Deutschland, Bevölkerung

Jede fĂŒnfte 45- bis 49-JĂ€hrige bleibt kinderlos

14.06.2023 - 14:24:24 | dpa.de

In Deutschland hat jede fĂŒnfte Frau am Ende ihres gebĂ€rfĂ€higen Alters keine Kinder. Was sind dafĂŒr die Ursachen? Gibt es regionale Unterschiede? Und welchen Einfluss hat der Bildungsgrad?

Eine Mutter mit Kind. Ein FĂŒnftel der Frauen zwischen 45 und 49 in Deutschland bleibt dagegen kinderlos. - Foto: Patrick Pleul/dpa

Jede fĂŒnfte Frau zwischen 45 und 49 Jahren in Deutschland hat im vergangenen Jahr keine leiblichen Kinder gehabt. Damit liegt die sogenannte Kinderlosenquote zum Ende des gebĂ€rfĂ€higen Alters seit zehn Jahren nahezu unverĂ€ndert bei 20 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Vor 15 Jahren war die Quote noch etwas niedriger und betrug 17 Prozent.

Mit Blick auf die Daten von 2022 zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: So war die Quote in Westdeutschland (20 Prozent) deutlich höher als in Ostdeutschland (ohne Berlin) mit 14 Prozent. Schaut man auf die einzelnen BundeslĂ€nder, waren die Frauen im Alter zwischen 45 und 54 Jahren in den Stadtstaaten Hamburg (29 Prozent) und Berlin (25 Prozent) deutlich hĂ€ufiger kinderlos als etwa in ThĂŒringen, wo die Quote bei 13 Prozent lag.

Freizeit und Karriere in der Stadt

«GroßstĂ€dte bieten viel mehr Möglichkeiten, was Freizeit und Karriere - aber auch was einen wechselnden Partnermarkt betrifft. Da wollen sich viele nicht binden und festlegen», sagt Martin Bujard vom Bundesinstitut fĂŒr Bevölkerungsforschung (BiB). Zudem seien StĂ€dte mit dem vielen Verkehr oder dem teuren Wohnraum meist weniger familienfreundlich.

Und welche Rolle spielt der Bildungsgrad? Bei Frauen zwischen 45 und 49 Jahren mit hoher Bildung betrug die Kinderlosenquote 23 Prozent. Bei mittlerer Bildung waren es 21 Prozent und bei einem niedrigen Bildungsstand sogar nur 11 Prozent. Allerdings: Vor einigen Jahren war die Quote bei den höher Gebildeten mit 28 Prozent noch grĂ¶ĂŸer: «Die Entwicklung ist ein Erfolg und hat viel mit der verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf, beispielsweise mit der EinfĂŒhrung des Elterngelds, zu tun», sagt Bujard.

Drei GrĂŒnde fĂŒr Kinderlosigkeit

Der Experte sieht vor allem drei GrĂŒnde fĂŒr Kinderlosigkeit: «Da sind die Frauen, die generell nie Nachwuchs wollten. Dann gibt es diejenigen, die biologisch keine Kinder bekommen können. Und dann noch jene, die keinen Partner finden oder zu lange warten.»

Zugleich suchen immer mehr Frauen jenseits der 40 Hilfe in Kinderwunschkliniken: Waren es 2011 noch rund 8000 Patientinnen aus dieser Altersgruppe, lag die Zahl zehn Jahre spĂ€ter bereits bei mehr als 12 600. Oft seien die Frauen ĂŒberrascht darĂŒber, wie schlecht die Aussichten auf ein Baby trotz reproduktionsmedizinscher Hilfe seien, hieß es unlĂ€ngst beim Deutschen IVF-Register, das Daten ĂŒber Behandlungen aus mehr als 130 Kinderwunschzentren bundesweit zusammentrĂ€gt. Ab 40 sinke nicht nur die Schwangerschaftsrate, die Fehlgeburtenrate nehme auch stark zu.

«Der Erfolg von Kinderwunschkliniken wird von Ă€lteren Frauen oft ĂŒberschĂ€tzt. Und auch das social freezing - also das Einfrieren von Eizellen - gibt die falsche Sicherheit, dass man die Entscheidung fĂŒr ein Kind immer weiter aufschieben kann», sagt Bujard. Politik und Gesellschaft sollten vielmehr Voraussetzungen schaffen, um bereits bei jĂŒngeren Erwachsenen eine Elternschaft interessanter zu machen.

739.000 Babys 2022

Nach Angaben des Statistische Bundesamts vom Mittwoch wurden im vergangenen Jahr in Deutschland insgesamt weniger Kinder geboren als in den Vorjahren: Laut vorlÀufiger Daten kamen 739.000 Babys auf die Welt. Das waren 7,1 Prozent weniger als 2021 und 5,6 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2021. Auch die Geburten Anfang 2023 blieben auf niedrigem Niveau.

Eine der wichtigsten Ursachen fĂŒr die sinkende Geburtenzahl ist laut Bundesamt, dass es weniger Frauen im Alter von Ende 20 bis Ende 30 gibt - der Altersspanne, in der die meisten Kinder geboren werden. «Auch die Verunsicherung der Bevölkerung durch zahlreiche Krisen könnte sich negativ auf die Familienplanung ausgewirkt haben», vermutet das Team fĂŒr demografische Analysen.

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