Festival, Schweiz

Filmfestival Locarno: Regisseurin Stever mit Preischancen

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 14:36 Uhr | dpa.de

Zur Halbzeit des 79. Filmfestivals Locarno liegen eine deutsch-ukrainische und eine französisch-indische Ko-Produktion besonders gut im Rennen um eine der begehrten Auszeichnungen.

  • Die deutsche Regisseurin Stever darf auf eine Ehrung beim 79. Filmfestival von Locarno hoffen. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
    Die deutsche Regisseurin Stever darf auf eine Ehrung beim 79. Filmfestival von Locarno hoffen. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
  • Das Festival findet in Locarno statt. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
    Das Festival findet in Locarno statt. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
  • Im Freiluftkino des Filmfestivals von Locarno finden bis zu 9.000 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
    Im Freiluftkino des Filmfestivals von Locarno finden bis zu 9.000 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
  • Regisseurin Isabelle Stever (links) blickt mit ihrer ukrainischen Drehbuchautorin Anna Melikova hinter die Bilder des Ukraine-Krieges. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
    Regisseurin Isabelle Stever (links) blickt mit ihrer ukrainischen Drehbuchautorin Anna Melikova hinter die Bilder des Ukraine-Krieges. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
Die deutsche Regisseurin Stever darf auf eine Ehrung beim 79. Filmfestival von Locarno hoffen. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa Das Festival findet in Locarno statt. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa Im Freiluftkino des Filmfestivals von Locarno finden bis zu 9.000 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa Regisseurin Isabelle Stever (links) blickt mit ihrer ukrainischen Drehbuchautorin Anna Melikova hinter die Bilder des Ukraine-Krieges. - Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Die deutsche Regisseurin Isabelle Stever («Das Wetter in geschlossenen RÀumen») darf auf eine Ehrung beim 79. Internationalen Filmfestival Locarno hoffen. Ihr als deutsch-ukrainische Gemeinschaftsproduktion realisiertes Drama «I Rarely Wake Up Dreaming» («Ich wache selten trÀumend auf») hat in der ersten Festival-Halbzeit einen besonders starken Eindruck hinterlassen.

Isabelle Stever blickt zusammen mit ihrer ukrainischen Drehbuchautorin Anna Melikova hinter die Bilder des Ukraine-Krieges, die tagtĂ€glich in aller Welt in den Nachrichten erscheinen. Sie erzĂ€hlen die Liebesgeschichte von Olya und Oleh. Das Miteinander des Paares muss schon allein deshalb manche HĂŒrde ĂŒberwinden, weil Oleh gerade eine Umwandlung von einer weiblichen zu einer mĂ€nnlichen IdentitĂ€t durchmacht. Dazu stĂ¶ĂŸt das Kriegsgeschehen die beiden in existenzielle Konflikte. Es ist fraglich, ob ihre GefĂŒhle fĂŒreinander das auf Dauer aushalten.

Film durchbricht traditionelle Muster 

Neben der eindeutigen Absage an jegliche Art von Gewalt besticht der Film dadurch, dass er ohne SentimentalitĂ€t traditionelle Muster von MĂ€nnlichkeit und Weiblichkeit beleuchtet. Die IntensitĂ€t der Story und des Spiels der ukrainischen Laiendarsteller Tania Myronyshena und Markus Bright in den Hauptrollen sorgt fĂŒr eine große Wahrhaftigkeit. Dabei weist die Auseinandersetzung mit Problemen der Selbstverwirklichung in modernen bĂŒrgerlichen Gesellschaften weit ĂŒber die Geschichte von Olya und Oleh hinaus. Viele in Locarno sehen «I Rarely Wake Up Dreaming» schon jetzt als Kandidat fĂŒr eine Auszeichnung.

Stark beachtet wurde daneben das französisch-indische Episodendrama «Rehmat» («MitgefĂŒhl»). Auch dieser Film des indischen Regisseurs Gurvinder Singh bekam viel Beifall. In einem leisen, fast mĂ€rchenhaften Ton wird in drei ineinander verwobenen Storys von Menschen in der im Jahre 1947 anlĂ€sslich der UnabhĂ€ngigkeit Indiens aufgeteilten Provinz Punjab erzĂ€hlt. Die Folgen der damaligen politischen Entscheidung prĂ€gen noch heute den Alltag, sorgen fĂŒr Furcht, Hass, Intoleranz.

Vorurteilsfrei aufeinander zuzugehen 

Das eindringliche Drama fokussiert nicht auf die dunklen Seiten des historischen Erbes, sondern auf Möglichkeiten des Miteinanders. Ohne falsches Pathos wird gezeigt, wie wichtig es sein kann, vorurteilsfrei aufeinander zuzugehen und einander zuzuhören. In dem bisher vor allem von dĂŒsteren Gesellschaftsbildern geprĂ€gten Wettbewerb nimmt auch dieser Film fĂŒr sich ein, weil er ĂŒberzeugend und fesselnd den Glauben an schlichte Menschlichkeit feiert.

Davon ist in «Ich ist ein Anderer» vom deutschen Regisseur Felix Randau («Der Mann aus dem Eis») nichts zu spĂŒren. In dem Kammerspiel steht eine historische Figur im Zentrum: Felix Kersten (1898 - 1960), der Masseur des ReichsfĂŒhrers SS Heinrich Himmler, einem der Massenmörder des faschistischen Terrorregimes in Deutschland zwischen 1933 und 1945. Kersten hat sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Retter zahlreicher Juden und KZ-HĂ€ftlinge dargestellt. Bis heute ist nicht klar, ob seine Behauptungen stimmen oder nicht.

Vernunft und Respekt auch in hÀrtesten Kontroversen 

Der Film geht nicht der Frage nach, was wahr ist und was nicht. In einem geistigen Duell zwischen einer fiktiven Journalistin (Valerie Pachner) und Kersten (Claes Bang) geht es um die Grundsatzfrage, wie Menschen entgegengesetzter Haltungen einander begegnen können, ohne aufeinander loszugehen. Damit hat der Film eine deutliche AktualitĂ€t. Claes Bang hat diesen Aspekt zur PrĂ€sentation des Films in Locarno betont. Er sagte, ihm sei es wichtig zu zeigen, dass Hass und SchmĂ€hungen nie nĂŒtzlich sind, sondern immer zu Katastrophen fĂŒhren, dass Vernunft und Respekt auch in hĂ€rtesten Kontroversen die Oberhand behalten.

Eine Chance auf den Goldenen Leopard hat «Ich ist ein Anderer» nicht, der Film lief außerhalb des Wettbewerbs in einer der FreiluftauffĂŒhrungen auf der Piazza Grande von Locarno. Bis zu 9.000 Zuschauer finden in dem Freiluftkino Platz. Hier werden dann auch der Goldene Leopard und die anderen Auszeichnungen am Abend des 15. August verliehen.

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