Schuhen, Gewalt

Mit roten Schuhen gegen Gewalt an Frauen

25.11.2024 - 15:43:36

Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland und weltweit ein Problem. Darauf soll heute aufmerksam gemacht werden. Eine der zahlreichen Aktionen an diesem Tag versucht das mit roten Schuhen.

  • Laut SchĂ€tzungen der Vereinten Nationen wurden im vorigen Jahr weltweit 51.100 MĂ€dchen und Frauen von Verwandten oder mĂ€nnlichen Partnern getötet. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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  • Am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen gibt es in vielen LĂ€ndern Demonstrationen und Kundgebungen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. - Foto: Bikas Das/AP

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  •  Im Jahr 2023 wurden 938 MĂ€dchen und Frauen in Deutschland Opfer von versuchten oder vollendeten Femiziden. - Foto: Leonie Asendorpf/dpa

    Leonie Asendorpf/dpa

Laut SchÀtzungen der Vereinten Nationen wurden im vorigen Jahr weltweit 51.100 MÀdchen und Frauen von Verwandten oder mÀnnlichen Partnern getötet. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpaAm Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen gibt es in vielen LÀndern Demonstrationen und Kundgebungen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. - Foto: Bikas Das/AP Im Jahr 2023 wurden 938 MÀdchen und Frauen in Deutschland Opfer von versuchten oder vollendeten Femiziden. - Foto: Leonie Asendorpf/dpa

30 Paar rote Schuhe stehen vor dem Rathaus Tiergarten. Jedes Paar soll auf Frauen aufmerksam machen, die Femiziden zum Opfer fielen. In Berlin sind das laut Stefanie Remlinger, BezirksbĂŒrgermeisterin von Berlin-Mitte, in diesem Jahr bereits 29. 

Unter einem Femizid versteht man eine vorsÀtzliche Tötung, bei der das weibliche Geschlecht des Opfers als Motiv eine Rolle spielt. Aktionen wie diese gibt es heute, am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, in vielen deutschen StÀdten und weltweit. 

UN-Studie: Weltweit mehr als 51.000 Femizide im privaten Umfeld

Laut SchĂ€tzungen der Vereinten Nationen wurden im vorigen Jahr weltweit 51.100 MĂ€dchen und Frauen von Verwandten oder mĂ€nnlichen Partnern getötet. Das gesamte Ausmaß an Femiziden sei jedoch noch grĂ¶ĂŸer, hieß es in einer Studie des UN-BĂŒros fĂŒr Drogen- und VerbrechensbekĂ€mpfung (UNODC) und der UN-Frauenorganisation UN Women. Denn zu Tötungen außerhalb des privaten Umfeldes lĂ€gen keine ausreichenden Daten vor.

Afrika hatte 2023 die höchste Rate an Femiziden, bei denen Opfer und TÀter in einer intimen oder familiÀren Beziehung standen. Der Wert lag dort bei 2,9 Opfern pro 100.000 Frauen. In Europa lag die Rate mit 0,6 am niedrigsten.

Die UN-Fachleute wiesen darauf hin, dass viele Opfer vor ihrem Tod wegen Gewalt in der Beziehung Alarm geschlagen hĂ€tten. «Dies legt nahe, dass viele Tötungen von Frauen vermeidbar sind», schrieben sie. Kontaktverbote fĂŒr mĂ€nnliche Partner könnten Leben retten, hieß es.

Scholz: Wollen mehr Hilfe fĂŒr weibliche Gewaltopfer

«Es muss mehr FrauenhausplĂ€tze und Beratungsangebote geben, verlĂ€sslich finanziert. Opfer von Gewalt brauchen einen Anspruch auf Schutz», schrieb Bundeskanzler Olaf Scholz auf der Plattform X. «Alle drei Minuten erlebt eine Frau oder ein MĂ€dchen Gewalt im eigenen Zuhause – und das sind nur die polizeilich erfassten Taten», betonte der Kanzler. Das Bundeskabinett will einen entsprechenden Entwurf des Gewalthilfegesetzes am Mittwoch verabschieden. Ob er auch eine Mehrheit im Bundestag erreicht, ist noch unklar.

