Löwin, Kleinmachnow

Löwen-Alarm in Brandenburg - Großfahndung nach Raubkatze

20.07.2023 - 17:10:12

Im beschaulichen Kleinmachnow soll eine Löwin frei umherlaufen. Seit der Nacht suchen Polizei und Feuerwehr nach dem Tier - mit Hubschraubern, Drohnen und WÀrmebildkameras.

  • Kleinmachnows BĂŒrgermeister Michael Grubert: «Es handelt sich wohl um ein echtes Wildtier.» - Foto: Paul Zinken/dpa

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  • Die Polizei hat weit mehr als hundert KrĂ€fte fĂŒr die Suche nach dem Wildtier im Einsatz. - Foto: Sven KĂ€uler/dpa

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  • Im SĂŒden von Berlin wurde ein Raubtier gesichtet - höchstwahrscheinlich eine Löwin. - Foto: Fabian Sommer/dpa

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Kleinmachnows BĂŒrgermeister Michael Grubert: «Es handelt sich wohl um ein echtes Wildtier.» - Foto: Paul Zinken/dpaDie Polizei hat weit mehr als hundert KrĂ€fte fĂŒr die Suche nach dem Wildtier im Einsatz. - Foto: Sven KĂ€uler/dpaIm SĂŒden von Berlin wurde ein Raubtier gesichtet - höchstwahrscheinlich eine Löwin. - Foto: Fabian Sommer/dpa

Eine ungewöhnliche Warnung erreichte die Bevölkerung sĂŒdlich von Berlin in der Nacht zu Donnerstag: Eine freilaufende Raubkatze soll in der Gemeinde Kleinmachnow in Brandenburg gesichtet worden sein. Ein nur wenige Sekunden langes Handyvideo eines Zeugen zeigt das Tier dort zwischen BĂŒschen und BĂ€umen umherschleichen.

Das Video schĂ€tzen die Ermittlungsbehörden als echt ein. In der Nacht hĂ€tten auch Polizeibeamte die Raubkatze - mutmaßlich eine Löwin - «gesichert» gesehen, sagte eine Behördensprecherin.

Das gesuchte Raubtier wurde inzwischen möglicherweise erneut im Grenzgebiet zwischen Berlin und Brandenburg gesichtet. Das sagte eine Sprecherin der Berliner Polizei. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung berichtet.

Am Nachmittag war bereits der Königsweg im Bezirk Steglitz-Zehlendorf gesperrt worden. Hinweise fĂŒhrten die Polizei am Nachmittag nach Zehlendorf in den Bereich des Waldfriedhofs - doch die Spur fĂŒhrte ins Leere. «Es fanden sich keine Hinweise oder Spuren, dass das Tier sich dort tatsĂ€chlich befunden hat», teilte die Polizei am Nachmittag auf Twitter mit.

Damit fehlte zunĂ€chst jede Spur von dem Tier. Weder Blut noch Kot oder PfotenabdrĂŒcke deuteten auf seine PrĂ€senz in der Region hin. Mit einem Großaufgebot waren Polizei und Feuerwehr den ganzen Tag ĂŒber im Einsatz. Mit Drohnen, Hubschraubern und WĂ€rmebildkameras suchten sie nach dem Tier, unterstĂŒtzt von TierĂ€rzten und JĂ€gern.

Suche auch in der Nacht

Die Polizei in Berlin und Brandenburg setzt die Suche nach dem Raubtier auch in der Nacht fort. Im SĂŒden der Hauptstadt seien etwa 220 Polizistinnen und Polizisten in dem Bereich im Einsatz, wo es mögliche Sichtungen gab, sagte die Sprecherin der Berliner Polizei.

Beteiligt an der Suche seien VeterinÀrmediziner und der StadtjÀger. Es sollten NachtsichtgerÀte und eine Nachtsichtdrohne eingesetzt werden. «Wir werden so lange im Einsatz sein, bis das Tier gefunden ist», sagte Sprecherin Ostertag. Der Einsatz konzentrierte sich auf den Bereich Zehlendorf, wo es die möglichen Sichtungen gab.

