Kindeswohl, Studie

Kindeswohl - Studie sieht Gefahr durch Personalmangel

17.06.2024 - 17:15:33

HĂ€usliche Gewalt oder VernachlĂ€ssigung von Kindern zu melden, fĂ€llt vielen Menschen schwer. Auch bei Behörden gibt es bei der Bearbeitung große Schwierigkeiten, wie eine neue Studie zeigt.

Wenn KindeswohlgefĂ€hrdungen gemeldet werden, können einer neuen Erhebung zufolge nur ein Drittel der deutschen JugendĂ€mter diese Meldungen aufnehmen und zĂŒgig bearbeiten. Das ist das Ergebnis der Studie «Licht ins Dunkel bringen», die die SOS-Kinderdörfer weltweit und Transparency International Deutschland am Montag veröffentlichten. Ein Grund fĂŒr diesen Zustand sei nach Aussage der befragten Behörden unter anderem Personalmangel.

«Die Tatsache, dass Kinder aufgrund von Personalmangel gefĂ€hrdet sind, weil nicht rechtzeitig gehandelt werden kann, erscheint mir in einem Land wie Deutschland völlig unverstĂ€ndlich», teilte die VorstĂ€ndin der SOS-Kinderdörfer weltweit, Lanna Idriss, mit. Die Studie zeigt zudem, dass mögliche Meldewege nur von der HĂ€lfte der Behörden ausgewiesen und Informationen lediglich von zehn Prozent der Ämter in leichter Sprache angeboten wĂŒrden. Das erschwere den Zugang fĂŒr Kinder oder Menschen mit Sprachbarrieren.

Forderung nach besseren Melde- und Kommunikationswegen

Nach Ansicht der SOS-Kinderdörfer und Transparency International muss es möglich sein, dass potenzielle GefĂ€hrdungs- und MissbrauchsfĂ€lle unkompliziert gemeldet sowie anonym und zeitnah bearbeitet werden können. DafĂŒr fordern sie unter anderem bessere Melde- und Kommunikationswege und eine Aufstockung der Ressourcen.

Die Studie «Licht ins Dunkel bringen» sei die erste deutschlandweite Studie, die hinterfragt, was Whistleblowing - also das Hinweisen auf MissstĂ€nde - fĂŒr den Kindesschutz bedeute. «WĂ€hrend das "Whistleblowing" in der Wirtschaft oder in Behörden bereits vielfach untersucht wurde, ist dies im Bereich des Kinderschutzes ein großes Dunkelfeld», sagte der Studienleiter Sebastian Oelrich. 

FĂŒr die Studie wurden Verantwortliche interviewt und Mitarbeitende mithilfe von Fragebögen befragt. Zudem wurden Internetauftritte einer reprĂ€sentativen Auswahl von JugendĂ€mtern, die den Angaben zufolge knapp 25 Prozent aller JugendĂ€mter abbilden, untersucht.

@ dpa.de