«Fast jeden Tag gibt es einen Femizid. Jeden Tag werden rund 400 Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt», sagte Bundesfrauenministerin Lisa Paus der Deutschen Presse-Agentur. «Es braucht eine Trendumkehr, ein starkes Gewalthilfegesetz, um das Recht auf Schutz und Beratung fĂŒr alle Betroffenen von geschlechtsspezifischer und hĂ€uslicher Gewalt zu verankern.»

Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland, forderte in einer Mitteilung: «Gewaltschutz ist ein Menschenrecht und duldet keinen Aufschub. Daher muss das Gewalthilfegesetz endlich umgesetzt werden.» Gewaltschutz sei keine Option, sondern eine Verpflichtung.

Frauen in Deutschland immer mehr von Partnerschaftsgewalt betroffen

Zuletzt hatte Paus zusammen mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und dem Bundeskriminalamt Zahlen vorgestellt, wonach immer mehr Frauen in Deutschland von Gewalt betroffen sind. Besonders schwerwiegend sind versuchte und vollendete Tötungsdelikte, die sich explizit gegen das weibliche Geschlecht richten. Im Jahr 2023 wurden 938 MÀdchen und Frauen Opfer von solchen versuchten oder vollendeten Femiziden. 360 Frauen und MÀdchen starben dabei.

«Die Politik muss dafĂŒr sorgen, dass TĂ€ter gestoppt und Frauen geschĂŒtzt werden», teilte Christa Stolle, BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Frauenrechtsorganisation Terre de Femmes, mit. Die Trennung von einem gewalttĂ€tigen Partner sei fĂŒr Frauen der gefĂ€hrlichste Moment. Diese Gefahr fĂŒr Frauen wĂŒrde von Behörden und Justiz noch immer unterschĂ€tzt werden.

Auch in Spanien viele FĂ€lle von Gewalt gegen Frauen

Auch in Spanien hĂ€ufen sich die FĂ€lle von Gewalt gegen Frauen. Seit Jahresbeginn kamen bereits 40 Frauen durch ihre Partner oder Ex-Partner ums Leben, wie die Gewerkschaft UniĂłn Sindical Obrero schreibt. Ein neuer Fall schockt viele in Spanien: Ein 17-JĂ€hriger soll in der sĂŒdspanischen Provinz Alicante seine 15-jĂ€hrige Ex-Freundin umgebracht haben, berichtete der staatliche Sender RTVE. Nur wenige Tage zuvor hatte ein Mann im andalusischen Estepa nahe Sevilla Behörden zufolge seine Frau und anschließend sich selbst getötet. In ganz Spanien sind 40 Demonstrationen am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen geplant.

Protest in Istanbuler Zentrum verboten

In Istanbul hatte der Gouverneur der tĂŒrkischen Metropole Demonstrationen in der Innenstadt anlĂ€sslich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen untersagt und den Bereich absperren lassen. Versammlungen seien an bestimmten Orten fern der Innenstadt erlaubt, hieß es. 

Nach Angaben der Organisation «Wir werden Frauenmorde stoppen» waren vergangenes Jahr in der TĂŒrkei mindestens 315 Frauen von MĂ€nnern getötet worden, in den meisten FĂ€llen war der TĂ€ter der Partner.

Der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen soll die Gesellschaft fĂŒr dieses Problem sensibilisieren. Die Aktionen finden im Rahmen der UN-Kampagne «Orange the World» statt. Diese gibt es seit 1991 und dauert in diesem Jahr 16 Tage. Sie beginnt heute mit dem Orange Day. Viele GebĂ€ude werden an dem Tag in Orange angestrahlt.

@ dpa.de