Jugendliche, Drogen

EU-Bericht: Drogenmafia setzt verstÀrkt Jugendliche ein

09.06.2026 - 11:49:33 | dpa.de

Immer mehr junge Menschen werden von Kriminellen in Europa fĂŒr Drogenhandel und brutale AuftrĂ€ge rekrutiert. Dieses Modell hat mittlerweile einen eigenen Namen.

Mehr als vier Millionen Menschen konsumierten in Europa im vergangenen Jahr Kokain. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Mehr als vier Millionen Menschen konsumierten in Europa im vergangenen Jahr Kokain. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Europas Drogenbanden setzen zunehmend Jugendliche fĂŒr den Handel mit Rauschgift, aber auch fĂŒr Gewalttaten ein. Junge Menschen vor allem aus sozial benachteiligten Vierteln wĂŒrden von der Mafia fĂŒr EinschĂŒchterungen, Körperverletzungen und sogar als Auftragskiller angeworben, heißt es im Jahresbericht 2026 der EU-Drogenagentur (EUDA). Kriminelle HintermĂ€nner stellten Planung, Waffen, Geld und Transport bereit.

Die Anwerbung im Rahmen von sogenannten Gewalt-als-Dienstleistung-Modellen lĂ€uft nach Angaben der Experten teilweise ĂŒber soziale Medien. Diese Entwicklung ist nach EinschĂ€tzung der Behörde mit Sitz in Portugals Hauptstadt Lissabon Teil eines komplexer und gefĂ€hrlicher werdenden Drogenmarktes, auf dem immer neue und oft hochwirksame Substanzen auftauchen.

Neue Substanzen und traditionelle Drogen

Neue Substanzen kommen in hoher Geschwindigkeit auf den Markt, wĂ€hrend traditionelle Drogen wie Cannabis, Kokain und Heroin weiterhin weit verbreitet sind. Im vergangenen Jahr wurden in Europa erstmals 50 neue psychoaktive Substanzen registriert. Insgesamt ĂŒberwacht die Agentur inzwischen 1.050 solcher Stoffe. 

«Die DrogenmĂ€rkte entwickeln sich rasant weiter, und die Vielfalt der Substanzen auf den Straßen Europas wird immer unvorhersehbarer», warnte EUDA-Direktorin Lorraine Nolan. Dadurch steige das Risiko, dass Menschen hochwirksame Drogen konsumierten, ohne dies zu wissen.

Tausende Drogentote in Europa

Sorge bereiten den Experten vor allem neue synthetische Opioide. Diese hochwirksamen Stoffe können bereits in geringen Mengen lebensgefĂ€hrlich sein. Opioide, meist in Kombination mit anderen Substanzen, sind nach wie vor die hĂ€ufigste Ursache drogenbedingter TodesfĂ€lle in Europa. Die EUDA schĂ€tzt, dass es 2024 mindestens 7.600 TodesfĂ€lle (2023: knapp 7.500) durch Überdosierung gab, bei denen grĂ¶ĂŸtenteils mehrere Substanzen im Spiel waren. Mit 1.912 entfiel ein Viertel aller registrierten TodesfĂ€lle auf Deutschland.

EU-Innenkommissar Magnus Brunner verwies auf die Folgen des Drogenkonsums fĂŒr die Gesellschaft. «Wir mĂŒssen alles daransetzen, um zu verhindern, dass gefĂ€hrliche neue Produkte den Markt ĂŒberschwemmen», betonte er. Man mĂŒsse «mit aller HĂ€rte des Gesetzes gegen illegale HĂ€ndler vorgehen».

Cannabis bleibt mit rund 25 Millionen Konsumenten pro Jahr die am weitesten verbreitete Droge in Europa. Zudem beobachten die Behörden eine Ausbreitung des besonders problematischen Crack-Konsums. Auch der Kokainmarkt bleibt auf hohem Niveau: Etwa 4,3 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 64 Jahren hÀtten im vergangenen Jahr in Europa diese Droge konsumiert.

Katz-und-Maus-Spiel der Schmuggler

Gleichzeitig passen sich Schmuggler immer besser dem wachsenden Druck der Behörden an. Nach verstĂ€rkten Kontrollen in großen HĂ€fen wie Rotterdam und Antwerpen nutzen sie laut dem Bericht zunehmend kleinere HĂ€fen. Zudem setzten sie auf neue Methoden wie Umladungen auf hoher See, Drohnen, Schnellboote und sogar Halbtauchboote, um Drogen etwa von SĂŒdamerika oder Afrika nach Europa zu bringen.

Als alarmierend gilt derweil auch eine neue Gefahr: In mehreren EU-LĂ€ndern wurden zuletzt E-Zigaretten beschlagnahmt, die neben Nikotin auch Cannabisstoffe enthielten. Solche Produkte könnten kĂŒnftig auch als TrĂ€ger fĂŒr noch gefĂ€hrlichere Substanzen dienen, warnt die EUDA, dessen Bericht auf Daten aus den 27 EU-Staaten sowie aus Norwegen und der TĂŒrkei basiert.

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