugspitze inzwischen nicht mehr, die Dimension dieses Ereignisses sei jedoch ungewöhnlich, sagte Dörfler. Als Ursache nannte er den auftauenden Permafrost.
Fels- und BergstĂŒrze gehören wegen der natĂŒrlichen Erosion seit jeher zum Geschehen in den Alpen. In hohen Lagen ist das Gestein vielfach durch Frost und BlitzeinschlĂ€ge zerklĂŒftet. GroĂe Schutthalden und Felskare unterhalb steiler WĂ€nde zeugen von diesen Prozessen.
SteinschlagaktivitÀt nimmt zu
Permafrost besteht aus dauerhaft gefrorenem Boden, der neben den Polarregionen auch in hohen Gebirgslagen vorkommt. Mit steigenden Temperaturen schwindet dieser stabilisierende Faktor. Eine Studie aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Ergebnis, dass die SteinschlagaktivitÀt in alpinen Gebieten zunimmt, die vom Auftauen des Permafrosts und vom Gletscherschwund betroffen sind.
Nach Gewittern und Starkregen steigt zudem die Gefahr von Muren. FĂŒr das aktuelle Ereignis an der Zugspitze gibt es bislang keine Hinweise auf Verletzte oder SchĂ€den an der Infrastruktur.
Permafrost als natĂŒrlicher Halt
Permafrost bezeichnet dauerhaft gefrorenen Untergrund. In hochalpinen FelswĂ€nden wirkt das Eis in KlĂŒften wie ein Bindemittel: Es stabilisiert einzelne Blöcke und Grate. Taut dieser Untergrund auf, können sich vorhandene Risse leichter öffnen und Gestein kann sich lösen.
Der aktuelle Abbruch an der Zugspitze steht damit in einem gröĂeren Zusammenhang. In den Alpen treffen steigende Temperaturen, schwindender Permafrost und der RĂŒckzug von Gletschern auf bereits stark zerklĂŒftetes Gestein. Dadurch können sich natĂŒrliche Erosionsprozesse beschleunigen. FelsstĂŒrze sind zwar ein natĂŒrlicher Bestandteil der Gebirgsentwicklung, ihre HĂ€ufigkeit und GröĂe können sich unter verĂ€nderten klimatischen Bedingungen jedoch regional verĂ€ndern.
Bedeutung fĂŒr Wege und Bergbahnen
FĂŒr Besucher ist entscheidend, dass nach Angaben der Bergwacht bislang niemand verletzt wurde und Wege sowie GebĂ€ude nicht betroffen sind. Das unmittelbare Risiko konzentriert sich auf die schwer zugĂ€ngliche Abbruchstelle hinter dem Grat. Dass sich der Abbruch fortsetzt, erschwert eine genaue EinschĂ€tzung der bereits bewegten Gesteinsmenge.
FĂŒr alpine Infrastruktur bedeutet die Entwicklung langfristig einen höheren Beobachtungs- und Sicherungsbedarf. GefĂ€hrdete Felsbereiche lassen sich hĂ€ufig nur aus der Entfernung ĂŒberwachen; nach Starkregen, Gewittern und Phasen hoher Temperaturen kann die Gefahr zusĂ€tzlicher Bewegungen steigen. FĂŒr Wanderer und AusflĂŒgler bleibt deshalb wichtig, aktuelle Sperrungen und Hinweise vor Ort zu beachten und abgesperrte Bereiche nicht zu betreten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesspiegel: âKlimawandel: GroĂer Felssturz an der Zugspitzeâ (23.09.2026)
Der Bericht bestĂ€tige den Felssturz, die anhaltenden AbbrĂŒche und das Ausbleiben von SchĂ€den an Wegen oder GebĂ€uden. Er setze den Schwerpunkt auf den schwindenden Permafrost und hebe hervor, dass die genaue Gesteinsmenge wegen der schlechten ZugĂ€nglichkeit schwer einzuschĂ€tzen sei.
Spiegel: âDeutschlands höchster Berg: Bröselndes Gestein â groĂer Felssturz an der Zugspitzeâ (23.09.2026)
Der Artikel bestĂ€tige ebenfalls die ungewöhnliche Dimension des Abbruchs und die fehlende unmittelbare Gefahr fĂŒr Wege und GebĂ€ude. Anders als der Tagesspiegel stelle er die ErklĂ€rung ĂŒber den Permafrost besonders knapp in den Mittelpunkt; offen bleibe auch dort, wie viel Gestein tatsĂ€chlich abgestĂŒrzt sei.
Beide Berichte seien sich darin einig, dass der Vorgang an der Zugspitze ohne Verletzte und ohne bekannte SchĂ€den verlaufen sei. Unterschiede gebe es vor allem bei der Schwerpunktsetzung: WĂ€hrend der eine Beitrag die klimatische Einordnung ausfĂŒhrlicher betone, konzentriere sich der andere stĂ€rker auf die Beobachtung der schwer einsehbaren Abbruchstelle.
