Nach Handgranatenanschlag: Anklage wegen versuchten Mordes
19.10.2023 - 12:36:46 | dpa.de
Seit vielen Monaten fĂŒhren zwei rivalisierende Gruppen im Raum Stuttgart eine blutige Fehde, der Höhepunkt war ein Handgranatenanschlag auf eine Trauergemeinde in Altbach bei Esslingen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat nun Anklage unter anderem wegen versuchten Mordes gegen den 23 Jahre alten mutmaĂlichen Granatenwerfer erhoben. Gegen fĂŒnf MĂ€nner erging auĂerdem Anklage wegen versuchten Totschlags und gefĂ€hrlicher Körperverletzung.
Der 23-jĂ€hrige Iraner soll laut Angaben der Staatsanwaltschaft vom Donnerstag die Handgranate absichtlich gezĂŒndet und geworfen haben. Eigentlich sollte diese auf dem Vorplatz der Aussegnungshalle landen, wo sich die Trauergemeinde versammelt hatte. Der Sprengkörper sei jedoch abgelenkt worden und etwa 30 Meter von dem Vorplatz entfernt gelandet, wo er auch explodierte. Die dabei freigesetzten Stahlkugeln verletzten mindestens 15 TrauergĂ€ste zum Teil schwer.
Die fĂŒnf MĂ€nner im Alter von 19 bis 21 Jahren sollen dem 23-JĂ€hrigen, der nach dem Wurf der Handgranate geflĂŒchtet war, noch in einem auf ihn wartenden Taxi FaustschlĂ€ge und Tritte verpasst und diesen aus dem Taxi gezerrt haben. Die TatverdĂ€chtigen - zwei mit deutscher, zwei mit tĂŒrkischer und einer mit georgischer Staatsangehörigkeit - sollen den 23-JĂ€hrigen auch gegen den ungeschĂŒtzten Kopf geschlagen und getreten haben. RettungssanitĂ€ter sollen sie mit dem Tod gedroht und diese so von RettungsmaĂnahmen abgehalten haben. Der 23-JĂ€hrige verlor schwer verletzt das Bewusstsein. Alle TatverdĂ€chtigen sind in Untersuchungshaft.
Ermittler vermuten rivalisierende Gruppen
Seit dem 20. Juli 2022 kommt es im GroĂraum Stuttgart zu Gewalttaten, hinter denen die Ermittler rivalisierende Gruppen vermuten - immer wieder wurde dabei auch auf Menschen geschossen. Im Zusammenhang mit den SchĂŒssen im Raum Stuttgart gab es bisher 34 Verhaftungen. VorfĂ€lle gab es unter anderem in Stuttgart-Zuffenhausen, in Plochingen, in Asperg im Kreis Ludwigsburg und in Eislingen im Kreis Göppingen. Den bisherigen Höhepunkt der Auseinandersetzungen markiert der Anschlag in Altbach.
Erst am Mittwoch waren vier Beteiligte zu mehrjĂ€hrigen Haftstrafen verurteilt worden. Den MĂ€nnern wurde vorgeworfen, im September vergangenen Jahres bei einem Schusswechsel zwischen zwei Gruppierungen vor einer GaststĂ€tte in Esslingen-Mettingen dabei gewesen zu sein. Verantworten mussten sich die MĂ€nner wegen versuchten Totschlags, wie ein Gerichtssprecher mitteile. Zwei von ihnen wurde auch unerlaubter Waffenbesitz vorgeworfen. Der Hauptangeklagte wurde laut Gerichtssprecher zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Ein weiterer Angeklagter bekam eine Jugendstrafe von fĂŒnf Jahren. Zwei Beteiligte wurden jeweils zu vier Jahren und drei Jahren Haft verurteilt. Die Urteile sind noch nicht rechtskrĂ€ftig.
Die TÀter versuchten laut Ermittlern, durch exzessive Taten ihre Stellung in der jeweiligen Gruppe zu festigen oder erst zu erreichen. Es gehe um Anerkennung und Respekt. Experten bezeichnen das PhÀnomen als «gewaltlegitimierte MÀnnlichkeit». Die VerdÀchtigen seien mÀnnlich, zwischen 19 und 26 Jahren alt, viele hÀtten einen Migrationshintergrund. Insgesamt gehe man von grob 300 Mitgliedern auf beiden Seiten aus.
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