Messerangriff, Hamburg

Messerangriff in Hamburg: Was einen Monat danach bekannt ist

22.06.2025 - 07:30:36

Gut vier Wochen nach dem Messerangriff am Hamburger Hauptbahnhof werden die Ermittlungen umfangreicher. Die Staatsanwaltschaft befasst sich nun auch mit einem Vorfall in Schleswig-Holstein.

  • Eine offenbar psychisch kranke Frau rĂ€umte die Tat gegenĂŒber dem Haftrichter ein. (Archivbild) - Foto: Georg Wendt/dpa

    Georg Wendt/dpa

  • Die Bundespolizei schĂ€tzt den Hamburger Hauptbahnhof als einen grundsĂ€tzlich sicheren Ort ein. (Archivbild) - Foto: Georg Wendt/dpa

    Georg Wendt/dpa

Eine offenbar psychisch kranke Frau rĂ€umte die Tat gegenĂŒber dem Haftrichter ein. (Archivbild) - Foto: Georg Wendt/dpaDie Bundespolizei schĂ€tzt den Hamburger Hauptbahnhof als einen grundsĂ€tzlich sicheren Ort ein. (Archivbild) - Foto: Georg Wendt/dpa

Ein Monat ist seit dem Messerangriff mit 19 Verletzten im Hamburger Hauptbahnhof vergangen. Die Sommerreisezeit hat begonnen, die Bahnsteige sind wie an jenem Freitagnachmittag oft ĂŒberfĂŒllt. Auch Menschen, die ein Messer dabeihaben, sind im Bahnhof unterwegs - bei einer Kontrollaktion nur fĂŒnf Tage nach der Tat stellten Polizisten elf verbotene Messer am Hauptbahnhof sicher, bei einer weiteren Kontrolle Anfang Juni wurden vier Messer aus dem Verkehr gezogen.

Eine Sprecherin der Bundespolizei versichert dennoch: «Öffentliche Verkehrsmittel und deren Infrastruktur – und damit auch der Hamburger Hauptbahnhof als meistfrequentierter Bahnhof Deutschlands – sind grundsĂ€tzlich als sichere Orte anzusehen.» 

Zahl der Verletzten steigt auf 19

Am 23. Mai hatte eine Frau auf dem Bahnsteig von Gleis 13/14 wahllos um sich gestochen. Die offenbar psychisch kranke Deutsche verletzte nach neuen Angaben der Staatsanwaltschaft 19 Menschen. Drei Frauen im Alter von 24, 52 und 85 Jahren und ein 24 Jahre alter Mann erlitten lebensgefÀhrliche Verletzungen, sieben weitere Menschen schwere und sieben andere leichte. Inzwischen stellten die Ermittler fest, dass eine weitere Person mit dem Messer verletzt wurde, wie eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft sagte. Alle Verletzten seien aus den KrankenhÀusern wieder entlassen worden.

Frau rÀumt Tathandlung beim Haftrichter ein

Dank des mutigen Eingreifens von zwei Passanten wurde die Messerstecherin auf dem Bahnsteig gestoppt. Die Polizei nahm die 39-JÀhrige fest. Am folgenden Tag ordnete ein Haftrichter ihre vorlÀufige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Der Unterbringungsbefehl lautete auf versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefÀhrlicher Körperverletzung. Laut Staatsanwaltschaft rÀumte die Frau die Tat vor dem Haftrichter ein.

Angriff auf Vater im Januar

Nach dem Messerangriff wurde bekannt, dass die mutmaßliche TĂ€terin zuvor schon dreimal gewalttĂ€tig geworden sein soll. Der schwerwiegendste Vorfall ereignete sich im vergangenen Januar, als die Frau nach Angaben der Staatsanwaltschaft LĂŒbeck ihren Vater in Großhansdorf in Schleswig-Holstein angegriffen haben soll. FĂŒr den Angriff auf den damals 69-JĂ€hrigen soll sie einen spitzen Gegenstand benutzt haben. Ihre 71 Jahre alte Mutter erlitt bei der Entwaffnung der Tochter eine Schnittverletzung an der Hand. Die Staatsanwaltschaft LĂŒbeck leitete ein Verfahren wegen gefĂ€hrlicher Körperverletzung ein, das inzwischen von der Hamburger Staatsanwaltschaft ĂŒbernommen wurde.

