Debatte, Höhe

Debatte um Höhe von Rundfunkbeitrag vor wichtigem Schritt

22.02.2024 - 11:50:09

In den BundeslĂ€ndern gibt es einen Streit, wie hoch der Rundfunkbeitrag sein sollte. Jetzt nennen unabhĂ€ngige Experten eine wichtige Zahl. Was bedeutet das fĂŒr die BĂŒrger?

Von 18,36 Euro rauf auf 18,94 Euro? In den BundeslĂ€ndern wird ĂŒber die Höhe des Rundfunkbeitrags fĂŒr ARD, ZDF und Deutschlandradio diskutiert. Am morgigen Freitag geben unabhĂ€ngige Experten ihre Empfehlung fĂŒr die nĂ€chsten Jahre ab. Was bedeutet das alles fĂŒr die BĂŒrger?

Wird sich sofort die Beitragshöhe Àndern?

Nein. Die unabhÀngigen Experten der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) sprechen am Freitag eine Empfehlung aus, wie hoch der Rundfunkbeitrag ab 2025 sein sollte. Sie entscheiden aber nicht. Das liegt in der Hand der BundeslÀnder, die in einem Staatsvertrag die Höhe festlegen. Die aktuelle Beitragsperiode lÀuft noch bis Ende 2024. Der Rundfunkbeitrag, den Haushalte und Firmen zahlen, liegt momentan bei monatlich 18,36 Euro.

Welche Höhe wird die KEF empfehlen?

Freitagnachmittag wird sie spĂ€testens offiziell bekannt sein, wenn die Experten ihren KEF-Bericht in Berlin an die BundeslĂ€nder ĂŒbergeben. In einem vorlĂ€ufigen Entwurf kamen die Experten auf 18,94 Euro, das wĂ€re ein Anstieg um 58 Cent.

Die BundeslĂ€nder beauftragen per Staatsvertrag den öffentlich-rechtlichen Rundfunk - sie bestimmen also, was er fĂŒr die Bevölkerung leisten oder welche Programme er anbieten soll. DafĂŒr mĂŒssen die HĂ€user finanziell ausgestattet sein. Der wirtschaftliche Aufwand folgt dem Auftrag. Die KEF ĂŒberprĂŒft regelmĂ€ĂŸig die FinanzplĂ€ne von ARD, ZDF und Deutschlandradio und achtet auf Sparsamkeit. Die BundeslĂ€nder mĂŒssen sich bei der Beitragshöhe eng an der Empfehlung der KEF-Experten orientieren. Dieses ausgefeilte GesamtgefĂŒge soll auch die verfassungsrechtlich geschĂŒtzte Rundfunkfreiheit sichern.

Was passiert im nÀchsten Schritt?

Die LĂ€nder mĂŒssen sich auf eine Position einigen, sie können nur einstimmig die Höhe festlegen. Und hier sind wir beim Problem: Es gibt unterschiedliche Ansichten. Einige MinisterprĂ€sidenten hatten bereits wĂ€hrend der Berechnungsphase der KEF klargemacht, dass sie keine Erhöhung des Rundfunkbeitrags mittragen werden. Sie sehen dafĂŒr in der Bevölkerung nicht genug RĂŒckhalt. Sie argumentieren auch, dass die Sender von ARD, ZDF und Deutschlandradio effizienter wirtschaften mĂŒssten. Und sie fĂŒhren die Krise beim ARD-Sender RBB um VorwĂŒrfe der Vetternwirtschaft an, die Vertrauen gekostet habe.

Es gibt dagegen andere LĂ€nder, die im Zweifel wohl eine mögliche Erhöhung mittragen wĂŒrden. Und es kamen in der Debatte Stimmen auf, die davor warnten, das Thema Rundfunkbeitrag als Wahlkampfthema zu benutzen oder damit Populismus zu betreiben.

Wird sich der Beitrag am 1. Januar 2025 verÀndern?

Das ist unklar. Mehrere Szenarien sind denkbar. Wenn die LĂ€nder in diesem Jahr keine Entscheidung treffen, bleibt die Höhe erst einmal auf dem jetzigen Niveau. Es ist möglich, dass die Sender spĂ€ter vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Das hatten sie bereits beim vergangenen Mal vor Jahren gemacht - als sich das Land Sachsen-Anhalt gegen eine Erhöhung um 86 Cent von 17,50 Euro auf 18,36 Euro stemmte und das Plus damit vorĂŒbergehend blockierte. Die Richter setzten 18,36 Euro schließlich durch und wiesen das Bundesland in seine Schranken.

Was ist noch denkbar?

Es könnte eine Art Moratorium der LĂ€nder ins Spiel kommen, weil sie parallel an der Reform der RundfunkhĂ€user arbeiten und die KEF ein Sondergutachten zu möglichen Einsparungen von Reformschritten erstellen soll. Die LĂ€nder könnten sich fĂŒr eine Übergangszeit Luft verschaffen, bevor sie die Frage zur Beitragshöhe klĂ€ren. Im Herbst wollen die LĂ€nder ReformvorschlĂ€ge prĂ€sentieren. Es könnte zudem sein, dass LĂ€nder Druck auf die Sender aufbauen, nicht in Karlsruhe zu klagen. Die Sender halten sich in der aktuellen Debatte zurĂŒck und verweisen darauf, dass KEF und LĂ€nder am Zug seien.

@ dpa.de