BrÀnde, Schere

Die BrÀnde von LA und die Schere zwischen Arm und Reich

12.01.2025 - 08:00:37

Frei nach George Orwell und «Animal Farm»: Vor dem Feuer sind alle gleich, aber manche gleicher. Die krassen GegensÀtze von Arm und Reich in LA spielen auch bei der Feuerkatastrophe eine Rolle.

  • An vielen Orten, wo das Feuer nicht mehr lodert, kehren Menschen zu den TrĂŒmmern ihrer HĂ€user zurĂŒck, um in Bergen aus Asche und Schrott nach Überresten aus ihrem Leben zu suchen.  - Foto: Jae C. Hong/AP/dpa

    Jae C. Hong/AP/dpa

  • Ein mit Löschmittel bedecktes teures Auto in Los Angeles. - Foto: Eric Thayer/AP/dpa

    Eric Thayer/AP/dpa

  • Der besonders betroffene Stadtteil Pacific Palisades gehört zu den wohlhabendsten Vierteln von LA.  - Foto: John Locher/AP/dpa

    John Locher/AP/dpa

  • SchĂ€tzungen zufolge könnten die SchĂ€den und wirtschaftlichen Verluste in dreistellige Milliarden-Höhe gehen. Das liegt auch daran, dass die Flammen zum Teil durch Nachbarschaften ziehen, in denen HĂ€user durchschnittlich mehrere Millionen Dollar kosten.  - Foto: Qiu Chen/XinHua/dpa

    Qiu Chen/XinHua/dpa

  • Ehrenamtliche versorgen Opfer des Feuers in Kalifornien, darunter Schauspielerin Jennifer Garner (links) und die Kongressabgeordnete Sydney Kamlager Dove. - Foto: Amy Katz/ZUMA Press Wire/dpa

    Amy Katz/ZUMA Press Wire/dpa

An vielen Orten, wo das Feuer nicht mehr lodert, kehren Menschen zu den TrĂŒmmern ihrer HĂ€user zurĂŒck, um in Bergen aus Asche und Schrott nach Überresten aus ihrem Leben zu suchen.  - Foto: Jae C. Hong/AP/dpaEin mit Löschmittel bedecktes teures Auto in Los Angeles. - Foto: Eric Thayer/AP/dpaDer besonders betroffene Stadtteil Pacific Palisades gehört zu den wohlhabendsten Vierteln von LA.  - Foto: John Locher/AP/dpaSchĂ€tzungen zufolge könnten die SchĂ€den und wirtschaftlichen Verluste in dreistellige Milliarden-Höhe gehen. Das liegt auch daran, dass die Flammen zum Teil durch Nachbarschaften ziehen, in denen HĂ€user durchschnittlich mehrere Millionen Dollar kosten.  - Foto: Qiu Chen/XinHua/dpaEhrenamtliche versorgen Opfer des Feuers in Kalifornien, darunter Schauspielerin Jennifer Garner (links) und die Kongressabgeordnete Sydney Kamlager Dove. - Foto: Amy Katz/ZUMA Press Wire/dpa

Stadt der Engel, Stadt der GegensĂ€tze: Der Großraum Los Angeles ist nicht einfach eine Stadt, sondern eine Welt fĂŒr sich. Luxus und Elend existieren hier Seite an Seite - auch im Angesicht der aktuellen Feuerkatastrophe.

Los Angeles, das ist im normalen Alltag schon der Gegensatz von Luxus-Shoppingmeile Rodeo Drive in Beverly Hills und dem Downtown-Viertel Skid Row, in dem Zehntausende Obdachlose leben. 

Einerseits steht Los Angeles fĂŒr Hollywood, Glamour, Promis und Protz. Andererseits hat LA die zweithöchste Obdachlosenquote im ganzen Land. Riesiger Reichtum und bittere Armut liegen nah beieinander. Dieser Gegensatz fĂŒhrt mit Blick auf die Feuerkatastrophe jetzt auch zu moralischen Debatten.

Suche nach privaten Feuerwehrleuten

Der Sender CNN berichtete von einem Immobilienmanager aus LA, der ĂŒber soziale Medien nach privaten Feuerwehrleuten gesucht habe. «Zahle jede Summe», zitierte der Sender aus dem inzwischen gelöschten Post. Das löste heftige Reaktionen in sozialen Medien aus. «Wessen Haus gerettet wird, sollte nicht von seinem Bankkonto abhĂ€ngen», zitierte CNN einen TikTok-Nutzer. 

Tausende GebÀude wurden durch das Feuer zerstört oder beschÀdigt. SchÀtzungen zufolge könnten die SchÀden und wirtschaftlichen Verluste in dreistellige Milliarden-Höhe gehen. Das liegt auch daran, dass die Flammen zum Teil durch Nachbarschaften ziehen, in denen HÀuser durchschnittlich mehrere Millionen Dollar kosten. Der besonders betroffene Stadtteil Pacific Palisades gehört zu den wohlhabendsten Vierteln von LA. 

