Prozess um ZugunglĂŒck mit 57 Toten in Griechenland gestartet
23.03.2026 - 09:45:28 | dpa.deGut drei Jahre nach dem schwersten ZugunglĂŒck in der Geschichte Griechenlands hat der Prozess gegen 36 Angeklagte begonnen. Die Justiz will klĂ€ren, was genau am 28. Februar 2023 zu der Katastrophe mit 57 Todesopfern bei Tempi gefĂŒhrt hat und wer dafĂŒr verantwortlich ist. In einem ĂŒberfĂŒllten Gerichtssaal in der mittelgriechischen Stadt Larissa machten aufgebrachte Angehörige von Opfern ihrem Ărger Luft und forderten die Angeklagten auf, «den Mund zu öffnen» und nichts zu verschweigen.
Das UnglĂŒck von Tempi
Bei dem UnglĂŒck auf der Strecke AthenâThessaloniki waren ein Intercity-Zug und ein GĂŒterzug frontal zusammengestoĂen. Die meisten Opfer waren junge FahrgĂ€ste im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Hunderte Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer.Â
Kritik am Bahnsystem
Unmittelbar nach der Katastrophe trat der damalige Verkehrsminister zurĂŒck. Der zustĂ€ndige Bahnhofsvorsteher rĂ€umte Fehler ein. In den Fokus rĂŒckten gravierende Defizite im griechischen Eisenbahnnetz, das seit Jahren als veraltet und unzureichend gesichert kritisiert wird.Â
Politische und gesellschaftliche Dimension
Der Fall hat auch politische Dimensionen angenommen. Eine Ărztin, die ihre Tochter bei dem UnglĂŒck verloren hat, stellte wiederholt die NeutralitĂ€t der Justiz infrage. Die Frau schlieĂt die GrĂŒndung einer eigenen Partei im Kampf gegen «Korruption und Vetternwirtschaft», nicht aus, wie sie sagt. Sie und andere Angehörige werfen der konservativen Regierung vor, wichtige Beweise vertuscht zu haben.Â
Populistische Parteien solidarisierten sich mit den Hinterbliebenen. Die Parteien teilen die VorwĂŒrfe und versuchen, politisches Kapital aus dem Fall zu schlagen. Andere Angehörige distanzieren sich von der Kritik und betonen ihr Vertrauen in die Justiz.
Auch Ăberlebende als NebenklĂ€ger
In dem Verfahren werden mehr als 350 Zeugen erwartet. Rund 230 Menschen, darunter Angehörige der Opfer sowie Ăberlebende, treten als NebenklĂ€ger auf. Beobachter rechnen mit einer Verfahrensdauer von Monaten, wenn nicht Jahren, wie der griechische Rundfunk (ERTNews) berichtete.
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