Gericht lehnte Einweisung in Klinik ab

Im Laufe der Ermittlungen zum Angriff auf den Vater ergaben sich nach Angaben der LĂŒbecker Staatsanwaltschaft Anhaltspunkte fĂŒr eine psychische Erkrankung der Frau, die Behörde beantragte deswegen eine Unterbringung der Betroffenen in einer psychiatrischen Klinik. Das Amtsgericht LĂŒbeck lehnte das jedoch ab, eine Beschwerde gegen den Beschluss wurde vom Landgericht LĂŒbeck verworfen. 

Weitere VorfÀlle im Februar und MÀrz

Im Februar soll die Frau dann auf einem Spielplatz am Hamburger Flughafen gegenĂŒber einem Kind gewalttĂ€tig geworden sein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hamburg hielt sie ein sechsjĂ€hriges MĂ€dchen an den Schultern fest, schĂŒttelte das Kind und schlug ihm mit der flachen Hand auf den Oberarm. Ein von der Polizei hinzugezogener Amtsarzt habe daraufhin die Unterbringung der 39-JĂ€hrigen in einer psychiatrischen Klinik angeordnet. 

Dort sei es Anfang MÀrz erneut zu einem Vorfall gekommen: Eine Mitpatientin habe die 39-JÀhrige angezeigt, weil diese ihr einen Tritt gegen den Oberschenkel versetzt haben soll, sagte die Hamburger OberstaatsanwÀltin Melina Traumann. 

Entlassung, Einweisung und erneute Entlassung

SpĂ€testens Anfang Mai war die Frau wieder aus der Klinik entlassen und wurde hilflos gefunden. Daraufhin wurde sie wieder fĂŒr drei Wochen eingewiesen und behandelt, wie ein Sprecher des niedersĂ€chsischen Gesundheitsministeriums mitteilte. Am Tag vor dem Messerangriff im Hamburger Hauptbahnhof wurde die 39-JĂ€hrige aus der Psychiatrie im Landkreis Cuxhaven entlassen. Nach Auskunft der Klinik gab es zu jenem Zeitpunkt keinen medizinischen Befund, der eine weitere Unterbringung gerechtfertigt hĂ€tte. 

Mit Verletzungsspuren am Flughafen

Nur Stunden spĂ€ter hielt sich die 39-JĂ€hrige wieder am Flughafen Hamburg auf. Dort sei sie einem Rettungsdienstmitarbeiter aufgrund von Verletzungsspuren im Gesicht aufgefallen, sagte Traumann. Dieser habe die Polizei informiert. GegenĂŒber den Beamten habe die Frau angegeben, wĂ€hrend eines Klinikaufenthalts von einem Pfleger verletzt worden zu sein. Da sie keine Strafanzeige stellen wollte und angab, noch am selben Tag nach Paris zu fliegen, habe man sie gehen lassen, sagte die Sprecherin. Allerdings habe sie weder ein Flugticket noch gĂŒltige Ausweispapiere besessen.

Ministerin setzt auf elektronische Patientenakte

Bahnchef Richard Lutz hatte nach der Tat am Hauptbahnhof seine BestĂŒrzung und Fassungslosigkeit geĂ€ußert. Er stellte aber auch klar, dass es in einer offenen Gesellschaft keine hundertprozentige Sicherheit geben könne. Trotzdem gelte es, die Sicherheitskonzepte nachzuschĂ€rfen und aus VorfĂ€llen zu lernen. 

Die Bundespolizei hĂ€lt an ihrem Konzept aus Schwerpunktkontrollen und Streifendienst fest. «Die Sicherheitslage am Hamburger Hauptbahnhof hat sich insbesondere durch die sichtbare PrĂ€senz von Polizei- und OrdnungskrĂ€ften spĂŒrbar positiv entwickelt», erklĂ€rte die Sprecherin. Damit bezog sie sich allerdings auf die vergangenen zwei Jahre.

@ dpa.de