Teure Eintrittspreise: Im Libanon sind Strandbesuche Luxus
20.08.2025 - 06:00:39Temperaturen um die 40 Grad, Luftfeuchtigkeit bei fast 60 Prozent: Die Menschen in der libanesischen Hauptstadt Beirut Ă€chzen im Sommer unter der glĂŒhenden Hitze. Abhilfe fĂŒr die rund zwei Millionen Einwohner der Metropole mit wenig GrĂŒnflĂ€chen könnte ein Sprung ins verfĂŒhrerisch glitzernde Mittelmeer schaffen. Entlang einer etwa fĂŒnf Kilometer langen, mit Palmen geschmĂŒckten Uferpromenade erstreckt sich das Meer in Beirut. Doch wer in der Stadt in sauberem Wasser baden will, muss zahlen. Und das nicht zu knapp.Â
Bis zu 50 Euro Strand-Eintritt
Umgerechnet wischen 17 und 25 Euro kostet der Eintritt bei den privaten Beachclubs in der Hauptstadt im Durchschnitt - unter der Woche. Am Wochenende liegen die Preise schnell bei umgerechnet bis zu 51 Euro. Geboten bekommen die BadegĂ€ste dafĂŒr einen Sonnenschirm mit Liege und einen Pool zum Schwimmen. Das Meer entlang der Beiruter KĂŒster gilt als so verschmutzt, dass die Menschen besser im Swimmingpool ihre Bahnen ziehen.
80 Prozent der KĂŒste in privater Hand
«80 Prozent der libanesischen KĂŒste sind nicht frei zugĂ€nglich», erklĂ€rt der Direktor der NGO Nahnoo, Mohammed Ajub, die sich fĂŒr mehr öffentliche PlĂ€tze im Libanon einsetzt. Das bedeutet konkret: Ein GroĂteil der KĂŒste ist belegt mit teuren Beachclubs, privaten Villen direkt am Meer oder Restaurants mit Meerblick. In den sozialen Medien wird die libanesische KĂŒste als Mittelmeerjuwel romantisiert. Was nicht zu sehen ist: Die horrenden Preise, um sie erleben zu dĂŒrfen.Â
Von der rund 220 Kilometer langen MittelmeerkĂŒste des Libanons seien nur noch 40 Kilometer nicht privatisiert, sagt Ajub. «Aber das heiĂt nicht, dass dieser Rest wirklich frei verfĂŒgbar ist.» Oft wĂŒrden an diesen Stellen AbwĂ€sser ins Meer geleitet oder MĂŒll entsorgt, betont er.
Ăffentliche StrĂ€nde stark verschmutzt
Vielen Familien bleibe jedoch nichts anderes ĂŒbrig als genau an diesen Stellen baden zu gehen, weil sie sich die Eintrittsgelder zu den saubereren Beachclubs nicht leisten könnten, sagt Ajub. Selbst das Benzingeld fĂŒr die die Fahrten zu anderen StrĂ€nden auĂerhalb Beiruts - die immerhin zum Teil geringere Eintrittsgelder verlangten oder auch mal gratis seien - sei fĂŒr die von der seit Jahren andauernden Wirtschaftskrise stark getroffene Durchschnittsbevölkerung kaum bezahlbar.Â
Seit Ende 2019 steckt der Mittelmeerstaat in der schlimmsten Wirtschafts- und Finanzkrise seiner Geschichte. Die Krise wird auf jahrzehntelange Korruption in Politik und Wirtschaft zurĂŒckgefĂŒhrt.
Ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetzwerk gibt es im Libanon nicht. Ein Strandtag ist fĂŒr viele Familien deshalb Luxus.
In Beirut ist der Stadtstrand Ramlet al-Baida - der «weiĂe Sandstrand», wie es ĂŒbersetzt heiĂt - eine der wenigen öffentlichen ZugĂ€nge zum Meer. Wie bedenklich das Badengehen hier jedoch ist, zeigt der Jahresbericht zur WasserqualitĂ€t der libanesischen StrĂ€nde des CNRS-Forschungsinstituts: Fast nirgendwo anders im Land ist das Wasser so verschmutzt wie hier. Das Institut rĂ€t dringend vom Baden ab. Tests hĂ€tten eine sehr starke bakterielle Verschmutzung gezeigt.
Nahnoo-Direktor Ajub sagt, im Libanon gebe es keinen politischen Willen, den Zustand der StrĂ€nde zu verbessern oder mehr öffentlichen Zugang zu sichern.Â
Libanon trockener denn je
Der Libanon leidet wie viele LĂ€nder in der Region unter der schlimmsten DĂŒrre seit Jahren. Es gelingt dem Staat nicht die Haushalte dauerhaft und regelmĂ€Ăig mit genĂŒgend Wasser zu versorgen. Anwohner, die es sich leisten können, kaufen Wasser von privaten Anbietern hinzu. Doch das kann sich nicht jeder leisten. Fitnessstudios im Libanon werben deshalb nicht mehr nur mit Sportprogrammen, sondern auch mit Duschen fĂŒr ihre Besucherinnen und Besucher.
In diesem Jahr seien die WasserstĂ€nde so niedrig wie seit langem nicht, sagt der Leiter fĂŒr Nachhaltigkeitsstrategie an der Libanesisch-amerikanischen UniversitĂ€t in Beirut, Nadim Faradschalla. Das Problem sei auch, dass das Land nur sehr begrenzte KapazitĂ€ten habe, um in den nasseren Wintermonaten Regenwasser aufzufangen und zu speichern. Politische Blockaden im Land verhinderten die Fertigstellung wichtiger Infrastrukturprojekte, so Faradschalla.







