Kritik, Gesetz

Kritik an Gesetz zur Tötung von BÀren im Trentino

05.03.2024 - 12:45:54

Im Trentino können sogenannte «ProblembĂ€ren» kĂŒnftig leichter abgeschossen werden. Der Landtag der norditalienischen Provinz segnete ein entsprechendes Gesetz ab - mit unterschiedlichen Reaktionen.

  • Ein Schild weist im Trention auf das Vorkommen von BĂ€ren hin. - Foto: Robert Messer/dpa

    Robert Messer/dpa

  • Ein BĂ€r lĂ€uft durch ein hĂŒgeliges Gebiet im Trentino (undatiertes Handout). - Foto: Matteo Zeni/Servizio Faunistico/dpa

    Matteo Zeni/Servizio Faunistico/dpa

Ein Schild weist im Trention auf das Vorkommen von BĂ€ren hin. - Foto: Robert Messer/dpaEin BĂ€r lĂ€uft durch ein hĂŒgeliges Gebiet im Trentino (undatiertes Handout). - Foto: Matteo Zeni/Servizio Faunistico/dpa

Der Streit um die BĂ€ren im Trentino geht weiter: Nachdem der Landtag der norditalienischen Provinz Trentino ein umstrittenes Gesetz abgesegnet hat, das die Tötung von bis zu acht BĂ€ren pro Jahr ermöglicht, fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. TierschĂŒtzer kritisierten die Entscheidung scharf.

Der Tierschutzverband Lav kĂŒndigte am Dienstag an, gegen das neue Gesetz juristisch und wenn nötig auf EU-Ebene vorgehen zu wollen. «Dieses Gesetz ist nur ein unverhohlener Rachefeldzug, der nichts an der Sicherheit der BĂŒrger des Trentino Ă€ndern wird», hieß es in der Mitteilung weiter.

Umsiedlung von «ProblembÀren»

ProvinzprĂ€sident Maurizio Fugatti von der rechten Lega-Partei zeigte sich hingegen zufrieden: «Unsere PrioritĂ€t ist es, die Sicherheit der Trentiner Bevölkerung zu gewĂ€hrleisten und die Bauernhöfe und Betriebe mit Nutztieren zu schĂŒtzen.» Beim Schutz der Menschen dĂŒrfe man nicht zurĂŒckstecken: «GefĂ€hrliche BĂ€ren mĂŒssen getötet werden.» Er betonte zudem, dass die von TierschĂŒtzern vorgeschlagene Umsiedlung von «ProblembĂ€ren» ins Ausland keine Lösung sei, da viele LĂ€nder dies bereits abgelehnt hĂ€tten.

Nach einer mehrstĂŒndigen Debatte im Landtag stimmten die Abgeordneten am spĂ€ten Montagabend dem Gesetzentwurf zu, der nach Angaben der Landesregierung der EindĂ€mmung der BĂ€renpopulation in der bei Urlaubern beliebten Region dient. Die Opposition brachte zahlreiche ÄnderungsantrĂ€ge ein und verzögerte damit die endgĂŒltige Abstimmung. Die Sitzung musste mehrfach unterbrochen werden, weil TierschĂŒtzer versucht hatten, in den Plenarsaal zu kommen, um gegen das neue Gesetz zu protestieren. Sie fordern mildere Maßnahmen, um das Zusammenleben zwischen Mensch und BĂ€r sicherer zu gestalten.

Mit dem neuen Gesetz ist es fĂŒr Fugatti kĂŒnftig einfacher, den Abschuss von bis zu acht problematischen und als gefĂ€hrlich eingestuften Tieren anzuordnen. Bereits zuvor war ihm dies möglich - allerdings mit vielen bĂŒrokratischen HĂŒrden. Von den maximal acht pro Jahr darf es sich nur um zwei erwachsene Weibchen, zwei erwachsene MĂ€nnchen sowie vier Jungtiere handeln. Diese Höchstquote gilt zunĂ€chst jeweils fĂŒr die Jahre 2024 und 2025.

Ein BÀr hat im letzten Jahr einen Jogger getötet

Die Festlegung auf bis zu acht BĂ€ren kommt von einer EinschĂ€tzung der italienischen Umweltbehörde Ispra. Die Tötung von bis zu acht BĂ€ren wĂŒrde im Trentino laut Ispra nicht zu einem bedrohlichen demografischen RĂŒckgang der BraunbĂ€ren fĂŒhren. Wenn man ĂŒberhaupt nicht eingreifen wĂŒrde, bedeute dies, dass die BĂ€renpopulation in 15 Jahren auf etwa 250 Tiere ansteigen könnte. Auf dem relativ kleinen Gebiet des Trentino wĂ€re dies verheerend.

Die BÀrenpopulation im Trentino hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebreitet. Derzeit werden dort etwa 100 ausgewachsene BraunbÀren vermutet. Bei der letzten SchÀtzung im Jahr 2022 waren es noch 85. Immer wieder kommt es zu ZwischenfÀllen. Im April vergangenen Jahres wurde ein junger Jogger von der BÀrin JJ4, genannt Gaia, attackiert und getötet. Seitdem hat sich die Debatte um die BÀren zugespitzt.

Die Forderungen nach der Tötung von «ProblembÀren» wurden nach dem aufsehenerregenden Vorfall immer lauter. Dagegen hielten jedoch TierschutzverbÀnde. Angesichts des neuen Gesetzes hat sich der Ton verschÀrft. Fugatti und andere Provinzvertreter werden inzwischen bedroht - zum Teil mit dem Tod.

@ dpa.de