Über allem liegt die Frage: Woher kommt die Löwin?

BĂŒrgermeister: «Ernste Lage»

Aus den Zoos, Tierparks und Zirkussen dieser Region jedenfalls nicht, wie die Polizei in der Nacht herausfand. Dort vermisste niemand eine Großkatze. Private Halter seien in Kleinmachnow nicht bekannt, sagte BĂŒrgermeister Michael Grubert (SPD) bei einer Pressekonferenz. Er sprach von einer «ernsten Lage».

Die private Haltung von Wildtieren ist in Deutschland LĂ€ndersache. In Berlin ist sie verboten, in Brandenburg gibt es keine spezielle Regelung neben der Bundesartenschutzverordnung. Erkenntnisse ĂŒber eine illegale Haltung wurden zunĂ€chst nicht bekannt. Nach Angaben des Landesumweltamtes ist in Brandenburg die Haltung von 23 Löwen angemeldet. Dabei handle es sich um drei Zirkusunternehmen, zwei Zoos und eine private Haltung.

Die ruhige Gemeinde Kleinmachnow, die direkt an Berlin grenzt, wurde von der Suche kalt erwischt. «Wenn ich heute Morgen nicht frĂŒh angerufen worden wĂ€re um 6.00 Uhr von einer Person der Feuerwehr, bei der ich wusste, dass die mir nicht um 6.00 Uhr eine Geschichte erzĂ€hlt (...), hĂ€tte ich zuerst an einen Scherz geglaubt», sagte BĂŒrgermeister Michael Grubert (SPD). «Es ist halt ein etwas anderer Arbeitstag. Ich bin noch nicht zu dem gekommen, was ich wollte.»

In Kleinmachnow waren bereits in der Nacht Hubschrauber im Einsatz. Am Donnerstagmorgen wirkte in der Gemeinde laut einem dpa-Reporter alles völlig normal. Von der Suche nach einem gefÀhrlichen Raubtier war kaum etwas zu merken. Radfahrer waren unterwegs, SpaziergÀnger mit Hunden, Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen. Auf Baustellen wurde gearbeitet.

Die Gemeinde versuchte, das alltĂ€gliche Leben möglichst laufen zu lassen, ohne zu große Gefahren einzugehen. So ließ Kleinmachnow die KindergĂ€rten offen, bat aber, dass die Kinder auf dem GelĂ€nde bleiben. Der Wochenmarkt wurde verkleinert. Ein CafĂ© im Zentrum sollte die TĂŒren geschlossen halten. Das Leben ging normal weiter, viele Leute waren auch zu Fuß oder per Rad unterwegs. Was auf die Suche nach einer Löwin hindeutete, war die Polizei, die teils prĂ€sent war.

So verhÀlt man sich bei einer Begegnung

Ein Wildtierexperte riet den Anwohnerinnen und Anwohnern, bei einer zufĂ€lligen Begegnung mit der mutmaßlichen Löwin nicht plötzlich zu agieren. «Das Wichtigste ist, dass die Tiere das GefĂŒhl haben, die Kontrolle ĂŒber die Situation zu behalten», sagte Heribert Hofer, Direktor des Leibniz-Instituts fĂŒr Zoo- und Wildtierforschung der dpa in Berlin. Nach EinschĂ€tzung der Polizei handelt es sich bei dem gesuchten Tier wahrscheinlich um eine Löwin.

«Was vermieden werden muss, ist der Überraschungseffekt», wenn etwa eine Löwin plötzlich mit einem Menschen konfrontiert werde. «Das ist eine Situation, wo sie einen Kontrollverlust der Situation erlebt.» Daraus könnten sich Reaktionen ergeben, weil sich das Tier gefĂ€hrdet fĂŒhlt und sich deswegen eventuell verteidigen wĂŒrde.

