Tödliches Gift hergestellt: Jugendlicher im Visier
17.04.2025 - 14:09:28 | dpa.de
Die Szenerie erinnert an einen Endzeitfilm: EinsatzkrĂ€fte in silbernen SchutzanzĂŒgen mit Hauben ĂŒber dem Kopf gehen in ein Wohnhaus im sĂ€chsischen Zeithain. Im Dachgeschoss des Elternhauses soll ein 16-JĂ€hriger in einem selbst eingerichteten Labor tödliches Gift hergestellt und aufbewahrt haben. «Gegen den 16-JĂ€hrigen wird wegen des VerstoĂes gegen das Kriegswaffengesetz ermittelt», sagte Kay Anders vom sĂ€chsischen Landeskriminalamt (LKA).
Experten in Vollschutz im Einsatz
Die kleine, mit Pflastersteinen ausgelegte StraĂe, ist komplett blockiert von Fahrzeugen der Feuerwehr und Beamten des LKA. Der Blick auf den alten Dreiseitenhof bleibt verwehrt. Die Feuerwehr hatte am Vormittag eine sogenannte Dekontaminationsstrecke aufgebaut, erlĂ€uterte Anders vom LKA. «Ein Expertenteam des LKA ist nun unter Vollschutz in das GebĂ€ude gegangen und wird das Labor untersuchen.»
Mehrere Ampullen eines Gemisches aus Aconitin und Ricin soll der Jugendliche hier stehen haben. Ricin ist eine biologische Waffe im Sinne des Kriegswaffenkontrollgesetzes. Experten des Robert Koch-Instituts (RKI) sind zur UnterstĂŒtzung vor Ort, bestĂ€tigte der LKA-Sprecher.
Bereits niedrige Konzentrationen können tödlich sein
Das extrem giftige Pflanzengift Ricin kann bereits in sehr niedrigen Konzentrationen tödlich wirken. Gewonnen wird es nach Angaben des RKI vor allem aus den Samen des Rizinusbaums (Ricinus communis).Â
Das Alkaloid Aconitin ist nach Angaben des Bundesinstituts fĂŒr Risikobewertung (BfR) im Blauen Eisenhut enthalten. «SĂ€mtliche Teile der Pflanze enthalten Aconitin, das giftiger ist als das aus Krimis wohlbekannte Strychnin», schreibt das BfR. FĂŒr erwachsene Menschen seien bereits etwa zwei bis sechs Milligramm - also Tausendstel Gramm - reines Aconitin tödlich.
Keine Gefahr fĂŒr Kita und Grundschule
Direkt anschlieĂend an das Wohnhaus befinden sich eine KindertagesstĂ€tte und eine Grundschule. «Die beiden Einrichtungen wurden informiert aber nicht evakuiert. Es besteht keine Gefahr fĂŒr die Bevölkerung», betonte LKA-Sprecher Kay Anders.
GelĂ€nde ist groĂrĂ€umig abgesperrt
Die ermittlungstechnischen MaĂnahmen dauerten am spĂ€ten Mittag noch an. Ziel sei es, sĂ€mtliche giftige Substanzen und sonstige Beweismittel sicherzustellen, hieĂ es weiter. Das GelĂ€nde ist groĂrĂ€umig â inklusive sĂ€mtlicher ZufahrtsstraĂen â abgesperrt.
Ein Haftbefehl wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht beantragt. Der Beschuldigte sei nicht vorbestraft, HaftgrĂŒnde lĂ€gen nach derzeitigem Stand der Ermittlungen nicht vor.
16-JĂ€hriger zuvor bereist im Visier der ErmittlerÂ
Der 16-JÀhrige war bereits vor einigen Monaten im Visier der Ermittler geraten. «Es hatte bei dem VerdÀchtigen bereits im Dezember vergangenen Jahres eine Durchsuchung gegeben. Dabei waren geringe Mengen der Giftstoffe entdeckt worden», sagte Kay Anders vom Landeskriminalamt Sachsen der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage.
Damals habe es Hinweise gegeben durch HĂ€ndler, die verpflichtet sind bei sensiblen VerkĂ€ufen wie SchutzausrĂŒstung und Labortechnik die Behörden zu informieren. «Offenbar hat der Jugendliche nicht aufgehört und hat sich erneut Samen der Pflanzen besorgt», erlĂ€uterte Anders.
Noch ist unklar, wann erste Ergebnisse der Durchsuchungen bekanntgegeben werden. Auch zu den HintergrĂŒnden und was der Jugendliche mit dem Gift tun wollte, Ă€uĂern sich die Ermittler derzeit nicht. Ob der Jugendliche bereits befragt wurde, sagte der LKA-Sprecher nicht. Bei Jugendlichen bestĂŒnden ohnehin strenge Vorgaben bei Befragungen.
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