Mindestens 73 Tote bei GroĂbrand in Johannesburg
31.08.2023 - 10:46:41Im Zentrum der sĂŒdafrikanischen Metropole Johannesburg sind mindestens 73 Menschen bei einem GroĂbrand in einem GebĂ€ude ums Leben gekommen. Mindestens 52 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte der Sprecher des örtlichen Rettungsdienstes, Feuerwehrmann Robert Mulaudzi, am Mittag auf der Plattform X (vormals Twitter) mit.
Unter den Toten seien sieben Kinder, das jĂŒngste von ihnen etwa anderthalb Jahre alt, sagte Mulaudzi vor Journalisten. «Ich habe so etwas noch nie in meinen 23 Jahren im Dienst erlebt», sagte er. «Es ist ein sehr trauriger Tag.»
300 Menschen sind obdachlos geworden
Das Feuer war in der Nacht in einem fĂŒnfstöckigen GebĂ€ude in der Innenstadt der Metropole ausgebrochen. Das GebĂ€ude stand offiziell leer, tatsĂ€chlich hausten aber Hunderte Menschen illegal darin. Rund 300 Menschen in 141 Haushalten seien durch den Brand obdachlos geworden, teilte der auf Provinzebene fĂŒr Infrastruktur und Siedlung zustĂ€ndige Regierungsbeamte Lebogang Maile auf X mit. Die Behörden hĂ€tten nun PlĂ€ne fĂŒr die Umsiedlung der Betroffenen erstellt.
RettungskrĂ€fte durchkĂ€mmten das GebĂ€ude systematisch auf der Suche nach weiteren Opfern. Wie Mulaudzi beschrieb, hatten die Hausbesetzer in jedem der Stockwerke Dutzende «HĂŒtten» eingerichtet, um sich ihre WohnrĂ€ume abzuschirmen. Es habe vielfach keine Fluchtwege gegeben. Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Feuers in dem GebĂ€ude aufhielten, blieb unklar.
Kerzen oder Kochfeuer möglicherweise Brandursache
Da es in illegal besetzten GebĂ€uden keine Stromversorgung gebe, liege die Vermutung nahe, dass Kerzen oder ein Kochfeuer den Brand verursacht haben könnten, sagte Mgcini Tshwaku, ein Beamter fĂŒr Ăffentliche Sicherheit der Stadt Johannesburg, dem Fernsehsender eNCA. Die KlĂ€rung der Brandursache stand noch aus.
Die Stadtmitte Johannesburgs gilt als heruntergekommen und gefĂ€hrlich. Firmen und GeschĂ€fte sind aufgrund der hohen KriminalitĂ€tsrate schon vor vielen Jahren in umliegende Bezirke gezogen. Somit stehen zahlreiche GebĂ€ude im Stadtzentrum leer, viele davon sind von Obdachlosen besetzt. ImmobilieneigentĂŒmer haben dort schon seit langem aufgehört, ihre GrundstĂŒcke, deren Markt- und Mietpreise verfallen sind, instand zu halten.
Festnahmen nach Durchsuchung der Polizei
Nach Angaben Mailes gehörte das GebĂ€ude der Stadt Johannesburg und war zuvor an einen Verein vermietet worden, der sich fĂŒr den Schutz misshandelter Frauen einsetzte. Die Organisation sei aber «aus SicherheitsgrĂŒnden» spĂ€ter aufgelöst worden. Bei einer Durchsuchung der RĂ€ume durch Polizei und Sicherheitsbehörden zu einem nicht nĂ€her genannten Zeitpunkt habe es Festnahmen gegeben. Damals habe man bereits festgestellt, dass Miete fĂŒr die RĂ€ume verlangt worden sei.
Vor der Absperrung am GebĂ€ude versammelten sich zahlreiche Menschen, die auf Nachrichten von Angehörigen warteten. Die sĂŒdafrikanische Zeitung «Times» sprach mit einer Frau, die nach ihrem Bruder suchte. Der Vater von fĂŒnf Kindern lebte ihren Angaben nach in dem GebĂ€ude, nachdem er auf Arbeitssuche aus seiner Heimatprovinz nach Johannesburg gekommen war. «Er lebte im dritten Stock, ganz am Ende des Flures. Ich habe ihn regelmĂ€Ăig besucht», berichtete die Frau. Ihr Bruder sei Anwalt gewesen, habe aber fĂŒr einen Lebensmittelkonzern gearbeitet. Eine bessere Unterkunft habe er sich nicht leisten können. «Es ist ein ungesunder und dreckiger Ort.»


