OBERFRANKEN, Kinder

ElfjÀhriger soll MÀdchen in Kinderheim getötet haben

05.09.2023 - 12:26:14

Im Fall des toten MÀdchens in Wunsiedel prÀsentieren Polizei und Staatsanwaltschaft die Ermittlungsergebnisse. Verantwortung trÀgt demnach ein Junge. Zuvor soll das MÀdchen vergewaltigt worden sein - von einem Einbrecher.

Ein MÀdchen, zehn Jahre alt, stirbt gewaltsam in einem Kinderheim. Umgebracht haben soll es ein fast gleichaltriger Junge. Und zuvor soll es von einem 25 Jahre alten Einbrecher vergewaltigt worden sein. So unfassbar das auch klingt, es sind die Ermittlungsergebnisse, die Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstag im Fall eines Anfang April in Wunsiedel getöteten Kindes prÀsentiert haben.

Juristisch aufgearbeitet werden können jedoch nur die Vergewaltigung und der Einbruch. FĂŒr beides macht die Staatsanwaltschaft einen 25-jĂ€hrigen Deutschen verantwortlich. Die Anklage ist erhoben, nun ist das Landgericht Hof am Zug. Der Junge ist mit elf Jahren zu jung, um fĂŒr die ihm zugeschriebene Tat bestraft zu werden. Wie es fĂŒr ihn weitergeht, mĂŒssten die verantwortlichen Behörden entscheiden, sagte Matthias Goers von der Staatsanwaltschaft Hof. Den Erkenntnissen zufolge hat er das MĂ€dchen stranguliert, zuvor hatten die beiden Kinder gestritten. Worum es dabei ging, blieb zunĂ€chst offen. Kommt es zu einer Verhandlung, muss der Junge aber möglicherweise als Zeuge dabei sein.

Anfang April in Wunsiedel: Die Nachricht, dass in dem ruhig gelegenen Kinder- und Jugendheim ein MĂ€dchen gewaltsam zu Tode gekommen ist, schockierte weit ĂŒber die Grenzen der Region hinaus. Was geschah hinter den Mauern der Einrichtung, die Kinder eigentlich Schutz bieten sollte? Eine Soko mit 40 Mitarbeitenden machte sich an die KlĂ€rung des Falles. Ins Visier gerieten der elf Jahre alte Junge und der 25-JĂ€hrige, der seit Ende April in Untersuchungshaft sitzt. Der Mann soll zudem seit Anfang 2022 fĂŒnf EinbrĂŒche in Baucontainer begangen haben.

FĂŒr einen weiteren Einbruch soll er sich am 4. April in der Nacht ĂŒber ein offen stehendes Badezimmerfenster Zugang zu dem Kinderheim verschafft haben. Dort habe er zufĂ€llig erst den ElfjĂ€hrigen getroffen und dann das MĂ€dchen. Dabei soll er das Kind vergewaltigt haben. Ob der 25-JĂ€hrige und der ElfjĂ€hrige sich bereits gekannt haben, dazu wollte die Staatsanwaltschaft nichts sagen.

War das Kinderheim gut genug geschĂŒtzt?

Als der Mann die Einrichtung wieder verlassen hatte, soll es zum Streit zwischen den Kindern gekommen sein. «Eine Beteiligung an der Tötung des zehnjÀhrigen MÀdchens ist dem Angeschuldigten nicht nachzuweisen», teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Die Ermittlungen hÀtten den Verdacht erhÀrtet, dass der elfjÀhrige Junge das MÀdchen umgebracht hat.

Der 25 Jahre alte Angeschuldigte habe die Taten, die ihm zur Last gelegt werden, «zu einem großen Teil gestanden», hieß es weiter. Dass jemand sich Zugang zu einem Kinderheim verschaffen konnte, lĂ€sst natĂŒrlich die Frage aufkommen, ob die Einrichtung gut genug geschĂŒtzt war. Goers verwies in diesem Zusammenhang auf Strafanzeigen, die eingegangen seien. Bislang habe aber man nichts «strafrechtlich Relevantes» dazu ermittelt.

Der TrĂ€ger der Einrichtung, die Katholische JugendfĂŒrsorge der Diözese Regensburg (KJF), teilte mit, ein Mitglied des Krisenstabs stĂŒnde den Angehörigen des getöteten MĂ€dchens weiterhin fĂŒr GesprĂ€che zur VerfĂŒgung. Auch die anderen Kinder und Jugendlichen der Einrichtung sowie das Personal wĂŒrden weiterhin begleitet und betreut.

Kinder, die andere Kinder töten - es sind FĂ€lle, die sprachlos machen und hilflos. Im MĂ€rz hatten zwei 12 und 13 Jahre alte MĂ€dchen gestanden, in Freudenberg in Nordrhein-Westfalen die zwölfjĂ€hrige Luisa erstochen zu haben. Beide sind noch nicht strafmĂŒndig, deshalb wird es auch in diesem Fall kein juristisches Verfahren geben.

@ dpa.de