Serie mutmaĂlicher Gruppenvergewaltigungen entsetzt Mallorca
17.08.2023 - 16:46:28Die Schreckensnachricht kam diesmal nicht aus dem Ballermann, sondern aus der Urlauberhochburg Magaluf: Auf Mallorca soll wieder eine sehr junge Frau von mehreren Touristen zum Sex gezwungen worden sein. Vor etwa einem Monat waren es Besucher aus Deutschland, die wegen einer mutmaĂlichen Gruppenvergewaltigung am Ballermann in Untersuchungshaft genommen wurden.
Wenige Tage spĂ€ter waren es dann zwei Iren in dem vor allem bei Briten beliebten Ferienort Magaluf. Und nun fĂŒnf Franzosen und ein Schweizer, wieder in Magaluf. Diese sechs VerdĂ€chtigen, alle Anfang 20, sitzen jetzt ebenfalls in U-Haft, wie die Polizeieinheit Guardia Civil auf Anfrage bestĂ€tigte.
Auf der spanischen Urlaubsinsel ist die Empörung ob der vielen Aufsehen erregenden FĂ€lle inzwischen riesig. Eine solche Serie von mutmaĂlichen Gruppenvergewaltigungen hatte es auf Mallorca, so weit man sich dort erinnern kann, in der jĂŒngeren Vergangenheit nicht gegeben. Im vorigen Jahr war auf des Deutschen liebster Insel und den anderen Balearen bereits ein Anstieg der Vergewaltigungen im Vergleich zu 2021 um gut 70 Prozent auf 111 FĂ€lle offiziell verzeichnet worden.
Mehr Tourismus - mehr KriminalitÀt
Immer mehr Mallorquiner beklagen, dass es im Zuge des wachsenden Tourismus generell mehr KriminalitĂ€t gebe. Also nicht nur mehr Vergewaltigungen, sondern auch mehr DiebstĂ€hle, mehr SchlĂ€gereien, mehr Zerstörungen. Aber die mutmaĂlichen Gruppenvergewaltigungen sind von einem ganz anderen Kaliber. Auf den sozialen Netzwerken forderten User am Donnerstag nach dem jĂŒngsten Fall vor allem mehr Polizei auf den StraĂen und eine BeschrĂ€nkung der Touristenzahlen, um zu verhindern, dass «die KriminalitĂ€t aus anderen LĂ€ndern zu uns kommt». Nötig sei vor allem «eine harte Hand, eine sehr harte Hand», schrieb User Jagobi auf der Plattform X, vormals Twitter.
Die Empörung erreichte unterdessen auch den balearischen Regierungspalast in Palma. «Wir wollen nicht, dass sich solche Ereignisse auf den Balearen wiederholen», schrieb auf X die neue konservative RegionalprĂ€sidentin Marga Prohens. Prohens erklĂ€rte sich solidarisch mit dem Opfer der jĂŒngsten mutmaĂlichen Tat.
Der Fall, der das Fass fĂŒr viele zum Ăberlaufen brachte, ereignete sich am frĂŒhen Montagmorgen. Die sechs VerdĂ€chtigen sollen das Opfer bei einer Party kennengelernt haben. Die 18-jĂ€hrige Britin sei den bisherigen Erkenntnissen zufolge zunĂ€chst freiwillig aufs Hotelzimmer der Gruppe gegangen. Dort soll sie allerdings gegen ihren Willen zum Sex gezwungen worden sein. Die Tat sei von den mutmaĂlichen TĂ€tern gefilmt worden. Wenig spĂ€ter seien diese festgenommen worden, hieĂ es. Nach einem Bericht der Regional-Zeitung «Ăltima Hora» wurde die Untersuchungshaft bereits am Dienstagabend von der zustĂ€ndigen Ermittlungsrichterin angeordnet.
Ermittlungen laufen
Unterdessen laufen in Palma die Ermittlungen gegen die fĂŒnf jungen MĂ€nner aus Nordrhein-Westfalen weiter, die wegen des Vorwurfs der Gruppenvergewaltigung Mitte Juli in U-Haft genommen worden waren. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur kommen sie aus dem MĂ€rkischen Kreis im Sauerland. Den VerdĂ€chtigen drohen auf der Insel eine lange U-Haft und bei Verurteilung Freiheitsstrafen von bis zu zwölf Jahren. Es besteht aber die Möglichkeit, dass sie bis zur Eröffnung eines Prozesses auf Kaution und unter Auflagen auf freien FuĂ gesetzt werden und in die Heimat zurĂŒckfliegen dĂŒrfen.
Die Touristen im Alter zwischen 21 und 23 Jahren werden beschuldigt, eine noch jĂŒngere Urlauberin aus Deutschland, die einer von ihnen am Ballermann am Strand kennengelernt hatte, im Hotel zum Sex gezwungen oder dabei tatenlos zugeschaut zu haben. Ein sechster Angehöriger der deutschen Freundesgruppe war freigekommen. Auch in diesem Fall hat einer der VerdĂ€chtigen nach Angaben der Polizei die Tat mit seinem Handy gefilmt.
In spanischen Medien wurden die MĂ€nner als «Manada alemana» bezeichnet, als «deutsches Rudel». Damit wurde eine Parallele zu einer Gruppenvergewaltigung in Pamplona gezogen. 2016 hatten fĂŒnf junge MĂ€nner eine junge Frau in einem Hauseingang vergewaltigt und dabei gefilmt. Ein zunĂ€chst mildes Urteil gegen diese als «Manada» bezeichneten MĂ€nner löste Proteste im ganzen Land aus. In der Folge wurde das Sexualstrafrecht geĂ€ndert. Das neue «Nur Ja heiĂt Ja»-Gesetz fĂŒhrte jedoch unerwartet zur vorzeitigen Haftentlassung vieler Sexualverbrecher und stĂŒrzte die Regierung in eine Krise.





