Geburtenzahlen, Demografie Deutschland

Geburten in Deutschland sinken 2025 auf rund 654.000

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
2025 kamen in Deutschland rund 654.000 Kinder zur Welt, elf Prozent weniger als zehn Jahre zuvor. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft erwartet wegen der sinkenden Zahl potenzieller Mütter bis 2035 keine schnelle Trendwende.

Geburtenrückgang prägt Deutschlands Demografie

  • 2025 wurden in Deutschland rund 654.000 Kinder geboren.
  • Die Zahl der Frauen zwischen 25 und 39 Jahren soll bis 2035 um 10,2 Prozent sinken.
  • Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau lag 2025 bei 1,32.
Die Zahl der potenziellen Mütter ist ein entscheidender Wert. (Symbolbild) - Bild: Annette Riedl/dpa

Deutschland erwartet weiter sinkende Geburtenzahlen

In Deutschland sind 2025 so wenige Kinder geboren worden wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft erwartet wegen der schrumpfenden Zahl potenzieller Mütter bis 2035 keine rasche Erholung.

654.000 Geburten im vergangenen Jahr

2025 kamen bundesweit rund 654.000 Kinder zur Welt. Das waren rund elf Prozent weniger als zehn Jahre zuvor.

Besonders stark war der Rückgang in den ostdeutschen Flächenländern: Dort sank die Zahl der Geburten binnen zehn Jahren um ein Drittel. Bei Müttern mit deutschem Pass betrug der Rückgang mehr als 40 Prozent. Im Westen fiel er mit sechs bis acht Prozent deutlich schwächer aus.

Weniger Frauen im typischen Alter

Der IW-Experte Wido Geis-Thöne führt die Entwicklung auf zwei Faktoren zurück: die Zahl potenzieller Eltern und die Häufigkeit, mit der sie sich für Kinder entscheiden. Frauen bekommen Kinder demnach meist im Alter zwischen 25 und 39 Jahren.

Die Zahl der Frauen in dieser Altersgruppe dürfte bis 2035 bundesweit um 10,2 Prozent gegenüber 2025 sinken. Geis-Thöne stützt sich dabei auf Daten aus der Bevölkerungsvorausberechnung. Er hält sogar einen stärkeren Rückgang für möglich, weil die bisherigen Annahmen zur Migration zu positiv sein könnten.

Osten und Westen entwickeln sich unterschiedlich

Für Ostdeutschland erwartet die Studie zunächst einen weiteren Rückgang der Zahl junger Frauen. Ab 2030 könnte sie dort langsam wieder steigen. Im Westen dürfte die Zahl dagegen über 2035 hinaus kontinuierlich sinken.

Zusätzlich sank die durchschnittliche Kinderzahl je Frau 2025 laut Statistischem Bundesamt auf 1,32. Das war der niedrigste Wert seit rund 30 Jahren.

Forderung nach besserer Betreuung

Um den Rückgang zu bremsen, müsse die Politik Eltern die Entscheidung für Kinder erleichtern, schreibt Geis-Thöne. Besonders die Übergänge zum dritten und zu weiteren Kindern seien relevant.

Der Familienpolitikexperte fordert bessere Unterstützungsangebote, vor allem bei der Betreuung. Leistungen für Familien dürften nicht gekürzt werden.

Die Entwicklung der Geburtenzahlen hängt nicht allein davon ab, wie viele Kinder sich Menschen wünschen. Entscheidend ist auch, wie groß die Gruppe der Frauen in den typischen Altersjahren für Familiengründungen ist. Wenn diese Gruppe schrumpft, kann selbst eine stabile Kinderzahl je Frau zu weniger Geburten insgesamt führen.

Die Studie verweist damit auf einen demografischen Effekt, der sich nur langsam verändert. Frauen, die bis 2035 zwischen 25 und 39 Jahre alt sind, sind bereits geboren; kurzfristige politische Maßnahmen können ihre Zahl nicht wesentlich erhöhen. Migration kann den Rückgang abschwächen, doch der Studienautor hält die bisherigen Annahmen dazu für möglicherweise zu optimistisch.

Unterschiede zwischen Ost und West

Besonders stark fällt der Rückgang in den ostdeutschen Flächenländern aus. Dort treffen sinkende Jahrgangsstärken auf regionale Abwanderung und eine geringere Zahl potenzieller Mütter. Der erwartete langsame Wiederanstieg ab 2030 würde die Entwicklung dort allenfalls teilweise ausgleichen.

Im Westen dürfte die Zahl der Frauen zwischen 25 und 39 Jahren dagegen länger kontinuierlich sinken. Das macht deutlich, dass niedrige Geburtenzahlen nicht nur ein ostdeutsches oder ländliches Problem sind, sondern auch westdeutsche Ballungsräume und ihre Infrastruktur betreffen können.

Folgen für Familien und Politik

Für Eltern und Paare bleibt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein zentraler Faktor. Verlässliche Betreuung, ausreichender Wohnraum und planbare finanzielle Unterstützung können die Entscheidung für ein weiteres Kind erleichtern. Der in der Studie besonders hervorgehobene Übergang zum dritten oder vierten Kind betrifft dabei eine kleinere, aber für die Geburtenentwicklung wichtige Gruppe.

Die Folgen reichen über die Familienpolitik hinaus. Weniger junge Menschen bedeuten perspektivisch weniger Nachwuchs für Schulen, Ausbildung und Arbeitsmarkt, während der Anteil älterer Menschen weiter wächst. Familienpolitische Maßnahmen können den demografischen Trend nicht kurzfristig umkehren, aber sie können verhindern, dass sich strukturelle Hürden zusätzlich verstärken.

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