Die Warnmeldung des Bundesamts bezieht auch den SĂŒden Berlins, etwa Steglitz, Marienfelde und Neukölln mit ein. Auch die Stadt Potsdam rief ihre Einwohnerinnen und Einwohner am Donnerstag zu Wachsamkeit auf: «Augen auf! Potsdam ist nicht weit entfernt», teilte die Stadt auf Twitter mit.

Laut EinschĂ€tzungen von Expertinnen und Experten aus Zoo und Tierpark in Berlin kĂ€me eine Löwin in den Sommermonaten durchaus in einem heimischen WaldstĂŒck zurecht. In einem ihr unbekannten Terrain könne davon ausgegangen werden, dass sie sich ins Unterholz zurĂŒckziehe und nicht aktiv den Kontakt zum Menschen suche, teilten die Einrichtungen mit. «Auch die Gefahr, dass ein Wildtier auf freier FlĂ€che wie beispielsweise im Wald, Park oder Feld einen Menschen direkt angreift ist geringer, als wenn es sich in einem Wohngebiet in die Enge getrieben und bedroht fĂŒhlt.»

Was geschieht mit dem Tier?

Noch ungeklĂ€rt ist das Schicksal des Tieres, sollte es gefunden werden. Eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark sagte, es seien eine TierĂ€rztin und zwei JĂ€ger mit Waffen mit vor Ort. Wenn man das Tier finde, werde entschieden, ob man mit BetĂ€ubung arbeite oder es erschießen mĂŒsse. Kleinmachnows BĂŒrgermeister setzte auf einfangen und wenn nötig betĂ€uben.

Wenn ein Tier in freier Wildbahn gefangen werden sollte, werde Tele-Injektion mit einem Narkosegewehr eingesetzt, sagte May Hokan von der Umweltstiftung World Wide Fund For Nature (WWF) der dpa in Berlin. Das könnten am besten etwa ZootierÀrzte, die mit solchen Situationen auch unter Stress gut umgehen könnten.

Die TierÀrztin schilderte mögliche Probleme: «Wenn man so einen Löwen trifft, fÀllt der nicht direkt um und schlÀft ein. Es gibt eine Stressphase, er hat diesen Pfeil im Hintern, wird erst mal losrennen und Radau machen.» Dies dauere einige Minuten, auch abhÀngig von der Art des Narkosemittels. «Wir haben dann eine schwierige Phase, bevor das Tier einschlÀft und man sich dem Tier nÀhern kann.»

Theoretisch denkbar wĂ€re auch ein Abschuss. «Je nachdem wie die Situation wahrscheinlich von Tierarzt und Polizei eingeschĂ€tzt wird, wird das Tier in solchen Situationen auch erschossen. Dabei muss natĂŒrlich die Sicherheit gegeben sein, dass da keine Menschen in der NĂ€he sind. Das ist auch nicht so einfach», sagte May.

Wirklich eine Löwin?

Aus Sicht des VeterinĂ€rmediziners Achim Gruber von der Freien UniversitĂ€t Berlin bleiben jedoch ohnehin Zweifel, ob es sich bei dem gesuchten Raubtier um eine Löwin handelt. «Ich halte es fĂŒr möglich, dass das eine Löwin ist, bin aber nicht davon ĂŒberzeugt», sagte Gruber im RBB-Spezial.

Als Wissenschaftler sei er vorsichtig. Es gebe viele Argumente dafĂŒr, dass es eine Löwin sei. «Aber der letzte Beweis steht fĂŒr mich noch aus», so Gruber.

Die Handy-Aufnahme sei unscharf und durch das Licht könnten TĂ€uschungen entstehen. Er setze auf die Jagdhunde, die nach dem Tier suchten. Die Hunde, die im Einsatz seien, seien sehr gut. Wenn diese keine Spuren fĂ€nden, sei dies «ein starkes PuzzlestĂŒck» gegen die Hypothese, dass man es mit einer Löwin zu tun habe.

@ dpa.de