Viele Stars bekunden ihre SolidaritÀt mit den Betroffenen oder packen bei Hilfsaktionen mit an, darunter etwa die Schauspielerin Jennifer Garner, die Essen verteilte. 

Kritik an den Klagen reicher Stars

Einige Prominente mussten selbst ihre HĂ€user verlassen oder verloren sie schon. Paris Hilton schrieb auf sozialen Medien, sie habe aus der Ferne im Fernsehen mit ansehen mĂŒssen, wie ihr Haus in Malibu bis auf die Grundmauern abbrannte. SpĂ€ter postete sie ausfĂŒhrlich Bilder von den Überresten des Hauses. SĂ€nger Bill Kaulitz dokumentierte in einer Instagram-Story, wie sein Haus in den Hollywood Hills evakuiert wurde. Auf den Bildern waren seine gepackten Luxuskoffer zu sehen. 

Einige Nutzer im Internet stören sich an Klagen reicher Stars, die zum Teil weitere Wohnsitze haben und durch solch eine Katastrophe nicht um ihre wirtschaftliche Existenz bangen mĂŒssen. 

Besondere Kritik bekam die Schauspielerin und SĂ€ngerin Mandy Moore ab, die im vom Brand schwer getroffenen Vorort Altadena lebt. Sie zeigte auf Instagram Bilder ihrer komplett zerstörten Nachbarschaft. Ihr Haus stehe wie durch ein Wunder zum Großteil noch, schrieb sie. Außerdem teilte sie eine Spenden-Seite fĂŒr ihren Schwager und dessen Familie, was viele mit Blick auf das mutmaßliche Vermögen der Schauspielerin als scheinheilig kritisierten.

«Die Ereignisse sind verheerend, aber Naturkatastrophen ereignen sich immer wieder, und meistens treffen sie Menschen, die keine Millionen auf der Bank haben», schrieb eine Nutzerin auf Instagram unter einen Post von Moore. Der Kommentar wurde hundertfach gelikt. 

Moore reagierte angefasst auf die Kritik. Ein Freund habe die Spendensammlung ins Leben gerufen, schrieb sie. «Und ich teile sie, weil Leute gefragt haben, wie sie ihnen helfen können. Wir haben auch gerade den grĂ¶ĂŸten Teil unseres Lebens bei einem Feuer verloren. Also verpi
 euch bitte. Niemand zwingt euch, irgendetwas zu tun.»

Die Sorgen der anderen

Gleichzeitig werden jeden Tag neue Schicksale von NormalbĂŒrgern aus den Feuergebieten bekannt. Eine Großfamilie verlor gleich mehrere HĂ€user im «Eaton Fire». Acht HĂ€user von Onkel, Tanten und Cousins der Williams-Familie, die in LaufnĂ€he zueinander lagen, brannten komplett nieder. Nun haben sie alle kein Zuhause mehr und sind vorerst in einem Hotel in Sherman Oaks nordwestlich von LA untergekommen, wo es kostenlos Zimmer fĂŒr Betroffene der BrĂ€nde gibt. 

Eine der Frauen aus der Großfamilie berichtete dem Lokalsender KTLA 5 News von dem Moment, als sie ihr niedergebranntes Haus zum ersten Mal sah: «Es war einfach unglaublich. (...) Das kann man sich gar nicht vorstellen. Es hat sich angefĂŒhlt wie im Krieg», sagte sie. «Das war mein Haus und das Einzige, was noch steht, ist mein Tor.» 

An vielen Orten, wo das Feuer nicht mehr lodert, stehen unglĂ€ubige Menschen wie sie vor den TrĂŒmmern ihrer HĂ€user, suchen in Bergen aus Asche und Schrott nach Überresten aus ihrem Leben. Manche verlieren durch das Feuer nicht ihr Zuhause, sondern ihren Arbeitsplatz oder ihre wirtschaftliche Existenz, weil auch Restaurants, CafĂ©s oder LĂ€den zerstört werden. 

Manche mĂŒssen zittern, ob ihre Versicherung fĂŒr die SchĂ€den aufkommt. Wie US-Medien berichten, hatten einige große Anbieter bereits im vergangenen FrĂŒhjahr wegen des hohen Waldbrandrisikos den Versicherungsschutz in den nun betroffenen Gebieten eingeschrĂ€nkt und fĂŒr bestimmte Neubauten ganz zurĂŒckgezogen. Somit könnten manche Hausbesitzer ohne ausreichenden Versicherungsschutz dastehen. Andere haben erst gar keine Versicherung.

Geeint im Schmerz

Manche verlieren aber auch das Kostbarste: geliebte Menschen. Mindestens sechzehn Menschen sind Behörden zufolge bislang durch die Feuer ums Leben gekommen. Die Zahl könnte steigen, sobald zerstörte Gebiete ausgiebig durchsucht werden. 

Und hier sind vor dem Feuer plötzlich wieder alle gleich. Der Schmerz, einen Menschen zu verlieren, ist fĂŒr alle gleich groß - egal, ob arm oder reich. Ebenso der Kummer ĂŒber verlorene Erinnerungen in einem Zuhause, die sich mit Geld nicht aufwiegen lassen.

@ dpa.de