Deutschland, Saarland

Getöteter Gerichtsvollzieher – «Ist nichts mehr wie vorher»

26.11.2025 - 16:53:43

Im Dienst wird ein Gerichtsvollzieher durch mehrere Stiche mit einem Jagdmesser getötet. Das Entsetzen ist groß und viele Fragen sind offen.

  • Der Gerichtsvollzieher trug keine Schutzweste.  - Foto: Brandon Lee Posse/dpa

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  • Der Tod des Gerichtsvollziehers sei eine ZĂ€sur fĂŒr die Justiz, heißt es aus dem Justizministerium. - Foto: Thorsten Kremers/dpa

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  • Am Tatort wurden Kerzen und Blumen abgelegt. - Foto: Thorsten Kremers/Thorsten Kremers/dpa/dpa

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  •  «Es ist nichts mehr wie vorher», sagt Justizministerin Berg. - Foto: -/FRM/dpa

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Der Gerichtsvollzieher trug keine Schutzweste.  - Foto: Brandon Lee Posse/dpaDer Tod des Gerichtsvollziehers sei eine ZĂ€sur fĂŒr die Justiz, heißt es aus dem Justizministerium. - Foto: Thorsten Kremers/dpaAm Tatort wurden Kerzen und Blumen abgelegt. - Foto: Thorsten Kremers/Thorsten Kremers/dpa/dpa «Es ist nichts mehr wie vorher», sagt Justizministerin Berg. - Foto: -/FRM/dpa

Der tödliche Angriff kam fĂŒr den Gerichtsvollzieher wie aus dem Nichts. Gerade hatte er dem Mieter eröffnet, dass dieser seine Wohnung jetzt zwangsrĂ€umen mĂŒsse. Da ergriff der 42-JĂ€hrige ein Jagdmesser und stach mehrfach auf den Kopf und den Oberkörper des Justizbeamten ein. Wenige Minuten spĂ€ter war der 58-JĂ€hrige tot. So beschreibt der Leitende Oberstaatsanwalt Bernd Weidig den mutmaßlichen Tatablauf.

Am Dienstag gegen 8.35 Uhr kam der Gerichtsvollzieher gemeinsam mit drei Menschen von der Hausverwaltung zu der Anschrift im saarlÀndischen Oberbexbach. Die Mietwohnung im ersten Stock des Mehrfamilienhauses betrat er jedoch alleine, warum, dass wissen auch die Ermittler noch nicht. 

Um 8.39 Uhr rief ein Zeuge die Polizei. «Der Gerichtsvollzieher verstarb noch am Tatort», sagte Weidig. Bereits um 8.49 Uhr sei der Beschuldigte in der NÀhe des Tatortes angetroffen und widerstandslos festgenommen worden. 

TatverdÀchtige musste Wohnung bis zum Tattag gerÀumt haben

Die Polizei fand den Gerichtsvollzieher leblos auf dem Boden liegend im Eingangsbereich der Wohnung. Die vor dem Anwesen wartenden RettungskrÀfte seien sofort hinzugezogen worden, sagte Kriminaldirektor Erik Glaeser. Sie hÀtten aber nur den Tod des Obergerichtsvollziehers feststellen können.

Der 42 Jahre alte deutsche VerdÀchtige sitzt in Untersuchungshaft. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf Totschlags in Tateinheit mit tÀtlichem Angriff auf und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, sagte Weidig. Zum Motiv machen die Ermittler zunÀchst nur sehr wenige Angaben. 

Fest steht: Der 42-JĂ€hrige sollte am Tattag aus seiner Wohnung raus. Ihm sei eine Frist gesetzt worden, sagte Weidig. SpĂ€testens bis Dienstag hĂ€tte er die Wohnung gerĂ€umt haben mĂŒssen.

Berg: Tod sei eine ZĂ€sur fĂŒr die saarlĂ€ndische Justiz

Die saarlĂ€ndische Justizministerin Petra Berg (SPD) sagte: «Wir trauern um einen hochgeschĂ€tzten Kollegen, der sich ĂŒber Jahrzehnte hinweg mit großem Engagement und Überzeugung fĂŒr unseren Rechtsstaat eingesetzt hat.» Das Opfer sei Ehemann, Vater und Freund gewesen, der im Dienst plötzlich, völlig unerwartet und gewaltsam gestorben sei. 

«Der Tod unseres Kollegen markiert eine ZĂ€sur fĂŒr die saarlĂ€ndische Justiz», sagte sie. «Es ist nichts mehr wie vorher.» Die saarlĂ€ndische Justiz rĂŒcke in tiefer Betroffenheit zusammen. In den kommenden Tagen werde ein Kondolenzbuch in der Staatskanzlei ausgelegt.

Was sagen die Ermittler zum Motiv?

Auch einen Tag nach der Tat ist noch vieles unklar. Vor dem Tatort wurden einzelne Blumen abgelegt und Gedenkkerzen angezĂŒndet.

Gab es möglicherweise ein politisches Motiv des TĂ€ters oder gehörte er der ReichsbĂŒrgerszene an? «Derartige Hinweise sind mir aktuell nicht bekannt, sind aber natĂŒrlich gegen Stand der staatsanwaltlichen Untersuchung», sagte Weidig. Ermittelt werde weiter mit Hochdruck. Hinweise, dass der mutmaßliche TĂ€ter unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stand, gebe es derzeit nicht.

VerdÀchtiger rÀumte Tötung ein

Bei einer Vernehmung habe der Mann die Tötung des Gerichtsvollziehers eingerÀumt. Bei dem Beschuldigen handele es sich um einen ledigen Mann aus dem Saarpfalz-Kreis. Ausweislich eines aktuellen Auszuges aus dem Bundeszentralregister sei er nicht vorbestraft. Es gebe aber ein laufendes Ermittlungsverfahren wegen rÀuberischen Diebstahls.

Gerichtsvollzieher seien im Wesentlichen selbststÀndig unterwegs, sagte Justizministerin Berg auf die Frage, warum der Getötete ohne Polizei oder Begleitung in die Wohnung ging. Der betroffene Gerichtsvollzieher sei seit Jahrzehnten tÀtig und sehr erfahren gewesen. Ob er eine Schutzweste trage, liege in seinem eigenen Ermessen, sagte Berg. Der 58-JÀhrige hatte sich am Tag seines Todes dagegen entschieden: Er habe keine getragen.

@ dpa.de