Frankreich, Prozess (Gericht)

Vermisstenfall fesselt Frankreich: Ehemann vor Gericht

22.09.2025 - 04:44:36

In den frĂŒhen Morgenstunden meldet ein Mann seine Frau in Frankreich als vermisst. Wenig spĂ€ter gerĂ€t er ins Visier der Ermittler. Die Frau wird nie gefunden, der Mann steht nun vor Gericht.

Es ist einer der berĂŒhmtesten VermisstenfĂ€lle der vergangenen Jahre in Frankreich, der nun vor Gericht kommt. Scheinbar spurlos verschwindet eine junge Mutter nachts in einem kleinen Ort in SĂŒdfrankreich. Ermittler gehen bald von einer Straftat aus. Doch ein GestĂ€ndnis gibt es nicht und auch eine Leiche wird nicht gefunden. Fast fĂŒnf Jahre spĂ€ter steht ab heute der Ehemann der Verschwundenen in Albi vor Gericht. Die Anklage lautet: vorsĂ€tzliche Tötung seiner Partnerin. Ein Vorwurf, den der Beschuldigte zurĂŒckweist.

Paar steht vor der Scheidung

Die Nacht, in der die damals 33-jĂ€hrige Krankenschwester verschwindet, ist die Erste, in der im Dezember 2020 wegen der Corona-Pandemie landesweit eine nĂ€chtliche Ausgangssperre gilt. Kurz nach 4.00 Uhr meldet der Mann seine Frau bei der Gendarmerie als vermisst. Die beiden befinden sich zu dem Zeitpunkt in der Scheidungsphase, haben einen sechs Jahre alten Sohn und eine anderthalb Jahre alte Tochter. Die Frau stellt sich eine Zukunft mit ihrem heimlichen Liebhaber vor, wie Medien spĂ€ter ĂŒbereinstimmend berichten.

Schon bald betreiben die Ermittler großen Aufwand, um die Frau zu finden. Außer ihrem Telefon und der Kleidung an ihrem Körper fehlt nichts. Fahnder gehen in dem 2.500-Seelen-Ort Cagnac-les-Mines von Haus zu Haus, Freiwillige und Hunde durchforsten die Umgebung, Helikopter und Drohnen ĂŒberfliegen waldiges Gebiet, auch Taucher kommen zum Einsatz und ein Teich wird abgepumpt. Ohne Erfolg.

Berichte ĂŒber Ungereimtheiten und Drohungen

Ein halbes Jahr nach dem Verschwinden gerĂ€t dann der Ehemann ins Visier der Fahnder. Ein Ermittlungsverfahren wegen Tötung wird gegen ihn eingeleitet. Medien berichten von Ungereimtheiten in seinen Aussagen zum Abend des Verschwindens. Zwei Nachbarinnen geben demnach an, in der Nacht die Schreie einer Frau gehört zu haben. Die Brille der Verschwundenen ist stark beschĂ€digt. Ihr Auto ist am Morgen andersherum geparkt als ĂŒblich und noch am Abend zuvor, heißt es.

Zudem erzĂ€hlen Bekannte den Berichten zufolge von Drohungen, die der Noch-Ehemann gegen seine Frau ausgesprochen haben soll. «Ich werde sie töten, ich werde sie begraben und niemand wird sie finden», soll die Mutter des Mannes diesen wiedergegeben haben, schreibt der «Parisien». Der Sender France Info berichtet, der Mann habe solche Äußerungen vor den Ermittlern als «leere Worte» abgetan.

Der mittlerweile 38-JÀhre hat stets seine Unschuld beteuert. Seine Verteidiger werfen den Ermittlern vor, nur in eine Richtung geguckt zu haben. Seit Jahren sage ihr Mandat das Gleiche, meint AnwÀltin Emmanuelle Franck im Sender LCI. NÀmlich: «Ich bin und war vielleicht kein perfekter Ehemann, vielleicht kein perfekter Papa, ich bin sicherlich nicht perfekt. Aber, was sicher ist, ist, dass ich kein Mörder bin», paraphrasierte Franck den in Untersuchungshaft sitzenden Mann.

Doch, was den Fall auch so bizarr macht, ist, dass ein ehemaliger Mitgefangener und eine zwischenzeitliche Freundin des Mannes erzĂ€hlen, er hĂ€tte ihnen gegenĂŒber davon gesprochen, seine Frau getötet zu haben. Dem Mann droht vor Gericht nun lebenslange Haft.

Riesiges Interesse an Fall mit vielen Fragezeichen

Der rÀtselhafte Fall um das Verschwinden der Frau hat Frankreich in seinen Bann gezogen. Fast 300 Medienschaffende wollen dem Gerichtsverfahren beiwohnen. In etlichen Podcasts, Videos und Artikeln zeichnen Medien den Verlauf der Ermittlungen, die Tage vor und nach dem Verschwinden der Frau, detailliert nach. Laurent Nakache-Haarfi, der einige Geschwister der Verschwundenen in dem Verfahren vertritt, sagte der Zeitung «Libération» kurz vor Prozessbeginn, die Familie hoffe, dass aufgehört werde, aus dem Fall ein Spektakel zu machen.

@ dpa.de